Beiträge von Asgrimm

Schon gewusst…?

Balder


Schöner Sohn von Odin und Frigg. Bei allen beliebt, außer bei Loki. Macht wenig, außer durch einen Mistelzweig zu sterben – wodurch der Untergang der Welt eingeleitet wird.

    Wenn man die Natur als Göttlich, das Göttliche aber gleichzeitig größer als die Natur sieht, nennt man das Panentheismus (Alles ist in Gott).

    Ich glaube da lag mein Denkfehler.

    Ich habe leider gerade nicht die Zeit auf den Rest deines Posts einzugehen. Ich komme aber bei Zeiten darauf zurück.

    Dass ich Härgers Deutung für überinterpretiert halte, hatte ich früher ja schon geschrieben.

    Der Meinung bin ich auch.

    Trotzdem denke ich aber das er auf der richtigen Spur ist, auch wenn er dabei über das Ziel hinaus schießt.

    Wie ich schrieb verwechselst du wahrscheinlich Pantheismus mit Polytheismus.

    Nein, ich habe schon den Pantheismus gemeint.

    Ich muss aber zugeben das ich den Pantheismus unbeabsichtigt etwas missrepräsentiert habe.


    Ich versuche mich mal zu korrigieren:


    Im Pantheismus ist die Natur ein Teil des Göttlichen (im Sinne von ein Teil des Ganzen)


    Im Animismus ist das Göttliche ein Teil der Natur


    Beide sind metaphysische Konzepte während Mono- und Polytheismus lediglich Bezeichnungen für den Glauben an einen oder mehrere personifizierte Götter sind.

    Grundsätzlich hast du natürlich recht das beide zu einem gewissen Maß ineinander fließen können.

    Genug Beispiele hast du ja bereits genannt. Soweit sind wir ja glaube ich auch einer Meinung.


    Der Punkt um den es mir aber ursprünglich ging war der, dass sich diese Sache mit dem gegessenen Herz wesentlich nahtloser in eine vom schamanischen geprägte und somit animistische Interpretation einfügt als in eine auf mediterranen Vorstellungen basierende Interpretation.


    Gerade die Philosophie der Stoa passt eigentlich wie die Faust aufs Auge zur Germanischen Mythologie und der Rolle des Schicksals in ihr.

    Dazu muss man aber natürlich beachten, dass die Stoa auch die Philosophie des Christentums geprägt hat und das Christentum hat möglicherweise wiederum die Zusammenstellungen/ Interpretationen von Snorri und co geprägt. Wir kennen das Problem ja... ^^

    Auch wenn ich verstehe wie du auf die Assoziation kommst, denke ich das passt nicht ganz so nahtlos zusammen.

    Die Haltung der Germanen gegenüber dem Schicksal hat mehr mit Nietzsches "Amor Fati" gemeinsam als mit dem stoischen "Ataraxia" und auch die Tugenden der Germanen sind nicht unbedingt so deckungsgleich mit den stoischen.

    Zudem ist der germanischen Kultur ein gewisser Hedonismus zu eigen der sich auch im Grundsatz mit der Stoa beißt.


    Allgemein bin ich aber ein großer Fan der Stoiker.

    Dies fällt insbesondere ins Gewicht wenn man bedenkt, dass in die Grenzen zwischen den verschiedenen Kategorien von Geistern in den benachbarten schamanischen Kulturen wesentlich fließender sind als z.B. in den mediterranen pantheistischen Religionen.

    Ich weiß leider beim besten Willen nicht mehr worauf ich mit dem Seitenhieb auf den Pantheismus hinaus wollte.

    Zumindest fällt mir jetzt nichts mehr ein, was ich nicht bereits in meinem ersten Post angerissen hatte.

    Ich bin gerade wieder darauf gekommen warum ich den Unterschied zwischen Pantheismus und Animismus hier für bedeutend halte.

    Der Unterschied besteht im wesentlichen in der Unterschiedlichen Sichtweise auf die "göttlichkeit" der Natur.


    Im Pantheismus wird die Natur als göttlich angesehen weil sie selbst von den Göttern erschaffen wurde.


    Im Animismus wird die Natur als göttlich angesehen weil die Götter selbst aus ihr hervor gegangen sind.


    Beide Denkmodelle sehen also den Ursprung des göttlichen an verschiedenen Stellen.

    Da im Pantheismus die Götter über der Natur stehen, besteht im Pantheismus eine vergleichsweise klare Trennung zwischen Göttern und niederen Wesenheiten.

    Im Animismus sind die Grenzen erheblich fließender.

    Götter, höhere Geister, niedere Geister, Menschen, Tiere,...

    Alles ist Teil eines größeren Ganzen.


    Daher rührt dann auch meine Schlussfolgerung:

    Seine Schlussfolgerung, so wie ich sie verstanden habe, ist dass die fragliche Frau in die selbe generelle Kategorie von "Naturgeistern" fällt wie andere schamanische Hilfsgeister.

    Er zieht hier lediglich Parallelen zu anderen Mythen/Erzählungen um selbige auf zu zeigen.

    Bezogen auf den Gesammtkontext dieser Zeile:

    18:40

    "So Loki most likeley, in an earlier account, probably from the oral tradition lost to us, must have eaten the heart of a powerful animal probably a serpent or a dragon...."


    und dann schlägt er einen Bogen vom Tierherzen essen zum schamanistischen Initationsritus.

    Ich hoffe das ist soweit verständlich.

    Die Wirkung von Runen ist nicht über den Placeboeffekt hinaus quantifizierbar.

    Das wird schon alleine dadurch deutlich, wie viele "Praktizierende" sich jede Rune der jeweilig gewünschten Bedeutung Untertan machen ohne jede Kenntnis oder Reflektion der historischen (und somit zu ihrer Zeit traditionellen) (Be)deutung.

    Wären die Wirkung von Runen objektiv, würden sich diese Leute alle massiv selber schaden.


    Abseits davon tragen sie aber alle ein spezifisches "Heil" oder "Nid" in sich, dass durch den richtigen Gebrauch freigesetzt werden kann.

    Wer das nicht auseinanderhalten kann, dem ist eh nicht zu helfen.

    Das Problem ist, dass praktisch niemand es auseinander hält.

    Alleine wenn wir uns die Darstellung der Wikingerzeit in so ziemlich sämtlichen Medien anschauen sehen wir eigentlich nur wagnerische Ideen, Tolkien für Arme und Skyrim.

    Wie soll der Laie da jemals ein besseres (richtigeres) Bild davon bekommen?

    Und dann ziehen wir hier als eine unserer Hauptquellen ein Schriftstück zu Rate, welches auch noch in Reimen verfasst wurde?! Das macht es nicht grad leichter, sich möglichst exakt an „die Wahrheit“ zu halten.

    Niemand hat behauptet das es leicht ist oder leicht sein soll.

    Sich Wissen an zu eignen ist immer mit Arbeit verbunden.

    Ich beschäftige mich jetzt seit über 20 Jahren mit der Wikingerzeit und finde immer noch neues heraus.

    Jede historische Quelle muss kritisch und disziplinübergreifend betrachtet werden.

    Alles muss miteinander verglichen und gegengeprüft werden.

    Jede wissenschaftliche Arbeit, und sei sie noch so gut, hat binde Punkte.

    "Confirmation Bias" und "Survivorship Bias" sind bei allen Betrachtungen mit zu beachten.

    Ein Laie kann und will das alles nicht leisten.

    Trotzdem lässt sich aber anhand der vorhandenen Quellen ziemlich vieles mit ziemlicher großer Sicherheit sagen.

    Es wird zwar immer blinde Punkte geben aber das Gesamtbild ist relativ klar erkennbar für die, die bereit sind die entsprechende Arbeit rein zu stecken.

    Alles, was wir wissen – von Tacitus bis Snorri... alles aufgeschrieben von Personen, die nicht wirklich „dabei“ waren.

    Das stimmt so nicht ganz.

    Sicherlich sind die meisten Schriftquellen Sekundärquellen aber z.B. Beda Venerabilis oder Ibn Fadlan beschreiben Dinge die sie selbst gesehen und miterlebt haben.

    Ebenso diverse englische, fränkische, maurische und byzantinische Chronisten.

    Zudem gibt es eben auch Primärmaterial das die Sekundärquellen in Teilen stützt.

    Er macht halt, so gut er kann/weiß – wie jeder von uns.

    Was uns auch gleich ins nächste Problem führt.

    Die meisten Neuheiden sind Laien und haben ein entsprechend freimütiges Verhältnis zu den Quellen.

    Ich bin zwar grundsätzlich für leben und leben lassen im religiösen/spirituellen aber wenn sich dann Leute Autorität über etwas anmaßen das sie aus ihrem Blickwinkel gar nicht überschauen können finde ich das schon problematisch.

    Ich versuche das mal mit einem Meme zu verdeutlichen:

    Sad but true

    Das Problem besteht darin das mangelndes Fachwissen durch reichlich Meinung ausgepolstert wird.

    Dadurch wird das nordische im Prinzip auf eine Ästhetik reduziert die bereits bestehenden Formen von Spiritualität (oder besser Esoterik) übergezogen wird.

    Analog zu dem was in den 60ern und 70ern mit den Indischen und "Indianischen" Religionen gemacht wurde. ("New Age" etz.)

    Alles was unser kulturelles Erbe einzigartig macht wird dem Einheitsbrei der Esoteriker untergeordnet oder von bekloppten (z.B. Gardinen-Geza oder die ewig gestrigen) vereinnahmt.

    Das ist eine Fantasygeschichte, da gilt künstlerische Freiheit. :P ;)

    Da hast du natürlich vollkommen recht.


    Ich hatte glaube ich in meinem ersten Post zu dem Thema noch gar nicht herausgestellt, dass ich schriftstellerischen (Spiele und Screeenwriting zähle ich da mit rein) "Interpretationen" von Mythologie grundsätzlich ablehnend gegenüber stehe.

    Ebenso wie ich dem einbringen von Esotherik und anderen Fantasykonstrukten in unseren Glauben negativ gegenüber stehe.

    Für mich schlägt das beides in die selbe Kerbe.


    Aber...

    Kunst und Satire darf alles.


    Ich kann das für mich teilweise voneinander trennen.

    Klar war ich von der Darstellung unserer Götter jetzt nicht begeistert, aber Spaß hat das Spiel trotzdem gemacht und die Geschichte über Vater und Sohn ist schon schön.

    Um solche Szenen im Buch runder zu gestalten,


    hätte ich gern einige Anregungen/Ideen/Einwände/Vorschläge von anderen gehabt.

    Moin.

    Um es gleich vorweg zu nehmen.

    Ich halte persönlich eher weniger von Büchern wie deinem.

    Ich habe selber eine Zeit lang geschrieben (wenn auch nichts veröffentlicht), ich habe also den höchsten Respekt vor der Arbeit die du in die Geschichte reinsteckst.

    Es ist halt nur ein enorm empfindliches Thema dem man nur sehr, sehr schlecht auch nur halbwegs gerecht werden kann.

    Wie empfindlich das Thema unter uns Heiden sein kann sieht man ja gerade am Fat-Thor & Angboda Thema.

    Es ist praktisch unmöglich sich schriftstellerisch an einer Mythologie zu bedienen ohne selbige massiv zu reduzieren und von ihr abzuweichen.

    Insbesondere da der unkritische Leser für gewöhnlich keine Trennlinie zwischen Mythologie und Fantasy zieht.


    Aller Kritik zum Trotz würde ich unter Vorbehalt meine Hilfe anbieten.

    Ich gehöre hier im Forum eher zu den Quellennörgelern, kann also relativ gut begründen was meine Meinung ist und worauf ich sie Stütze.

    Speziell im Bezug auf Fragen zum historischen Kontext und dessen Einordnung könnte ich also durchaus hilfreich sein.

    Meine allgemeine Meinung dazu mal zuerst:

    Das Fat-Thor ein Aufreger ist liegt eigentlich nur daran, dass die Leute den Marvelthor gewohnt sind und sich nicht umstellen möchten.

    Andere meinen, dass das aber nicht dem Körper eines Kämpfers entspricht, da man ja auch eine gewisse Ausdauer haben muss...

    Ich bringe mal mich selbst als Gegenbeispiel:ugly:

    Bin ja selber nicht mehr so wirklich schlank.


    Was Angrboda angeht habe ich damit weniger Probleme.

    Es ist für mich halt wie mit dem Marvelthor. Das ist eine Fantasygeschichte, da gilt künstlerische Freiheit.

    Die komplette Serie scheißt in ziemlichem Umfang auf die Mythologien bei deren Charakteren und Ikonographien sie sich bedient.

    Sich über das Charakterdesign eines einzigen Charakters aufzuregen aber nicht über die anderen abweichenden Elemente entlarvt eine perfide Doppelmoral.

    Ich habe hier eher den Eindruck, dass das Problem nicht in mangelndem Respekt vor unserer Mythologie besteht sondern vielmehr darin das die Darstellerin Schwarz ist. (Ein Schelm, wer da politische Ambitionen dahinter

    vermutet...8o)

    Angrboda: Sieht wie eine afrikanische Göttin (?)

    Ingame-Lore-technisch ist das wenig überraschend.

    Es ist bereits etabliert, dass es möglich ist zwischen den verschiedenen Götterwelten hin und her zu reisen (Kratos kommt ja auch aus der Griechischen Götterwelt) und im ersten Spiel wurde auch bereits ziemlich fest etabliert das dieses in den folgenden Spielen weiter eine Rolle spielen würde.

    (Die ganze Hintergrundstorry um Tyr, für die die das Spiel gespielt haben)

    Ich würde mal vermuten, dass sie überlegen nach der nordischen Götterwelt sich vielleicht dem schwarzen Kontinent zuwenden möchten (sofern sie die Serie danach überhaupt fortsetzen).


    sind für gewöhnlich dieselben die nicht verstehen können warum sich Leute an Whitewashing oder Blackface/Redface stören.

    Wenn ja schon ein Stammtisch aus Forum Mitgliedern entstanden ist indem sogar über gemeinsame Rituale gesprochen wird ist dies ja schon mehr als ein Anfang

    Um da ein bisschen Kontext zu zu liefern:

    Ich habe bereits bevor ich hier ins Forum gekommen bin mit meinem besten Freund zusammen geopfert.

    Auf einem Festival haben wir durch einen glücklichen Zufall (oder die Fügung der Götter) ein Paar nette Heiden aus Rostock kennen gelernt.

    Wir haben uns noch im gleichen Jahr gegenseitig auf Trankopfer eingeladen und haben uns in den darauffolgenden Jahren zu einer festen Sippe formiert und Opfern seit dem Regelmäßig etwa drei mal im Jahr gemeinsam. Wenn auch selten in voller Anzahl, da das Leben oft in den Weg kommt.


    Etwa 2018 hat es sich dann ergeben, dass es zu einer Ballung von Forenmitgliedern in der Hansestadt kam.

    Daraus ist dann der Stammtisch gewachsen.

    Seit Corona hat dieser leider nicht mehr Regelmäßig stattgefunden, aber wir haben Pläne ihn wieder aufzunehmen.

    Der letzte Stand vor Corona war, dass wir mal ein gemeinsames Ritual anstreben wollten.

    Das steht zumindest auf der Tagesordnung für den nächsten Stammtisch.

    Ich denke man ist leicht vom Thema abgekommen oder verstehe ich das falsch ging es nicht darum eine Gemeinschaft zu gründen?

    Mittlerweile geht es um eine Internet Plattform für Info Videos....

    Die Diskussion um öffentliche Plattformen entsprang der Frage wie der Anspruch fachliche Bildung zu fördern mit den vorhandenen und zu erwartenden Mitteln umsetzbar gemacht werden könnte.

    Mein Verweis auf die Seite die ich in Planung habe war mehr als ein "so könnte man es zum Beispiel machen" gemeint.

    Mehr als eine Anregung mit verschiedenen Ideen die nach Bedarf erweitert oder verworfen werden können.

    Also ein Forum stellt in meinen Augen keine Glaubensgemeinschaft dar. Ein Forum für eine Glaubensgemeinschaft finde ich super jedoch ist dies ein zusatz und sollte nicht den Kern darstellen.

    Ein persönlicher Kontakt wäre meiner Meinung nach essenziell.

    Es kommt darauf an wie es sich entwickelt.

    Grundsätzlich würde ich dir aber zustimmen, dass dieses Forum für eine Gemeinschaftsbildung nicht unbedingt den optimalen Nährboden bietet.

    Auf der anderen Seite hat sich hier in Hamburg aber auch ein kleiner aber feiner Stammtisch aus dem Forum heraus gebildet und wir streben in absehbarer Zeit auch gemeinsame Rituale an.


    Aus meiner Perspektive (ich habe ja das Glück Teil einer Ritualgemeinschaft zu sein) ist aber persönlicher Kontakt das beste Mittel eine Gemeinschaft zu etablieren.

    Zudem braucht es auch die Bereitschaft mindestens eines Einzelnen, besser aber Mehrerer, die Hauptlast der Planung, Koordination und Ausführung zu übernehmen.

    Und Rituale Planen und Durchführen ist deutlich mehr Arbeit als man anfänglich denkt.

    Interne Traditionen, auf die man sich stützen kann, bilden sich erst mit der Zeit heraus und zu viel Routine soll sich bei den Ritualen ja auch nicht einstellen.

    In allen stabilen Gemeinschaften mit denen ich persönlich zusammen gekommen bin gab es eigentlich immer ein "Zugtier" das die gruppe Aktiv gehalten hat.

    Auch hier habe ich wieder das Glück, dass aus meiner Gruppe viele Eigenimpulse kommen.


    Mich amüsiert, dass eine Glaubensgemeinschaft, die von sich behauptet, vor allem auf mündlichen Überlieferungen aufzubauen, so viel Gewese um fiktionale Werke eines Christen ("WELCHE EDDA? WELCHE EDDA? WELCHE EDDA?") betreibt. Die Frage ist ja schon dämlich.


    Wer sich nicht auf voreddische Quellen beruft, dessen Asatru ist in meinen Augen wertlos. Selbstredend darf das jeder für sich selbst anders sehen.

    Nicht böse gemeint, aber...

    Dunning-Krueger lässt grüßen.


    Die nordischen Quellen (eddische und skaldische Dichtung und spätere Textquellen) sind vergleichsweise gut gegenprüfbar.

    Teils auch mit deutlich voreddischen Chroniken und Dichtungen sowie archäologischen Artefakten in Einzelfällen.

    Je weiter wir zurückgehen, desto schwieriger wird die Gegenprüfbarkeit, was der Belastbarkeit der daraus gezogenen Schlüsse natürlich einiges an Boden weg zieht.

    Mit anderen Worten, je weiter wir zurück gehen, desto mehr müssen wir uns auf Spekulation stützen.

    Natürlich müssen auch die späteren Quellen mit äußerstem Misstrauen behandelt werden.

    Das ändert aber nichts daran, dass die nordischen Quellen schlichtweg Belastbarer sind.

    Wenn du mir die polemische Spitze verzeihst:

    Wer sich auf Spekulation und nicht gegenprüfbare Quellen beruft, dessen Asatru ist in meinen Augen wertlos. Selbstredend darf das jeder für sich selbst anders sehen.

    :Mjolnir:

    Wie macht man es richtig?

    Ich würde sagen das hängt davon ab wen man ansprechen möchte.

    Jedes Medium hat seine Zielgruppe.


    Ich denke das wichtigste um "Erfolg" zu haben (wie auch immer man den definieren möchte) ist die Präsentation.

    Es braucht jemanden vor der Kamera der eine gewisse Bühnenpräsens hat und der für Vikings-Fans anziehend wirkt ohne auf Otto-Normal-Bürger abschreckend zu wirken.

    Bei den ganzen Bekleidungsoptionen mit heidnischem Bezug die zur Zeit aus dem Boden schießen gibt es ausreichen Möglichkeiten die Interressierten anzusprechen ohne die Normalos abzuschrecken.

    Ich persönlich würde die Zielgruppe bewusst weit halten.

    Alle die sich über Asatru und die nordische und germanische Religion und Mythen informieren möchten.

    Das schließt auch Leute ein die mit der ganzen Sache wenig am Hut haben.

    Dem entsprechend würde ich den Bildungsaspekt ins Zentrum stellen und über das was die Gruppe macht eher nebenbei aufklären. (nach dem Motto: "Wir als Gruppe haben uns entschieden diese und jene Sache aus diesen und jenen Gründen für unsere Ritualpraxis so und so auszulegen")

    Als Beispiel würde ich mal Roland Warzechas Youtube-Channel anbringen.

    Er deckt auch ein Niescheninteresse ab und produziert seine Videos in seiner Abstellkammer.

    Das fachliche Niveau entscheidet sich in der Schreibarbeit für die Videos. Für die Präsentation reichen ein Handy, ein Laptop und ein bisschen Talent.

    Für mich ist es quasi eine Religion von Bauern und Viehzüchtern, also einfachen Menschen die weder Krieger noch Wikinger waren. Walhall ist für mich ein Mythos um Menschen für die Schlacht zu mobilisieren und letztendlich sehe ich in Walhall nur einen Grabhügel.

    Dem Bildungsgedanken folgend müsste ich da einmal darauf hinweisen, dass es historisch gesehen durchaus eher eine Religion der Elite gewesen ist.

    Zumindest für die Zeitabschnitte für die sich belastbare Aussagen treffen lassen.

    Das spiegelt sich von der "Hallenkultur" bis hin zur Struktur der Heldensagen in allen Aspekten des Glaubens.


    Was Asatru als moderne Religion angeht würde ich dir aber durchaus recht geben.

    Ich sehe das, was wir heute als Asatru oder Asatro definieren

    Ich sehe das wie Einar:

    Wir sind ein alter Baum
    Mit neuentsprungenen Knospen
    Zur Sonne strecken wir uns
    Um vorwärts zu wachsen

    Weiter zum eigentlichen Thema:

    Mich würde interessieren, wie ihr euch Bildungsarbeit vorstellen könntet? Aber im Sinne des Geistes der heutigen Zeit! Wir kommen um das Digitale nicht drum herum. ver.di macht für wichtige Angelegenheiten kleine Comicvideos. Die kommen im Hirn bei den Beschäftigten an. Doch da stoßen WIR an unsere Grenzen, nehme ich an.

    Meine Idee dazu hatte ich hier schon einmal in einem separaten Thread vorgestellt.

    Wenn wir versuchen das ganze noch zu vermarkten wären ein Tiktok-Channel für kurze Infovideos zu überschaubaren Themen und ein Youtube-Channel mit immer noch überschaubaren 10 min. Videos die die selben Themen etwas umfassender beleuchten sicher kein schlechter Ansatz.

    Beides mit Verlinkungen untereinander und zur eigentlichen Hauptseite.

    Wo ist noch Bildungsarbeit und wo fängt missionieren an?

    Ich finde das relativ einfach zu trennen.

    Bildung ist das anbieten von Information, Missionieren ist der Versuch anderen seine Meinung aufzudrängen.

    Ein Bildungangebot wäre z.B. das oben beschriebene.

    Ein Missionierungsversuch wäre es z.B. vor den Videos anderer "Heiden" Werbespots für uns Schalten zu lassen oder andere Leute zu bedrängen sich uns anzuschließen.

    Aber die Informationsvielfalt die man heute hat, gab es vor 10 Jahren nicht so.

    Naja, nicht so ganz.

    Ich bin jetzt seit 8 Jahren hier im Forum.

    Den ganzen Müll den diese Idioten verbreiten hätte ich auch schon damals ohne größere Mühe widerlegen können.

    Das Problem ist, dass sich da Leute eine fachliche Autorität anmaßen, die ihnen nicht zusteht und die sie auch nicht belegen können.

    Das ganze Feld ist eben nicht "nur" Religion und Spiritualität sondern auch ein Feld der Geschichtswissenschaften.

    Wer bewusst die Peerreview meidet hat keinen Anspruch darauf ernst genommen zu werden.


    Dazu kommt noch das Problem der Pop-Wissenschaft.

    Angefangen bei fürs TV produzierten Dokumentationen, die sich auf Schulbuchwissen von vor über 30-40 Jahren stützen über Youtuber wie Skallagrim oder Shadivertity ist das Angebot an leicht verdaulichem Halbwissen inzwischen halt einfach so groß, dass jeder glaubt mehr zu wissen als er eigentlich tut.

    Und durch den Confirmation-Bias ist es natürlich auch leichter zu glauben was man immer schon gehört hat, anstatt diese neue, dem etablierten Gedankengut widersprechende Aussage.


    Dazu kommt dann natürlich noch das problem mit der New-Age Seuche.

    Das moderne Heidentum ist überfüllt mit Leuten die das "Nordische" oder "Germanische" nur als eine Ästhetik benutzen, die bestehenden Formen von "Spiritualität" übergezogen wird, genau wie sie es in den 60ern und 70ern mit den indischen und "indianischen" Religionen gemacht haben.


    Da stehen wir leider auf verlorenem Posten...

    Ich trainiere und unterrichte historisches Fechten mit Fokus auf Schwert und Buckler nach einer Quelle von ca.1330.

    Wo sich die Gelegenheit ergibt trainiere ich aber auch gerne mit Wikingerschild und Schwert und ich plane im Laufe des Jahres bei meinem Verein auch ein reguläres Training für diese Waffengattung anzubieten.

    Darüber hinaus bin ich noch im Reenactment ein bisschen unterwegs.

    Meine Darstellung zielt auf Haithabu ca. um das Jahr 900 herum ab.

    Dazu kommt noch ein bisschen Zocken, jede menge Lesen und gelegentlich auch mal historisch Kochen.

    Moin.


    Hier zur Ergänzung nochmal der altisländische Originaltext:

    Ich lese gerade Viking age slavery.

    Ein Band mit Artikeln die vor einigen Jahren auf einer Fachtagung vorgestellt wurden.

    Beleuchtet werden (wie der Name schon sagt) Sklaverei und andere Formen der Unfreiheit in der Wikingerzeit und die Herausforderungen die dieses für die Archäologie und Geschichtsforschung stellen.