Im Nebel

Schon gewusst…?

Frouwa/Freya (an. Freyja)


Die Göttin der Liebe und der Fruchtbarkeit. Sie wählt vor Odin die Hälfte der gefallenen Helden, die zu ihr nach Folkwang statt nach Walhall kommen.

  • Ich studiere in Tübingen und bin dieses Wochenende mal wieder heim, an den Rand des Schwarzwalds, gefahren. Heute morgen waren meine Eltern und meine Schwester bei einem Schulfest, ich hatte aber keine Lust mitzugehen. Ich saß dann also allein daheim und langweilte mich recht bald. Ein Blick aus dem Fenster zeigte, dass dichter Nebel über dem Dorf hing, eine Menge Wasser tropfte von den Bäumen und kleine Eisbrocken fielen von den Ästen (obwohl es in letzter Zeit nicht geschneit hat), der Boden war aufgeweicht und matschig und die Temperatur war knapp über dem Gefrierpunkt. Kurz gesagt: Genau das richtige Wetter für einen Spaziergang.


    Ich zog also meine Jacke an und ging hinaus. Es war eigentlich sogar ganz angenehm, die feuchte, frische Luft tat in der Lunge gut und aufgrund der Windstille habe ich auch nicht gefroren. Auf den wenigen hundert Metern bis zum Rand des Dorfes begegnete mir kein Mensch, kein Wunder bei dem Wetter, nur im Garten des letzten Hauses vor dem Waldesrand rechte eine Frau Laub auf einen Haufen. Im Wald war es durch den Nebel eigentlich sehr schön und mystisch, aber die vielen gefällten Bäume, Schneisen im ehemals dichten Wald und die Spuren der großen Maschinen der Waldarbeiter, die hier in den letzten Wochen arbeiteten, gaben ein seltsames Bild ab. Diese Spur der Zerstörung zog sich, auf beiden Seiten des Weges, die nächsten paar hundert Meter hin. Als ich schließlich den Waldweg verließ, änderte sich dieser Anblick nicht. Ganz in der nähe des Steinkreises, den ich mit Svan im Sommer errichtete, wir haben ihn aber bis zum heutigen Tage nicht fertig gestellt oder geweiht, war sogar ein alter Jägerstand umgestürzt. Ob von Menschenhand oder ob das morsche Holz von alleine in sich zusammenfiel konnte ich nicht feststellen.


    Als ich an den jungen Nadelbäumen, die dort stehen, vorbeikam, sah ich gerade noch wie ein großer Hase aus dem Steinkreis heraus rannte und im Unterholz verschwand. Ein Zeichen der Götter? Es ist ja nicht sehr wahrscheinlich, dass ein Tier genau in dem Moment in dem ich es sehen kann in dem Steinkreis hockt, der nur wenige Quadratmeter groß ist. "Die Grenzen zwischen den Welten sind im Nebel besonders fließend", dachte ich und sah mir die Umgebung genauer an. In dem Teil des Waldes den man vom Steinkreis aus sehen kann war kein einziger Baum gefällt, was mich sehr freute und angesichts der bisherigen Zerstörungen ein wenig wunderte. Ich schaute mir den Steinkreis an, der sich kaum von der Umgebung abhob da überall gelbe Laubblätter herumlagen, die exakt die Farbe der Steine hatten. Auch ein wenig seltsam. Innerhalb und außerhalb des Kreises wuchsen eine Menge Pilze, bei meinem letzten Besuch, der zugegebenermaßen schon eine Weile her ist, habe ich keinen einzigen gesehen.


    Ich stellte mich also in den Steinkreis und dachte ein wenig über mein Leben nach. Ich erinnerte mich daran, dass ich mir immer vorgenommen habe, die Götter ein wenig mehr zu ehren. Ich beging die Jahreskreisfeste eigentlich nie, kleine Blots alleine oder ähnliches machte ich nicht und ich hatte auch keinen wirklichen Anschluss an eine aktive Heidengemeinschaft. Schon seit Jahren nehme ich mir immer wieder vor das zu ändern. Aber ich musste feststellen, dass sich daran in letzter Zeit gar nichts geändert hat. Man muss nicht nur wollen, sondern auch etwas tun. Das wurde mir klar. Ich verließ den Steinkreis und machte mich auf den Heimweg. Nach ca. 10 Metern sah ich direkt vor mir 3 schwarze Federn auf dem Waldboden. Alle drei auf einem Fleck. Sie waren nicht schön, sondern nass, klein und zerrupft. Ich habe sie mitgenommen und sie liegen jetzt auf meinem Schreibtisch, da ich nicht weiß was ich mit ihnen anfangen soll.


    Was das alles bedeuten könnte weiß ich nicht. Es ist auch keine allzu spektakuläre Geschichte, aber ich wollte sie euch dennoch erzählen, hoffentlich findet der ein oder andere sie ja doch interessant ;)

  • Hallo Jossl,


    ersteinmal Danke für das Teilen Deiner Erfahrung!


    Ich erinnerte mich daran, dass ich mir immer vorgenommen habe, die Götter ein wenig mehr zu ehren.


    Das hast Du heute, indem Du in Dich gekehrt bist, die Federn beachtetest (auch ein Aspekt von Odins zwei Raben Huginn und Muninn). Dass es genau drei waren: Eins für die Erinnerung, eins für die Gedankenentstehung und eine für Dich - was machst DU aus Erinnerung und jetzigen Gedanken? Was fängst Du mit Deinen Erkenntnissen jetzt an, die Du dabei gehabt hast?


    Was das alles bedeuten könnte weiß ich nicht


    Interessant finde ich, was diese Seite über das Krafttier des Hasen preisgibt: Krafttier Hase (bitte scrollen). Mir fällt dabei auf, dass dort beschreiben wird, man sollte mehr auf seine Intuition hören. Zum einen denke ich, hast Du selbst dies bei Deinem Spaziergang erfolgreich getan (Du bist in Dich gegangen, hast Dich erinnert und stellst Dein bisheriges Tun in Frage, Du schenktest dem Moment Deine volle Aufmerksamkeit, auch - indem Du die Federn aufsammeltest).
    Was Du mit den Federn weiterhin anfangen sollst kann ich mir als schöne Lernaufgabe in Richtung "Intuition" vorstellen. Warte ab und iwann wird es Dir, wie eine Art von Eingebung erscheinen und Du weißt, wofür sie genau in dem Moment richtig sind.
    Ich sammele auch gern Interessantes in der Natur oder habe manchmal das Gefühl "ich muss das mitnehmen". Es gibt Sachen, die stehen Jahre in meinem Schrank (mehr oder weniger zu Dekorationszwecken) und iwann benötige ich aber GENAU DAS (was auch immer das dann sein mag ;) )
    Also bewahre sie einfach auf.
    Pilze, die sich in Ringen ansammeln nennt man sogenannte Hexenringe und man spricht ihnen magische Kräfte zu. Ich weiß ja nicht, in welcher Formation sich die Pilze da angesammelt haben, geschweige denn, was für Pilze es waren.
    Was fängst Du nun damit an? Ein kleines Opfer beim nächsten Waldgang würde ich Dir empfehlen zu tun. Für den Winter kannst Du auch durchaus einen Vogelfutterring opfern.
    So, ich denke, das sollte erstmal reichen. Ich wünsche Dir, dass Du in Zukunft mehr solcher Unternehmungen hast. Dazu braucht es keine Gemeinschaft, kein gewolltes Blot oder sonstige erzwungene Geschichten. Für mich ist die Botschaft klar: Handele nach Deiner Intuition und "lass es wachsen".


    Liebe Grüße
    Ravena