Beiträge von Asgrimm

Schon gewusst…?

Echtes Labkraut

auch Gelbes Waldstroh, Liebfrauenbettstroh, Liebkraut, Gliedkraut, Gelb-Labkraut genannt.


In den nordländischen Legenden wird dieses Kraut mit Odins Ehefrau, der weisen Göttin Frigg, in Zusammenhang gebracht.

Frigg war in der nordischen Mythologie die Göttin der verheirateten Frauen. Sie half Frauen bei der Geburt von Kindern, außerdem verwendeten die das Labkraut (Galium verum) als Beruhigungsmittel.

    Ich widme mich gerade mal wieder den verbotenen Büchern.

    Bin gerade fertig geworden mit "1984" von George Orwell und fange grade an mit "Brave New World" von Aldous Huxley.

    Hätte ich mir denken können, sieht ja auch aus wie eine AliExpress-Version des Schonenhammers.

    Thorshämmer sind im archäologischen Fundkontext eher selten.

    Ich habe keine genauen Zahlen, aber wenn ich mich richtig erinnere liegt die Gesamtzahl gefundener Thorshämmer irgendwo zwischen 1000 und 2000.

    Zum Vergleich, alleine in Norwegen wurden deutlich mehr als 10.000 Schwerter gefunden.

    Der Großteil der gefunden Hämmer ist schlicht und schmucklos und aus Eisen, Silber, Zinn oder Kupferlegierung gegossen.

    Prunkhämmer wie der Schonenhammer bilden die absolute Außname.

    Praktisch alle bekannten Prunkhämmer sind Einzelfunde und lassen sich anhand des Kunststils sehr gut datieren.


    Nur ein bischen zusätzlicher Kontext.

    Ich beziehe mich da unter anderem auf die Rune Ansuz, die ja die Bedeutung "Ase" oder eben auch "DER Ase" (Wodan) hat.

    "Ase/Asin" ist im wesentlichen eine Stammeszugehörigeit.

    Odin ist lediglich das Oberhaupt dieses Stammes.

    Die Zuordnung der :ansuz:Rune zu Odin kommt ausschließlich aus dem isländischen Runengedicht:


    Óss er algingautr
    ok ásgarðs jöfurr,
    ok valhallar vísi.
    Jupiter oddviti


    As ist der alte Gaute

    und Asgards Anführer

    und Herr in Valhall

    Jupiter "Vorsteher"

    Ich bin ohnehin der Meinung das allein der Titel "Gott", JHVE nicht zusteht, da das ein urgermanischer Begriff ist!

    Zumindest nicht DER Gott- weil das eben beteits Wodan ist!

    Naja, das nordische Wort für "Gott" ist "Tyr" (siehe "Hroptrtyr" "Totengott" als Odinsname)

    Odin als Hauptgott ist wohl vor allem eine Späte entwicklung.

    Tacitus nennnt z.B. Mars-Thingus als den Hauptgott der Germanen, andere Quellen sprechen von Tiwaz.

    wenn man sich dann mit solchen Leuten unterhält, werden oft nur billige Klischees aufgewärmt oder es kommen obskure, post-pubertäre Krieger- Helden- und Gewaltphantasien zum vorscheinen, die mit Asatru kaum oder garnix zu tun haben.

    Moin Widulf.

    Diesen Eindruck habe ich z.B. auch bei über 99% aller "Heiden".

    Ich selber gehe das ganze ja von einer vergleichsweise trockenen Richtung aus an, da kann ich schon verstehen das da nicht jeder den selben Zugang findet wie ich.

    Aber der allgemeine Mangel an Grundkennntnissen zur Quellenlage ist schon beschämend.

    Da liegt für mich der Unterschied, zwischen:

    a) mal kurz einen Blick in die Edda geworfen zu haben und

    b) einen "Glauben", auch tatsächlich zu Leben!

    Ich hatte ja schon ein paar mal herausgestellt, dass die alte Sitte vor allem eine praktische Religion ist.

    Ich denke der beste Einstieg ist sich zunächst einmal mit der Lebensrealität der Menschen damals vertraut zu machen.

    Dafür eignen sich die Isländersagas am besten.

    Auch wenn sie historisch mitunter nicht unbedingt die genausten Quellen sind, so spiegeln sie doch das normale Leben und den Zeitgeist dieser Epoche ziemlich gut wieder.

    Etwas einsteigerfreundlicher ist da vieleicht "children of ash and elm" von Neil Price.

    Das Buch liefert einen sehr groben Überblick über die Wikingerzeit und ihre Kultur.

    Diese Gundkenntisse helfen beim durchlesen der Edda deutlich dabei Dinge in Kontext zu setzen.

    Für die restlichen Verständnislücken empfehle ich "The Viking Way - magic and mind in late iron age scandinavia" von Prof. Neil Price und "Schamanismus und archaische Extasetechnik" von Mircea Eliade für extra Kontext (wenn auch mit ein wenig vorbehalt zu genießen).


    Wichtig ist auch zu verstehen, dass Asatru im Kern eine praxisorientierte Religion ist.

    Anders als in den monotheistischen Religionen spielen Frömigkeit und persönliche Hingabe an die Götter im historischen Heidentum kaum eine Rolle.

    Die gemeinsam mit der Hof-/Dorfgemeinschaft, dem Waffenverbund oder der Familie begangenen Rituale dienten dem Übertragen von Heil auf die Gemeinschaft und die Besitzungen (in erster Linie natürlich die Felder) und zur sozialen Bindung der Gemeinschaft.

    Ebenso aber auch dem Erbitten von unmittelbarem Beistand.

    Viele dieser Rituale werden den Charakter von Volksfesten gehabt haben, bei denen mehrere Dörfer und Höfe auf der Umgebung zusammen kamen um gemeinsam zu feiern.


    Das sollte man m.M.n. auch bei der Neubelebung der alten Sitte im Auge behalten.

    Für mich geht es bei den Ritualen nicht um einen "Gottesdienst" sondern eher um ein "Familientreffen" bei dem den Göttern und Ahnen als Teil der Familie Ehre und Anerkennung erwiesen wird.

    Der Rituelle Teil erfüllt hier die Funktion einer liebgewonnenen Tradition, die den Ritualplatz für die Dauer des Rituals aus der profanen, der "weltlichen" Zeit herrauslöst und einen heiligen "zeitlosen" Raum schafft in dem die Anwesenheit der Götter und Ahnen erlebt werden kann.


    Was die Praxis angeht hat sich bei mir seit den Anfängen fast nichts geändert.

    Meine erste Blótbeschreibung hier im Forum gibt immer noch einen recht guten Eindruck von der Art wir ich Rituale abhalte.

    -Blótbericht-

    Für weitere praktische Tipps hatte ich vor einigen Jahren mal einen Thread ins Leben gerufen der da weitere anregungen geben kann:

    Ritualabläufe und Zeremonien


    Das wären zumindest meine Empfehlungen wie man als Anfänger starten sollte.

    Ich finde, es wäre auch möglich, dass es sich bei den beiden Wärtern um dieselbe Person handelt. Thomas Wake/Thomas Howard, da gäbe es schon eine angedeutete Ähnlichkeit beim Namen...

    Jo.

    Könnte gut sein.

    Würde auf jeden fall Sinn machen.

    Nach dieser Perspektive würde es im Film um den inneren Widerstreit einer zerrissenen Seele gehen. Der alte Wake, als Symbol für den triebgesteuerten, ungehemmten Teil der Psyche. Howard als der Teil, der sich mit aller Kraft an die Normen der Gesellschaft klammert (-sozusagen das "Über-Ich") und gegen seine Instinkte ankämpft (-das "Es" der Seele).

    Womit wir wieder bei Freud wären.


    Hast du sonst noch Theorien?

    Mir würde jetzt glaube ich nicht sinnvolles mehr dazu einfallen.

    Oh. fast vergessen:

    Weiters hört man, wenn die Credits runterlaufen, Männer (-ich meine auch Robert Pattinsons Stimme zu hören) singen. Vielleicht sind es seine Holzhacker-Arbeitskollegen, die man hört und die darauf hinweisen, dass sich Tommys Körper tatsächlich in den Wäldern befindet (-während sein Geist auf der Insel ist, wo der Film spielt)

    Das Lied ist ein klassischer Shanty.

    Das ist jetzt nicht unbedingt das was ich bei Waldarbeitern erwarten würde.

    ABER: Eben DIE HÄLFTE, die dem Künstler (noch) gehört, würde ich gerne begreifen

    Jo. Mir macht dieses Rätselraten auch immmer wieder jede menge Spaß.

    möglicherweise, um das "Mysterium" nicht zu zerstören...

    Wenn ich an meine eigenen (recht bescheidenen) versuche Kunst zu schaffen zurück denke war "Mysterium" eigentlich nie ein Grund Dinge im unklaren zu lassen.

    Viel mehr ging es mir für gewöhnlich darum etwas auszudrücken das von sich aus zwischen den Zeilen liegt.

    Ein gutes Beispiel sind z.B. die Bilder von Beksinski denen der Künstler oft bewust keinen Titel gegeben hat.

    In der Kunst geht es oft darum Dinge auszudrücken für die einem die Worte fehlen.

    Die Mehrdeutigkeit ist oftmals ein integraler Teil des Gesamtwekes.

    Im Film erwähnt Wake, dass Winslow sich all das eventuell nur einbildet, während er vielleicht immer noch in den kanadischen Wäldern ist & im Sterben liegt

    Allerdings gibt es auch vergleichsweise wenige konkrete Hinweise darauf.

    Eine andere möglich Interpretation wäre z.B. das psychotische Episoden hat und sein eigenes Verhalten während dieser Episoden auf Wake projeziert.

    Da ist z.B. die Szene in der Wake das Boot zerstört und Howard mit der Axt jagt.

    In der darauf folgenden Szene sagt Wake aber zu Howard, Howard habe das Boot selber zerstört und ihn mit der Axt gejagt.

    Auch ganz zu Anfang des Films fragt Wake bereits warum Howard die Stelle als Holzhacker aufgegeben hat und fragt ob "er zu Heißblütig sei als das man ihm mit einer Axt trauen könne?"

    Howards Haluzinationen und seine generelle Reizbarkeit legen ja auch ebenfalls nahe das der Gute nicht mehr so ganz zurechnungsfähig ist.

    Ich habe aber schon öfters gelesen, dass Zen Meister die westliche Mentalität, alles kognitiv erfassen zu wollen, etwas belächeln, da es aus ihrer Sicht keinen "logischen" Zugang dafür gibt...

    Das liegt aber vor allem darin begründet, das die Budisten die Realität und insbesondere das menschliche Bewustsein als ganzes für eine Illusion halten.

    Nach Budistischem Glauben bildet sich das Bewustsein sich selbst nur ein und schafft auf diese Weise einen Kreislauf des ewigen Leidens.

    Demnach ist es nur Möglich dieses Leiden zu Überwinden indem man die Erleuchtung erlangt und sich von der Illusion der Existenz loslöst.

    Sie glauben die Realität als solche verstehen zu wollen sei ultimativ sinnlos, weil die Realität eben nur eine Illusion ist die es zu überwinden gilt.


    Ich würde da kritisieren, dass nach ihrer Lehre der Beweis für ihre Behauptungen nur durch das lebenslange praktizieren ihrer Lehre erreicht werden kann.

    Und auch dann ist ist es nicht garantiert.

    Außerdem erscheint es mir als etwas sehr reduktiv die Realität als ultimatives Leid zu verstehen.

    Sicherlich ist Leid ein Teil der Realität, aber eben nur ein Teil von vielen.

    Ich halte das nur für eine der üblichen "wir sind die einzige Erlösung !!!" Maschen.

    Was sind denn eure Gedanken/Interpretationen zu dem Film :/ !

    Von Eggers Filmen ist "The Lighthouse" mein Lieblingsfilm.

    Mich als Hanseaten spricht natürlich das Maritime sehr an und auch ein von der Kette gelasssener William Dafoe ist schon für sich genommen ein Grund den Film zu sehen.


    Auch dieser Film ist wieder tief getränkt in dieses mal maritime Mythologie und Aberglaube.

    Wir haben bereits in den ersten Minuten haben wir die Sirene die den unbedachten Seemann in sein Unglück lockt.

    Und auch der Leuchtturm selbst unterstreicht diese Symbolik.

    Leuchttürme dienen zwar (wie z.B. auch die "Baken" an der Nordseeküste) als Navigationshilfen, sie stehen aber auch selbst oft auf gefährlichen Untiefen und sollen die Seeleute vor diesen Gefahren warnen.

    Der Leuchtturmwärter der dem Wahnsinn anheimfällt ist auch einer der großen maritimen Archetypen.


    Für mich persönlich stehen zwei Themen deutlich herraus.


    Zum einen das freud´sche Konzept von Emanzipation und Emaskulation.

    Direkt zu Begin wird der zentrale Konflikt zwischen unseren beiden Leutturmwärten etabliert.

    Wake ist ein Narzist der die totale Kontrolle und Authorität über seinen neuen Helfer beansprucht.

    Howard/Winslow hat diese Stelle angenommen in der Erwartung mehr sein eigener Herr zu sein.

    Wie typisch für eine freud´sche Interpretation gibt es auch hier sexuelle Untertöne die sich vor allem in homoerotischen Bildern und Syboliken ausdrücken.

    Zentral für beide Charaktere ist der Wunsch nach Anerkennung was sich in ihrem ständigen und allgegenwärtigen Machtkampf ausdrückt.

    Wake entspricht hier dem Archetypen des tyrannischen Vaters der bestrebt ist seinen Sohn klein zu halten.

    Howard verkörpert hingegen den rebellierenden Sohn, der darauf aus ist den Vater zu stürzen und dessen Königreich an sich zu reißen.

    Nach Freuds Theorie der psychosexuellen Entwicklung ist dieses einer der zentralen Konflikte des Erwachsenwerdens.


    Das andere große Thema ist die Einsamkeit.

    Beide Hauptcharaktäre haben so ihre Probleme mit anderen.

    Beiden fehlt die emotionale Bestätigung und Annerkennung anderer Menschen.

    Die Abgeschiedenheit des Leuchtturms wirkt da wie ein Brandbeschleuniger.

    Trotz ihres Konfliktes sind dort beide emotional voneinander abhängig und sie entwickeln trotz allem eine unfreiwillige aber auch sehr enge Freundschaft zueinander.


    Durch diese beiden Aspekte ergibt sich eine Spirale der Gewalt, die ausgehend von kleinen Dominanzspielchen wie dem Diskurs um den Becher mit Schnaps am Anfang des Films bis letztlich zum gewaltsamen Tod beider Männer hochschaukelt.

    Meine Liebelingsszene ist die, bei der Thomas Wake einen schier endlos wirkenden Fluch ausspricht, nur weil Winslow sein Hummer nicht schmeckt :rofl2: (-erinnerte mich entfernt an meine Mum :ugly: )

    Meine auch.

    Ich glaube aber nicht das es hier wirklich um den Hummer ging.

    Ich glaube es ging eher um die zwischenmenschliche Bestätigung.

    "Aber ich habe mir doch solche Mühe gegeben den Hummer zu etwas besonderem für uns zu machen. hat das denn garnichts bedeutet?"

    Als Howard Wake diese kleine Bestätigung verweigert ist das für diesen ein emotionaler Tiefschlag.

    In diesem Moment ist er vollkommen machtlos. Nichts was er sagt oder tut kann Howard umstimmen.

    Und so entläd sich sein ganzer Schmerz, seine ganze Enttäuschung in diesen einen Fluch.

    Sucht sich Ausdruck zu verschaffen.


    In Wakes Welt ist der maritime Aberglaube kein Seemansgarn sondern nur all zu real.

    Und der Film selbst betrachtet diese Mythologie auch als etwas reales.

    Die wirkliche Eskalation beginnt nachdem Howard die Möwe tötet, obwohl ihm Wake gesagt hat das dieses schreckliches Unheil über ihn bringen würde.

    Auch Wakes Fluch zeigt im Ende seinen Efekt als Howard auf den Klippen liegt und die Möwen seine Leber fressen. (Wake hatte ihm ein "Prometheanisches Schicksal" angeflucht)

    Manchmal frage ich mich auch, ob es sich dabei so verhält wie bei moderner Kunst, bei der sich der Maler mit Farbe übergießt, sich auf der Leinwand herumwälzt und ein paar Stunden später mehrere Intellektuelle tiefe Weisheiten von Religion bis zur Philosophie da reininterpretieren :facepalm: :wirr: .

    Aber das ist doch der halbe spaß daran...:ugly:

    Ein Kunstwerk gehört ab der Veröffentlichung nur noch zur Hälfte dem Künstler.

    Zur anderen Hälfte gehört es dem der es gerade betrachtet.

    Interpretation und Uminterpretation sind ein essenzieller Bestandteil aller Kunst.

    Ich glaube nicht das es da ein "richtig" oder "falsch" gibt. Höchstens ein "passt für mich" oder "kann ich nichts mit anfangen".

    Vielleicht ist es auch wie bei den Haikus/Zen-Gedichten: Der westliche Mensch sucht immer nach Logik, aber das führt eben auch oft ins Leere... :wacko:

    Das große Problem bei Haiku ist die sprachliche Mehrdeutigkeit die eine Übersetzung die alle feineren Elemente mit einschließt praktisch unmöglich macht.


    Soweit erstmal meine zwei Cent dazu.

    Nur mal so am Rande: Holz hat natürlich den Nachteil, das es recht schnell Feuer fängt!

    Nicht ganz.

    Holz ist zwar brennbar, hat aber mit etwa 230-260 grad einen vergleichsweise hohen Flammpunkt.

    Die größte Brandgefahr wahren die Strohdächer.

    Brände in verschiedenen Freilichtmuseen haben gezeigt das frühmittelelterliche Häuser so gebaut wurden, dass bei einem Brand nur die Dächer vernichtet wurden. Die eigentliche Struktur hat zumeist überlebt.

    Insbesondere wenn das brennende Reet oder Stroh mit Rechen herrunter gezogen werten konnte.

    Man darf die "Religionsfreiheit" bzw. religiöse Toleranz von der wir hier schreiben auch nicht mit Menschenrechten verwechseln. Die Mongolen z.B. waren in Sachen Religion ja sehr liberal (zumindest sofern sie nicht zum Islam übertraten) und trotzdem haben sie Millionen Menschen abgeschlachtet oder versklavt.

    Wenn ich wählen müsste, ob ich ein Sklave im alten Rom oder ein Leibeigener im Hochmittelalter sein muss, würde ich vermutlich lieber den Leibeigenen nehmen.

    Aber was die Duldung von anderen Göttern und Kulten angeht, sind Polytheisten einfach definitiv sehr viel lockerer als Monotheisten.

    Man muss sich doch nur mal die Feindschaft zwischen Katholiken und Protestanten, oder Sunniten und Schiiten angucken... die beten ja sogar jeweils den gleichen Gott an und können sich dennoch nicht gegenseitig akzeptieren.


    Wenn es dann später um allgemeine Menschenrechte geht, wird halt der Gedanke der Ebenbildlichkleit des Menschen mit Gott und die Menschwerdung Gottes in Jesus wichtig, hier könnte dann sogar das Christentum den entscheidenden Unterschied gemacht haben. Aber mit dem Humanismus kommt die Religionsfreiheit de facto erst sehr spät über die Meinungsfreiheit. Meine Großeltern hatten noch Ärger, weil da einfach ein Protestant eine Katholikin geheiratet hat. ^^

    :goodpost:

    Das war im Prinzip auch worauf ich hinaus wollte.

    "Auch ohne Religion wird es immer gute und schlechte Menschenn geben. Aber willst du einen guten Menschen dazu bringen etwas Schlechtes zu tun brauchst du Religion." - Steven Weinberg


    Ich würde persönlich das Wort Religion durch Ideologie ersetzen, ändert aber an der richtigkeit Aussage nichts.



    Nur eine kleine Fußnote:

    In Japan erfreuen sich die Shinto-Feste solcher Beliebtheit und sind so selbstverständlich die Leitkultur, dass auch Christen dran teilnehmen, ohne ausgegrenzt zu werden. Das alles lief nicht konfliktfrei ab, wo gibt es das schon, wenn Menschen mit unterschiedlichen ideologischen Ansichten und politischen Organisationen zusammen kommen, aber man hat nicht versucht sich gegenseitig auszulöschen...

    Ich glaube du unterschlägst hier ein wenig die Jahrhundertelange gewaltsame Unterdrückung der Christen in Japan.;)

    Aber du hast ja schon in dem oben zitierten Post klar gemacht was du sagen wolltest.

    Ps: ich weiß nicht wo da der Zusammenhang liegt, aber alle mir bekannten Hochkulturen haben nunmal in Stein gebaut.

    In Japan war bis zum 2. Weltkrieg Holz das primäre Baumaterial.

    Die Wikinger haben auch primär mit Holz gebaut und werden heute als Hochkultur angesehen.

    Eine kleine Zwischenfrage, wenn genehm: Fallen alle Handlungen für und um den Hausgeist auch uter dieser Haus- und Hofmagie?

    Das hängt sehr stark vom genauen Kontext ab.

    Die bäuerliche Magie ist nur schwer vom ebenso bäuerlichen Aberglauben und dem damit einhergehenden Brauchtum.

    Die Übergänge sind da sehr fließend.

    Im übrigen verbreite ich keine Ansprüche von irgendwem, sondern wollte eher erfahren, was andere Heiden so darüber denken. Aber wenn ich hier nicht mit hören- sagen argumentieren will, muss ich mich ja auf das beziehen, was zu dem Thema publik gemacht wurde!

    Verständlich.

    Ich stehe dem ganzen wie man ja sieht sehr kritisch gegenüber.

    Entsprechend versuche ich natürlich meine Kritik so fundiert und so deutlich wie es mir eben möglich ist zum Ausdruck zu bringen.

    Natürlich hat Gardner das ein bisschen unter den Tisch fallen lassen, das da auch einiges aus der Ritualmagie* mit bei ist- hat vielleicht nicht so zu dem Image gepasst (von wegen, uralte europäische Hexentradition), das er für sich und seine Bewegung angestrebt hatte.

    Es ist ja auch kein großes Geheimnis, das er auch teilweise von seinem Freund Crowley inspiriert war.

    Ich denke das Problem mit Gardener, Crowley und den anderen ist vor allem die Vereinnamung von Kulturen die mit dem was sie sich zusammengesponnen haben praktisch nichts gemeinsam haben.

    Und aus dieser Vereinnamung heraus entsteht noch ein anderes Problem:

    durch Flowers haben ja auch Zeremonialmagische Elemente (Hammerhegung) ihren Weg ins germanische Heidentum gefunden!

    Hier haben wir eben die von außen eingebrachte Veränderung um das Heidentum mehr wie die moderne Esoterik zu machen.

    Das logische Endprodukt dieses Prozesses ist die Assimilierung des Heidentums in die moderne Esoterik.

    Die Auswirkungen dessen sehen wir bereits in allen Bereichen des Heidentums.

    Hörensagen, Falschinformationen und esoterischer Nonsens dominieren bereits das internationale Heidentum.

    Es gibt zwar auch Gegenströmungen, aber die Esotheriker sind bereits in der Überzahl.

    Ein großer Teil des modernen "Heidentums" ist nur noch eine bedeutungslose Ästhetik die dem bestehenden esoterischen Weltbild übergezogen wird.

    Alles was wirklich nordisch oder germanisch ist bleibt dabei auf der Strecke.

    Religionen und Traditionen entwickeln sich mit der Zeit eben auch weiter bzw. kristallisieren sich durch Fremdeinflüsse, auch von der Grundreligion abweichende Pfade heraus.

    Nur das so etwas von innen heraus passieren sollte.

    Nicht durch die Vereinnamung von außen.

    Auch wenn Shinto viele Gemeinsamkeiten mit unserer Religion hat glaube ich die alte Sitte hätte sich warscheinlich eher in die selbe Richtung entwickelt wie die westafrikanischen Voodoo.

    Beide Religionen haben viele Überschneidungen in der Ritualpraxis und insbesondere Seidr spiegelt sich in der engen verflechtung von Magie und Religion im Voodoo wieder.


    Was Tempelgebäude angeht muss man die ausgeprägte Langhauskultur in der nordischen Welt hervor heben.

    Das Haupthaus auf dem Hof oder die Halle des örtlichen Häuptlings waren die absoluten Zentren des gesellschaftlichen Lebens.

    Wer schon mal als Darsteller in den Häusern in Haithabu übernachtet hat wird bestätigen können wie natürlich sich das soziale Leben rund um die zentralen Gemeinschaftsräume konzentriert.

    Sie fungierten gleichermaßen als Foren, Gemeinschaftsräume und eben auch als Tempel.

    In ihnen wurden die Idole aufgestellt, die Feste gefeiert und das Festessen zubereitet.

    Dieses wird unterstrichen von dem Umstand das die Nordleute für Tempel generell das Wort "Hof" verwenden.

    Im selben Sinne in dem wir das Wort noch heute benutzen (wie z.B. "bei Hofe" oder aber auch in "Bauernhof").

    Gesonderte Kultgebäude konnten bislang nur an drei Herrschersitzen indentifiziert werden.

    Diese sehr kleinen Gebäude haben eher den Charakter von Hofkapellen als den von richtigen Tempeln.

    Das ist jetzt nur meine persönliche Ansicht, aber wenn ein Volk seine Gebäude grösstenteils aus Stein errichtet, würd ich das eine Hochkultur nennen.

    Eine Hochkultur zeichnet sich vor allem durch die relative Komplexität ihrer Kultur aus, nicht durch die verwendeten/verfügbaren Baumaterialien.

    Ich bin lediglich der Meinung, das die ALTE SITTE unserer Ahnen sich vielleicht auch zum negativen HÄTTE entwickeln können.

    Da muss ich Vidulf beipflichten.

    Militante Sekten und sonstiigen Bullshit hat gibt es in allen Religionen.

    Im Hinduismus haben wir die in der Religion verwurzelte Kastengesellschaft, Elitismus unter der Priesterklasse, eine Frauenfeindlichkeit die den fundamentalen Christen alle Ehre macht.

    In Japan waren bewaffnete budistische und shintoistische Sekten immer wieder ein destabilisierender Faktor.

    Auch der abrahamitische Monotheismus hat sich entwickelt weil im damals vorherrschenden Polytheismus eine radikale Sekte militärisch erfolgreich war.

    Der Frühe Jahwe war als Gottheit fast mit unserem Thor vergleichbar in Funktion und Charakter.

    Wenn man die kriegerischen Odinskulte bedenkt währe ein mögliches abdriften ins Ungeile gar nicht mal so unwarscheinlich.

    Mit einer Ausnahme vieleicht: der Asen- und Wanenkrieg; bzw. die "Steinaxtmenschen" gegen die "Ackerbaufeldkultur". Obwohl diese beiden Völker über den Daumen gepeilt, wohl eine ähnliche Religion gehabt haben dürften, waren deren Ausrichtungen (Krieger-Kult vs. Fruchtbarkeitskult) wohl doch zu unterschiedlich, um friedlich mit einander auszukommen!

    Sorry, aber das ist wieder unfundiertes Geschwurbel.

    Haltlose Annahmen auf die historisch und archäologisch nichts hindeutet.

    An Platzmangel /Territorium, jagdbarem Wild oder ähnlichem, dürfte es wohl kaum gelegen haben, da es damals ja noch genug Land (und somit auch Nahrung/ Rohstoffe) für alle gegeben haben dürfte!

    Die Kontrolle über den Zugang zu Recourcen ist der primäre motivierende Faktor hinter allen Konflikten der Menschheit.

    Auch wenn es vieleicht "nur" um das erbeuten einer einzelnen Ernte oder um das Vorrecht auf Jagdgründe geht.

    Sieh dir alleine mal die Geschichten über Stammmeskonflikte bei den nordamerikanischen oder afrikanischen Völkern an.

    Da geht es fast nur um so etwas.

    Ich habe noch ein paar Gedanken nachzureichen.


    Spoiler weil spoiler:

    Jo. Hab den Film gestern auch gesehen und empfehle ihn.


    Die dargestellten Rituale sind alle (!!!) glaubhaft und zu meiner äußersten Überraschung durchgehend ziemlich gut fundiert.

    Auch die Ausstattung ist (von den Helmen und Rüstungen abgesehen) sehr gut (auch wenn wir die kinotypische sparsame Nutzung von Farben haben)

    Ihr wisst was für ein Meckerbüddel ich normalerweise im Bezug auf solche Dinge bin.


    Eggers etabliert in seinen Filmen häufig früh ein mythologisches/übernatürliches Element, dass er benutzt um verschiedene Facetten seiner Charaktere zu beleuchten die anders schwer ins Licht zu rücken sind.

    Durch dieses Mittel schafft er sehr auf die menschliche Ebene bezogene Geschichten und eine beinahe unangenehme Intimität mit seinen Figuren. (Beispiel: the Lighthouse)


    In the Northman geht Eggers von dieser Formel noch einen Schritt weiter.

    Die eingewobene Mythologie und die Rituale fungieren schon fast als ein eigener Charakter, der das Geschehen begleitet und kommentiert.

    Einige der weniger offensichtlichen Themen werden durch die mythisch/rituelle Ebene subtil hervor gehoben oder unterstrichen.


    Offenbar wollte Eggers nicht nur seine Geschichte erzählen, sondern auch ein Fenster in die Vergangenheit öffnen.

    Sicherlich sieht man durch dieses Fenster nur einen kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit, aber dieser Ausschnitt hat meine Hoffnungen für den Film bei weitem übertroffen.

    Ich finde diesen Film unbedingt empfehlenswert.

    Schon komisch, das alles was jünger ist als 100 Jahre, plötzlich als "Esoterik ", "New Age" oder sonst was bezeichnet wird, nur um dem Leser unterschwellig zu vermitteln, das es sich dabei ohnehin nur um unauthentischen Hippie- Scheiss handelt, den sich ein paar zugekiffte Baumkuschler und andere weltfremde Spinner, nach Lust und Laune zusammengebastelt haben.

    Da habe ich wohl ein Stück an dir vorbei geredet.

    Ich habe "Esoterik" hier entsprechend der Wortbedeutung ("Geheimlehre") eingesetzt.

    Ich war davon ausgegangen das ergibt sich aus dem Kontext, aber beim nochmal drüberlesen kann ich schon verstehen wenn es nicht so rüberkommt.

    Im übrigen hatte ich auch nicht behauptet, es gäbe eine durchgehende magisch- heidnische Tradition/ Religion, die sich seit der Altsteinzeit nicht verändert hätte!

    Zumindest nicht direkt, aber du verbreitest die Ansprüche die andere erheben:

    Ach so, eh ich's vergesse:

    das die Kirche und auch die Gesellschaft, die "Hexensekte" nicht mehr mit vorchristlichen Kulten in Verbindung brachten*, heisst noch lange nicht, das die Mitglieder solcher Kulte** das auch so sahen!

    Gardner behauptete auf jeden Fall, das er "seine" Wicca- Praktiken, genau so wie er sie in seinem Buch "Witchcraft Today" beschrieb, dort erlernt hätte und das diese wiederum Überbleibsel aus heidnischer Zeit wären.

    Meine grundüberlegung drehte sich ja auch eher um das, was die "Hexen" damals (bevor überhaupt gefoltert und verbrannt wurde) von sich aus* über ihre nächtlichen Treffen mit "Madame Orienta" oder auch der Göttin Diana erzählt haben. Den Dianakult** gab es ja bei uns noch im geheimen, mindestens bis ins 15. Jahrhundert.

    Lass mich zuerst mal darauf eingehen.

    Nur weil jemand behauptet (oder auch ernsthaft glaubt) da bestehe eine ungebrochene im geheimen gepflegte Tradition entspricht das noch lange nicht der Wirklichkeit.

    Die westliche okult-esoterische Tradition enthält zwar Elemente aus der bäuerlichen Zauberei, ist aber strukturell vor allem von der Hermetik, dem Kabalismus und diversen orientalisierenden Modeströmungen geprägt.

    Was wir ebenfalls häufig in dieser Tradition sehen ist die rückwirkende Vereinnamung vorchristlicher oder orientalischer Gottheiten.

    Zunächst vor allem Griechische und Römische, später dann babylonische und ägyptische und zur moderne hin dann vermehrt auch keltische.

    Aber es ist eine völlig andere Tradition.

    Genau wie der "Santa Muerte" Kult zwar indigene Elemente enthält aber sich eben doch im Kern so deutlich von den Aztekischen Totenkulten unterscheidet das er etwas komplet eigenes darstellt.

    Und genau so würde ich eben auch die verschiedenen okkulten und esoterischen Traditionen ab dem späten Mittelalter/der frühen Neuzeit bewerten.

    Es gibt vereinzelte und isolierte Elemente die entweder Überbleibsel älterer Traditionen seien könnten oder aber Elemente die nachträglich vereinnamt wurden.

    Trotzdem haben diese Traditionen ihren Ursprung an einer komplett anderen Stelle.

    rgendwer muss dann aber auch diese wiederum in den Coven initiiert haben und so weiter und so fort!

    Wenn das keine TRADITION ist, dann weiß ich ja auch nicht.

    Wie ich hoffentlich klar machen konnte stelle ich vor allem in frage wie weit diese Traditionen tatsächlich zurückreichen.

    Okultismus war vor allem ein Hobby der oberen Gesellschaftsschichten und ist insbesondere im späten Mittelalter/der frühen Neuzeit deutlich von der bäuerlichen Haus- und Hofmagie zu trennen.

    In den Hexenrozessen wurden viele dieser weit verbreiteten Praktiken gut dokumentiert.

    Diese Haus- und Hofmagie ist vor allem anderen Nutzmagie und ist grundsätzlich nicht religiös motiviert.

    Der Okultismus der höheren Gesellschaftsschichten trägt oft deutlich satanistische oder orientalisierende Prägungen mit den ensprechenden oben erwähnten Vereinnahmungen.


    Ich halte Gardener, Flowers, Crowley etz. vor diesem Hintergrund einfach nur für Hochstapler die bei Traditionen abschreiben die wiederum bei anderen Traditionen abgeschrieben haben die sie schon nicht mehr wirklich verstanden.


    Es gibt noch ein paar Punkte auf die ich weiter eingehen möchte, da habe ich heute aber leider nicht mehr die Zeit.

    Das mit dem Hexenwahn ist durch das werk Hexenhammer in das Rollen gekommen denn es ist Päpstlich abgesegnet.

    Nicht wirklich.

    Der Hexenwahn ist im wesentlichen ein Produkt der Reformation und des Protestantismus.

    Im Prozess der Aufspaltung durchläuft die (westliche) Christenheit eine massive Radikalisierung.

    Radikale Demagogen wie Savonarola kritisieren die Dekadenz des Klerus und fordern eine Abkehr von der Weltlichkeit und legen den Grundstein für einen Radikalen Fundamentalismus.

    Beim einfachen Volk, das die Exzesse des Klerus über Steuern und Ablasshandel mitfinanziert kommen diese Forderungen gut an und das ganze entwickelt über die Jahrzehnte eine gewisse Eigendynamik.

    Brand entzündet sich am Brand und die sozialen Frustrationen einer gewaltigen geselschaftlichen Umwälzung suchen sich Bahn zu brechen.

    Da man der Mächtigen nicht Herr werden kann entläd sich der Frust auf diejenigen die man für "Verbrecher gegen Gott" hält.

    Zunächst auf die "Ketzer" die dem "falschen Glauben" anhängen (also wahlweise entweder Katoliken oder Protestanten).

    Danach auf die ohnehin misstrauisch beäugten Juden (der "Judenhammer" liefert beispielsweise die Vorlage für den "Hexenhammer").

    Schließlich steigert sich religiöser Wahn gepaart mit bäuerlichem Aberglaube und verschwörungsgläubiger Paranoia zu einer Massenhysterie die in Wellen immer wieder mal aufwallend, mal abwallend über Europa und Amerika rollt.

    Neid, Oportunismus und Missgunst dienten wie immer als Brandbeschleuniger.