Beiträge von Sengwareis

Schon gewusst…?

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    sie hält an einem Gesetz fest, demzufolge
    Kinderschänder in Polen nach ihrer Haft immer chemisch kastriert werden
    müssen.


    Vor dem Hintergrund, dass man solchen Gesetzesbrechern (und Menschenverächtern) auch die Genitalien operativ (und damit unwiderruflich) entfernen könnte, ist die chemische (d.h. durch Medikamente) Kastration doch eine recht humane. Die Leute nehmen die Medis und man bestimmt regelmäßig den Wirkstoffspiegel im Blut, ist der zu niedrig und der Mann könnte wieder, hat er gegen seine Entlassungsauflagen verstoßen und wandert wieder ein. Fertig.


    Kann ich nur unterstützen. Viele Leute schreckt ja die Todesstrafe nicht nennenswert ab. Wenn es aber um die Männlichkeit geht und die ist für viele gleichzusetzen mit der Fähigkeit Sex zu haben, dann horchen die Leute auf einmal auf. Ich würde das ganze auch für Vergewaltiger allgemein unterstützen. Und wenn es nur einen einzigen davon abhält, ist es all das vermeintliche Leid eines Kinderschänders und Vergewaltigers wert, der nach seiner Entlassung keine Erektion mehr haben kann.


    Im deutschen Strafrecht ist doch nach wie vor zuerst der Täter im Fokus und dann das Opfer. Aber es muss auch mal möglich sein in das Blickfeld zu rücken, dass es AUCH darum gehen muss, dass der Täter seine Tat niemals mehr wiederholen kann und nicht nur darum, dass man ihn dahingehend therapiert, dass er es nicht mehr will. Denn so sehr der Wille auch stark sein mag, das Fleisch ist und bleibt schwach. Vor allem wird hierbei nicht die körperliche Unversehrtheit des Täters berührt. Er muss eben Tabletten schlucken.

    Kein Jahr ohne den rituellen Disput um die Feiertag, das ist für mich seit Jahren eine geliebte heidnische Tradition...


    Ist doch geil! Wie christliches Mittelalter, nur ohne (wortwörtliches) Köpfe einschlagen! Und viel geiler finde ich, wie man damit einen gewissen Alpha-GHoden zur Hasspredigt treiben kann ;-) da ist er sicher noch weißglütiger als wenn er vom "Haus von Eins" hört :D


    So um dem Beitrag noch etwas Sachlichkeit zu verleihen, zitiere ich aus der Egils saga: Egill fór um veturinn suður í Sogn að landskyldum sínum, dvaldist þar mjög lengi; síðan fór hann norður í Fjörðu. Arinbjörn hafði jólaboð mikið, bauð til sín vinum sínum og héraðsbóndum; var þar fjölmenni mikið og veisla góð. (Egil zog noch im Winter südwärts nach Sogn, um die Pachtzinsen von seinen Ländereien einzuziehen. Er hielt sich lange dort auf. Dann kehrte er nordwärts nach Firdir zurück. Arinbjörn veranstaltete ein großen Jul-Gelage und lud dazu viele Freunde und die im Bezirk wohnenden Bauern ein; es waren sehr viele Leute dort und es gab ein prächtiges Gastmal.)


    Wir halten fest: Es ist im Winter (Winternächte) als Egil überhaupt los fährt, dann verweilt er lange und schlussendlich gelangt er zu seinem Freund Arinbjörn und dann ist Jul. Die Winternächte sind also bereits vergangen als er dort ankommt. Von einer Sonnenwende ist auch nicht die Rede.

    Der Schmied und der Teufel


    Es war einmal ein Schmied, der lebte guter Dinge, vertat sein Geld, prozessierte viel und wie ein paar Jahr herum waren, hatte er keinen Heller mehr im Beutel. Was soll ich mich lang quälen auf der Welt, dachte er, ging hinaus in den Wald und wollt’ sich da an einen Baum hängen. Wie er eben den Hals in die Schlinge steckte, kam ein Mann hinter dem Baum hervor mit einem langen weißen Bart und einem großen Buch in der Hand. „Hör Schmied, sprach er, schreib deinen Namen da in das große Buch, so soll dirs wohlgehen zehn Jahre lang, aber darnach bist du mein, da hol ich Dich.“ – „Wer bist du?“ sprach der Schmied – „Ich bin der Teufel.“ – „Was kannst du“ – „Ich kann mich so groß machen als eine Tanne, und so klein als eine Maus“ – „So tus einmal, dass ichs sehe,“ sagte der Schmied, da machte sich der Teufel so groß wie eine Tanne und so klein wie eine Maus. „Es ist gut sprach der Schmied, gib das Buch her, ich will mich hineinschreiben“ – Als er sich unterschrieben sagte der Teufel: Geh nur nach Haus, du wirst Kisten und Kasten voll finden, und weil du keine lange Umstände gemacht hast, so will ich dich auch in der Zeit einmal besuchen. Der Schmied ging heim, da waren alle Taschen, Kasten und Kisten voll Dukaten, und er mochte soviel davon nehmen als er wollte, es ward nicht all, und auch nicht weniger; da fing er sein lustiges Leben von vorne an, lud seine Kameraden ein, und war der vergnügteste Kerl von der Welt. Ein paar Jahre darauf sprach der Teufel einmal bei ihm ein, als er verheißen, sah zu wie die Wirtschaft ging, und schenkte ihm beim Abschied einen ledernen Sack, wer da hinein sprang, der konnte nicht wieder heraus, bis ihn der Schmied selber wieder heraus holte; damit trieb dieser seinen Spaß. Nach den zehn Jahren aber kam der Teufel und sprach zum Schmied „die Zeit ist herum, jetzt bist du mein, mach dich reisefertig.“ „Es ist gut,“ sprach der Schmied, hing seinen ledernen Sack um den Rücken und ging mit dem Teufel fort; als sie in den Wald kamen, zu der Stelle wo er sich aufhängen wollte, sprach er zum Teufel: „Ich muss auch gewiss wissen, dass du der Teufel bist, mach dich erst wieder so groß wie eine Tanne und so klein wie eine Maus.“ Der Teufel war bereit und tats, und wie er sich in eine Maus verwandelt hatte, packte ihn der Schmied und steckte ihn in den Sack, dann schnitt er sich einen Stock von dem nächsten Baum, warf den Sack hin und prügelte auf den Teufel los. Der Teufel schrie erbärmlich, lief in der Tasche hin und her, aber umsonst, er konnte nicht heraus. Endlich sagte der Schmied ich will dich loslassen, wenn du mir das Blatt aus deinem großen Buch wieder giebst, auf das ich meinen Namen geschrieben. Der Teufel wollte nicht, doch endlich musst’ er daran, da ward das Blatt herausgerissen und der Teufel ging heim in die Hölle, ärgerte sich, dass er betrogen und obendrein geprügelt war.


    Der Schmied ging auch wieder zu seiner Schmiede und lebte vergnügt fort, so lang Gott wollte, endlich ward er krank und als er seinen Tod merkte, befahl er, man sollte ihm nur zwei gute, lange, spitze Nägel und einen Hammer mit in den Sarg geben. Das geschah auch. Wie er nun gestorben war und vor die Himmelstür kam, klopfte er an, aber der Apostel Petrus wollt ihm nicht aufschließen, weil er mit dem Teufel im Bund gelebt hätte. Wie der Schmied das hörte, dreht er sich um und ging zur Hölle. Der Teufel aber wollt ihn auch nicht einlassen, er begehre ihn nicht in der Hölle, da fange er doch nur Spektakel an. Der Schmied ward bös und hub an vor dem Höllentor Lärmen zu machen, ein Teufelchen ward neugierig und wollte sehen, was der Schmied treibe, also machte es ein wenig das Tor auf, guckte heraus, der Schmied aber packte es geschwind bei der Nase und nagelte es an dieser mit dem einen Nagel, den er bei sich hatte, an das Höllentor fest. Das Teufelchen fing an zu kreischen wie ein Krautlöwe, da ward noch ein anderes an das Tor gelockt, das steckte auch den Kopf heraus, aber der Schmied war nicht faul, kriegte es am Ohr und nagelte es mit diesem neben das erste. Da fingen nun beide ein solches entsetzliches Geschrei an, dass der alte Teufel selber gelaufen kam, und wie er die zwei Teufelchen festgenagelt sah, ward er bitterbös, dass er vor Bosheit anfing zu weinen, herumsprang, in den Himmel zum lieben Gott lief, und sagte, er müsse den Schmied in den Himmel nehmen, es möge gehen, wie es wolle, der nagle ihm die Teufel alle an den Nasen und Ohren an, und er sei nicht mehr Herr in der Hölle. Wollte nun der liebe Gott und der Apostel Petrus den Teufel los werden, so mussten sie den Schmied in den Himmel nehmen, da sitzt er nun in guter Ruh, wie aber die beiden Teufelchen losgekommen, das weiß ich nicht.

    Man sollte dabei auch nicht übersehen, dass z. B. in USA viele nichtjüdische Eltern ebenfalls den Säugling beschneiden lassen aus hygienischen Gründen. Es scheint tatsächlich eine medizinisch ungeklärte Frage zu sein, ob Beschneidung für Knaben nun vorteilhaft oder unvorteilhaft ist.


    Die Sache kann man sehr objektiv betrachten, wie so vieles. Wenn man Maßnahme A bei einem Säugling vornimmt, ist sie 1.) reversibel (d.h. wieder rückgängig zu machen) und 2.) schädlich oder nützlich. Sofern nun 2.) nicht zu entscheiden ist (mutmaßlich), bleibt nur noch 1.) zu berücksichtigen und da steht nun einmal fest: Eine Beschneidung kann man nicht rückgängig machen. Es ist nicht wie bei einem Ohrloch, das wieder zuwächst oder bei einem Tattoo, das unter großen Schmerzen rückgängig zu machen ist. Die Beschneidung bleibt zeitlebens erhalten.


    Man kann keine Mädchen-Beschneidung verbieten und die Jungen-Beschneidung erlauben, so einfach ist das. Entweder dürfen Eltern Operationen, die medizinisch NICHT indiziert, d.h. geboten sind, vornehmen oder eben nicht. Wenn sie das dürfen, dann mit jeder Konsequenz und wenn nicht, dann gleichermaßen. Ausnahmen für Religionsgemeinschaften verstoßen, logischerweise, gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung. Man könnte auch die Religion der Xianer gründen, die darauf bestehen, dass ihren Kindern die Schädel gestreckt werden (wie es z.B. bei einigen antiken Völkern, darunter die Goten, üblich war), aber auch diese Prozedur könnten die Kinder später NICHT rückgängig machen, sondern wären dazu verdammt mit so einem Langschädel herumzulaufen.


    Es gilt einfach: Eltern dürfen an ihren Kindern keine körperlichen "Verbesserungen" oder Veränderungen allgemein vornehmen, die gesundheitlich nicht geboten sind. Es gilt auch hier das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Was ein 18-Jähriger mit seinem Körper anstellt, das ist dann SEINE Sache. Ganz alleine.


    Das ganze kann man auch auf das Schächten übertragen. Der einzige Grund die Tiere zu quälen ist ein religiöses Gebot, dessen Ursprung nicht zu ergründen ist, die Gläubigen würden einen Gott als Urheber nennen, dessen Willen für heutige Abgeordnete und Richter nicht zu ergründen ist und für ein Statement steht er auch nicht zur Verfügung. Allerdings kann man nachweisen, dass Tiere Leid empfinden. Da ich ein religiöser Mensch bin, steht es mir fern die Religion allgemein auf den Arm zu nehmen, aber Fakt ist: Für jeden Nicht-Religiösen existieren unsere Götter nicht und daher sind auch alle vermeintlich göttlichen Gebote nichtig. Sie können im Zusammenleben in einem Staat, der keine Staatsreligion hat, KEINE Rolle spielen. Da wir als Religiöse die Wirklichkeit, der Nicht-Religiösen sehr wohl wahrnehmen können, sie unsere aber nicht, sind wir verpflichtet auf sie zuzugehen und uns anzupassen und nicht umgekehrt.


    Ohnehin liegt dem ganzen doch ein magischer Aberglaube zugrunde, der dem Blut nahezu Zauberkräfte zuspricht. Wenn Blut einen Menschen unrein machen kann, dadurch, dass er es zu sich nimmt, wo sind denn dann die Grenzen? Teilweise sind manche Medikamente gar nicht "halal" oder "koscher" herzustellen. Ohnehin wird nirgendwo begründet, was daran denn so "unrein" sein sollte. Dass das Blut an Kleidung haften bleibt? Oder gar an der Haut noch Wochen lang nachzuweisen ist? Nun, dann wären auch zahlreiche Proteine und andere Stoffe unrein (die die antike Bibel gar nicht kannte und auch nicht verdammen konnte). Das ganze zieht sich einfach als ein unglaublicher Wahn durch die Geschichte und ein jüdischer Reformer meinte schon und 4. n. Chr., dass der Mensch nicht dadurch "unrein" wird, was in den Mund herein, sondern was heraus kommt.


    Ohnehin weiß doch auch heute jeder gescheite Mensch, dass alles Blut, was man verschlucken würde, ganz einfach im Magen von der Säure aufgelöst und dann verdaut würde. Es bleiben keine "unreinen" Reste zurück (außer im Blut befänden sich z.B. gewisse Viren oder andere Krankheitserreger, aber dann wären diese "unrein" und das Blut nur ein Medium, nicht die Ursache - man müsste es nur reinigen - was heute ohne weiteres möglich ist...), also warum nicht einfach mal den gottgegebenen Verstand benutzen?

    Wikipedia...
    Die "alten" Monate sind nicht deckungsgleich mit unseren moderneren.


    Jaja, hehe, da hab ich mir gleich selbst gut eingeschenkt ;-) Nein, das ist natürlich NICHT 1:1 alles Wikipedia-Wissen, aber das ist nunmal die einzige Website, die man ohne Probleme verlinken kann und auf die jeder zugreifen kann. Ich könnte hier auch Wolfgang Golthers "Handbuch der Germanischen Mythologie" angeben oder auch Ake V. Ströms "Germanische (und Baltische) Religion". Natürlich sind die alten Monate nicht deckungsgleich mit den heutigen, war mir gar nicht so bewusst, dass ich hier eine pseudo-heidnische Sitte übernommen habe, die heutigen Monate in germanische zu "übersetzen". Aber du hast Zugriff auf ein gewisses Lehrbuch über die germanische Zeitrechnung, von daher erwarte ich deinen Beitrag mit Freude.

    Bitte um Aufklärung


    Am 21. Julmond (Dezember) war die Wintersonnenwende, vier Wochen danach beginnen die sogenannten Mittwinternächte (nicht zu verwechseln mit den Winternächten bzw. dem Haustblót) und die bezeichnen das Julfest, welches nach julianischem Kalender zwischen dem 9. und 16. Januar liegt, nach dem gregorianischen (unserem aktuellen) allerdings 13 Tage später, d.h. zwischen dem 22. und 29. Januar liegen kann. Am 24. Januar ist dann übrigens Vollmond (gemäß Überlieferung fast schon per se ein germanischer Festzeitpunkt). Aus diesem Grunde wurden auch am 24./25. Julmond die Mütternächte gefeiert, das war ebenfalls ein Vollmond. Im Gegensatz zu Tages-und-Nacht-Gleichen sind Vollmonde als Zeitpunkte für Feste der Germanen bestens überliefert.


    Es überlierft Snorri Sturluson: „Man soll die Feste feiern zum Winteranfang für das Jahreswachstum, zum Mittwinter für die Ernte und zum dritten Mal am Sommeranfang. Das ist das Siegesfest." Damit spricht er die Winternächte bzw. das Haustblót, Jul und schlussendlich das sogenannte Siegesfest.


    Quelle: Altskandinavische Feste – Wikipedia


    Aber jedes Opferfest, egal zu welchem Zeitpunkt, ist besser als gar keines ;-)

    Während im Christentum andauernd von Liebe geredet wird, erinnern die nordischen Götter ein bisschen an einen vorstadt Motoradclub. Ich weiss das der Christ etwas anderes meint wenn er von Liebe redet. Aber andererseits würde ich mich auch gerne beschützt fühlen.


    Dem kann ich mich so nicht anschließen. Die nordisch-germanischen Götter sind zwar keineswegs harmlose Gesellen, aber deshalb auch keine kriegerische Schar ohne Mitgefühl. Dass in manchen Götterliedern eher Gewalt und Kämpfe dargestellt werden und männliche Götter im Mittelpunkt stehen sagt mehr über die Leute aus, die uns dieser Lieder überliefert haben als über die entsprechenden Götter oder über die Zeit aus der sie stammen.


    Auch unsere heidnischen Vorfahren waren kein lieb- und hoffnungsloser Haufen, der sich mit Bier und Kampf zufrieden gab und nur vom edlen Jenseits an einer großen Tafel träumte, wo es ständig Wildschwein zu essen geben würde. Es gibt genug Berichte und archäologische Funde, die uns ein ganz anderes Bild zeigen und uns auch vermitteln, dass unsere heidnischen Ahnen sehr wohl auch auf Liebe und Schutz von ihren Göttern hoffen konnten.


    Die zahlreichen Matronen-Denkmäler aus dem Rheinland sind eindeutig Zeichen für einen Kult um schützenden Mütter (=lat. matrones), die mit allerlei wohlgesinnten Namen bedacht werden. Die All-Gebenden, die Freundlichen, etc. Dieser schützenden Göttinnen, meinetwegen waren es auch "nur" (I)Disen, erhielten Opfergaben und Weiheinschriften zuhauf und die Menschen müssen sehr an ihnen gehangen haben und sich von ihnen wohlwollend beschützt gefühlt haben.


    Darüber hinaus bieten auch die isländischen Sagas viele Beispiele von wohlgesinnten Göttern. Gerade der Gott Freyr, aber auch Thor, treten als gute Beschützer hervor und der Erstgenannte ließ einer Sage nach sogar über dem Grabe eines ihm treuen Gläubigen niemals Schnee zu, damit keine solche kalte, feindliche Naturgewalt zwischen ihnen stünde (Freyr wurde dabei offenkundig als himmelhoch thronend gedacht). Also bei all diesen Befunden kann ich mir keinen Grund erschließen, warum wir auf Christen schielen sollten.


    Der christliche Glaube bietet Erlösung, genau wie der buddhistische oder der muslimische. Aber er ist eben an einen Absolutheitsanspruch gekoppelt. Ein Gott und dann endlos lange erst mal nichts. Bisweilen tauchen noch gute Engel oder Heilige auf, aber das war es dann auch schon. Gerade Christen vergleichen es dann z.B. mit einer Ehe, hätte man mehr als einen Partner, dann wäre das ja kein Treueverhältnis mehr oder manchmal tauchen auch andere Vergleiche auf, wie z.B. jemand der seiner Versicherung nicht traut und eine zweite abschließt. Warum nicht der All-inclusive-Versicherung des Jesus von Nazareth vertrauen?


    Aber als Polytheist denkt man eben weiter und auch pragmatischer. Ja, warum sollte ich keine zweite Versicherung abschließen? Muss ich die Hausratsversicherung wirklich beim selben Anbieter haben wie die Unfallversicherung? Warum? Kann sein, dass an anderer hierbei bessere Konditionen hat. Der Markt ist frei und wir auch und wir müssen auch nicht behaupten: Es gibt nur die einzig wahre Versicherung! Alle anderen sind falsch, ja, sie existieren alle sogar gar nicht!


    Und um das Ehebeispiel nochmals aufzugreifen. Auch da kann man sich das ganze besser vorstellen, wenn man von Freundschaften spricht. Keiner von uns möchte mit einer Gottheit eine Ehe führen (oder doch jemand hier?), aber wir betrachten sie (nehme ich an, oder?) als gute Freunde, die für uns da sind bzw. sein können, wenn sie wollen (wie andere Freunde). Mal lassen sie uns im Stich (wie andere Freunde auch), aber deshalb muss man nicht gleich die Freundschaft kündigen. Und bei Freunden gilt auch: Warum nur einen einzigen? Egal wie der toll der auch sein mag. Klar, man hat seinen beste/n Freund/in, aber darum die Existenz von anderen Freunden grundsätzlich ausschließen?! Niemals.


    Ohnehin gilt für Götter - ganz historisch überliefert - auch bei der Anzahl dasselbe wie für Menschenfreunde. Die tatsächliche Anzahl ist überschaubar. Auch wenn z.B. in Babylon mehrere hundert Götternamen aufgelistet wurden, so wurden im Alltag bei Weiheinschriften und Anrufungen oft nur einige wenige erwähnt. Und wer von uns hat schon wirklich 200 Freunde (außer bei Facebook...)? Naja, so sehe ich das jedenfalls. Also freut euch des Lebens, wenn die Not kommt betete zu den Göttern um Hilfe und wenn ihr mal eine Weile nicht geopfert habt, feiert beim nächsten Mal einfach doppelt und trinkt einen für eure Ahnen mit ;-)

    Und meiner persönlichen Ansicht nach ist Loki sehr wohl ein Bewahrer der Gemeinschaft.


    Gegen persönliche Ansichten kann man ohnehin schlecht anreden, aber gemäß den überlieferten Erzählungen rettet Loki z.B. die Göttergemeinschaft immer nur aus den Schwierigkeiten, in die er sie selbst gebracht hat. Der Riesenbaumeister, der betrogen werden muss, wurde auf seinen Ratschlag hin "angeheuert"; Idunn wird befreit, nachdem er sie "verpfändet" hatte; die Götterkleinodien werden hergestellt als Reaktion auf sein unseliges Reden und schlussendlich bewirkt er nicht nur den Tod des unschuldigen, lichten Balders, sondern verhindert aktiv seine Rückkehr... ich mag auf dich kurios wirken diesem Gott fast jede gute Eigenschaft absprechen zu wollen, aber - Tatsache - das ist die einzige Sichtweise, die mir bei den Geschichten so bleibt. Er mag ein Schlitzohr sein, aber auf mich wirken auch charmante Diebe und Gauner nicht wie edle Ritter... Ambivalent bleibt er allemal, aber zum Schluss eben doch ein Verräter, Mörder und Wanderer zwischen den Welten, der nicht zu wissen scheint, wohin er gehört...


    Religionen wie auch Götter verändern sich und gehen auf die Gedanken der Menschen ein.


    Na lass den Satz mal nicht ein gewissen Obermufti von GottGleichenGnaden hören ;-) - da stimme ich dir jedenfalls zu. Andererseits sind auch den Veränderungen doch gewisse Grenze gesetzt und aus dem edlen Balder wird sicher niemals ein dunkler Schurke werden oder aus dem aufbrausenden Thor ein zarter, gewaltfreier Buddha. Da bleibt sicherlich der Donnergott bei seinen Blitzen.


    Da Loki heute jedoch als Feuergott identifiziert wird und eindeutig diese Eigenschaft trägt, kann man ihn entweder als Symbol für die Sommerhitze betrachten, oder als Zerstörer, oder als Verwandler oder gar als Heim- und Herdgott.


    Sehr guter Punkt, genau genommen würde ich Loki ohnehin auch für die Vorzeit als den Feuergott ansehen, was durch sein Wesen begründet wird, wie auch durch einen Herdstein, auf welchem er mit zugenähtem Mund dargestellt war, untermauert wird. Gerade die Sphäre von Feuerstelle und Herd scheint durchaus sein Refugium gewesen zu sein; immerhin heißt es im isländischen Sprichwort bis heute, dass "Loki seine Kinder schlägt", wenn es im Feuer knistert und knattert. Wobei er eher zu den Sommerbränden durch die Hitze passt, als zur Sommerhitze an sich, die doch eher zu einem Sonnengott/-göttin passt.

    Besten Dank, hätte ja nicht gedacht, dass man dort so objektiv auf uns blicken kann ;-)


    Zitat

    Auf Vorurteile haben sich die modernen Heiden dennoch eingestellt, wie ein Flyer verrät. "Plötzlich öffentlich - Wie du dich als Heide auf ein Presse-Interview zu deiner Religion vorbereiten kannst", heißt es darauf. Der Ratgeber weist darauf hin, dass ein Outing als Druide zu Problemen am Arbeitsplatz oder in der Nachbarschaft führen könnte. "Überlegt euch, ob es das Risiko wirklich wert ist", rät das Flugblatt. Bernhard Kühn kennt das aus eigener Erfahrung. "Man wird entweder als Nazi oder als Verrückter abgestempelt", beklagt er und überrascht manchen Besucher, als er seinen Beruf angibt: Kühn ist Polizeikommissar.


    Faszinierend, jetzt sind auch schon die Kelten von den Nazis instrumentalisiert worden?! Druiden als Vorläufer der SS? Ich vermute, dass es eher deshalb ein Problem gibt, weil man einem Nebenjob nachgeht, den man vorher nicht angegeben hat. Druide scheint mir aber sogar fast ein Hauptberuf zu sein, da kann der Arbeitgeber schon mal skeptisch werden ;-)


    Zitat

    "Wir feiern verschiedene Jahreskreisfeste und orientieren uns an der isländischen Edda, die skandinavische Götter- und Heldensagen vereint", erklärt der Ordnungshüter die Glaubenswelt seiner Gruppe. "Es gibt bei uns das Zwiegespräch mit den Göttern, bei dem man sich etwas erbitten kann", ergänzt Kühn. Auch Speiseopfer und Heilzauber gehören dazu. "Es gibt aber keinen Priesterstand wie im Christentum, jeder soll seine eigenen Rituale und Kulte pflegen", betont Kühn bei einer der vielleicht ungewöhnlichsten Veranstaltungen dieses Abends.


    Schön, dass hier auch mal eine gute Aufklärung geleistet wird und nicht die abstrusen Vorstellungen von anderen im Vordergrund stehen. Mal sehen, wann gegen diese öffentliche Erklärung die "Richtigstellung" von (pseudo-)"altheidnischer" Seite folgt...

    (Gibt aber auch die These, dass Njörd und Nerthus ein und die Selbe Gottheit sind, weil später im Norden kein Zeugnis von Nerthus zu finden ist)


    Anmerkung hierzu: Diese Theorie ist bereits veraltet, da es diese Zeugnisse durchaus gibt. Zum Einen gibt es die in der Skaldendichtung belegte Göttin Njörunn (alsisländisch), zum Anderen Ortsnamen in Schweden, die auf eine Göttin Närd (altschwedisch) verweisen. Beide Formen lassen sich sprachgeschichtlich sehr gut mit einer altgermanischen Göttin Nerthus vereinbaren. Lediglich in der Überlieferung des bereits christlichen Skalden und Gelehrten Snorri Sturluson ist die Göttin dann zu kurz gekommen. Was auch daran liegen mag, dass er aus einer aristokratischen Männergesellschaft stammte. Der Glaube an Göttinnen scheint eher auf Ebene der Bauern und unter Frauen verbreitet und gepflegt worden zu sein, kriegerische Reise-Dichter konnten mit den Beschützerinnen von Haus und Hof wohl eher wenig anfangen (was auch logisch erscheint, standen sie doch ihren Interessen als Räuber und Eroberer entgegen, indem sie auch die Schützerinnen der Höfe waren, die sie selbst zu plündern suchten... bevor ich eine Lüge spreche, rufe ich auch nicht Týr an, oder?).

    Götterwelt zeitgemäß weiterentwickeln?


    Wie soll das eigentlich funktionieren ? sitzen die jetzt auf Motorrädern, Trikes oder in Autos vielleicht auch in Raumschiffen ? Muß Wodan/Odin auf die Couch weil er vollkommen abstrus ein Auge opferte ? Muß Frigga antifaschistisch, genderistisch aufgeklärt werden um sich vom männlichen Größen und Unterdrückerwahn zu befreien, da sie immer noch seit tausenden von Jahren am Spinnrocken sitzt ?


    Nun, mal ganz sachlich betrachtet, fanden unsere nordischen Vettern nichts daran, den Götter-Statuen zeitgemäße Helme aufzusetzen und mit Bärten auszustatten, anstatt weiterhin nur wenig ausgearbeitete Pfahlabbilder herzustellen. Von daher ist hier eine klare Weiterentwicklung über mehrere Jahrhunderte nachweislich. Aber natürlich hat Wodan nichts auf der Couch eines Psychiaters verloren, außer man möchte die Rolle von Mimirs Kopf gänzlich neu interpretieren (falls ja, dann nur heraus damit).


    Es gibt genug seelenlose Menschen die sich für verflucht schlau halten und trotz, vielmehr wegen ihrer Schläue sich selbst und Andere in den Abgrund ziehen.


    Einen Gott verändern zu wollen, heißt ihn nicht mehr zu respektieren. Und wenn man einen Gott nicht mehr respektiert dann ist es vorbei mit dem Glauben.


    Naja, die Frage stellt sich doch, ob der Mensch den Gott verändert oder anders wahr nimmt oder gar, ob der Gott durch den Menschen erst das Abbild erschaffen lässt, das ihm selbst am nächsten kommt. Vielleicht sollte man das ganze weniger als negativ betrachten. Veränderung ist ja per se nichts, was man fürchten muss. Es kann auch eine positive Weiterentwicklung sein.


    was ist das überhaupt für eine Idee, Götter verändern zu wollen.


    Versucht das mal bei Hindus Moslems oder Buddhisten.


    Ich verstehe wirklich nicht mehr was mit unseren Leuten los ist.


    Nun, ich glaube, dass ein Gott nicht durch Menschen verändert werden kann. Wenn Menschen sich dazu berufen fühlen einen Gott anders darzustellen als bisher und neue Geschichten von ihm zu erzählen, dann wäge ich ab, ob mir das so vorkommt, als ob der Gott hier mitgeschrieben und mitgewirkt hat oder ob das freie Erfindung ist. Irgendwann hat sich auch unter den Germanen manches durchgesetzt, was vorher nicht Bestand hatte. Siehe die Götterdarstellungen, wie aber auch die neue Mode des Thorshammers. Ehedem gab es solche Amulette unter germanischen Heiden nicht. Irgendwann kamen römische Legionäre mit Herkuleskeulen, die übernahmen ihre germanischstämmigen Kameraden. Im Norden merkten die germanischen Händler, dass ihre christlichen Kaufmannsgenossen Kreuze um den Hals trugen, die ihnen Schutz zu geben schienen, als wählen sie das Zeichen ihres Schutzgottes, um nachzuziehen. Einleuchtend, aber eben auch eine Innovation. Bei Waffen und Kleidung wurde auch nicht ewig auf den alten Materialien beharrt.


    Vielleicht mal ein leuchtendes Beispiel aus dem Alltag: Wenn ein Gott der Schutzpatron einer Berufsgruppe war, die ausgestorben ist, was geschieht dann? Stirbt der Gott? Verliert er seinen Sinn? Oder wird er einfach auf eine andere Gruppe übertragen und übernimmt neue Funktionen? Mir erscheint letzteres als einzig sinnvolle Lösung. Nehmen wir mal einen Gott: Provokanter Weise nehme ich Vidarr. Als einzige Funktion, die halbwegs belegt ist, scheint er ein Rachegott gewesen zu sein. Allerdings ist Blutrache heute gesetzlich verboten. Sollte Vidarr heute keine Rolle mehr spielen? Oder eher Gott der gerechten Strafverfolgung sein? Und damit vielleicht Gott der Staatsanwälte, die jedem Opfer zu seinem Recht verholfen wollen und dem Täter zu seiner gerechten Strafe? Verfälsche ich jetzt Vidarr, indem ich ihm diesen neuen Bereich zuordne? Ihn als einen unermüdlichen Rächer des Unrechts wahrnehme? Ich glaube, eher nicht...

    Da die alten Philosophen aus einer Kultur stammen, in der "das Heidentum" der Normalfall war, sie also entsprechend geprägt waren, muss man wohl eher fragen, wie viel Heidentum im Christentum steckt


    Ja, aber ich muss da auch immer an Cicero denken. Der Mann war zweifelsohne Philosoph und zweifelsohne "Heide", wobei er von christlicher Seite nie geächtet wurde (was anderen Vor-Christlichen im Nachhinein doch auch widerfahren ist). Er macht sich in seinen Schriften geradezu lächerlich über den Aberglauben des einfachen Volkes, er kann damit nichts anfangen. Übt zwar den Beruf des Auguren aus, fragt sich aber zugleich wie ein Augur einen anderen treffen könnte, ohne beim Anblick des anderen laut loszulachen. Was soll man als Otto-Normalheide davon halten? Wie kann dieser Mann mir an Elfen, Kobolde und Riesen Glaubenden etwas vermitteln, was ich ernst nehmen soll? Zweifelsohne ist er Philosoph und beredt und klug, aber für mich KEIN gläubiger Mann. Ein Suchender und ein Denker, aber keiner der sich auf diesen "Aberglauben" wie ich in praktiziere einlassen würde. Die Philosophen der damaligen Zeit suchten nach DER Wahrheit und zwar für alles. Auch und gerade für die Entstehung der Welt. Sie konnten die Wahrheit damals nicht wissen, aber lebten sie heute: Sie wären allesamt Evolutionsanhänger und Humanisten, gar Richard-Dawkins-Anhänger und würden über uns Normalheiden lauthals lachen, dabei zugleich weiter über "das gute Leben" u.ä. philosophieren. Die Philosophie der Moderne ist Atheismus, bestenfalls Agnostizismus, aber der Deismus ist in der Philosophie ein kranker, alter Mann und der Polytheismus schon lange von philosophischer Seite beerdigt... Und darum ist dort für spirituell Suchende oder Firnleute eben kein Platz und auch nichts zu finden. Ich hätte lieber die einfachen Gedanken eines alten Bauernweibes irgendeines germanischen Stammes von der Zeitenwende oder eines fahrenden Skalden aus dem frisch-besiedelten Island gehört als mir die Überlegungen so manches Denkers anzuhören, der zwar viel denkt, aber wenig spürt oder gar ersinnt...

    Wenn man es historisch betrachtet, sind die Schriften der Antiken Philosophen ungleich viel "heidnischer" als die Eddas und Sagas^^


    Kommt darauf an welche man genau damit meint. Gerade unter diesen Leuten kommt der Gedanke des radikalen Monotheismus auf, der sich dann durch die Intellektuellen-Kreise den Weg bahnt und dankbar die Gedankengänge der kleinen Sekte aus Palästina aufnimmt. Denen kam ein namenloser Gott gerade recht, da Zeus einfach nicht taugte, da zu viele Sagen über den echten, alten nicht-monotheistischen Zeus im Umlauf waren. Und der Emanationsgedanke manifestierte sich für diese Philosophen nahezu perfekt im Galiläer. Es sollte auch zu denken geben, dass zahlreiche dieser antiken Philosophen im Mittelalter von Christen und Muslimen sehr rege und gerne gelesen wurden. Wie viel Heidentum kann da in ihren Gedanken gesteckt haben? Nein, da bleibe ich lieber bei volkstümlichen Erntebräuchen und dem sympathischen Aberglauben von Tante Emma und Großtante Hilde, die sich ihre Elfen und Wichtel auch von noch so vielen Generationen von besserwisserischen Möchtegern-Welt-Missionaren nicht haben kaputt reden lassen, während so mancher Philosoph mit seinen Überlegungen von diesen Leuten gar nicht weit entfernt war.


    Können, dürfen wir nicht einfach mal Asatru sein, ohne uns Anderen anbiedern zu müssen ?


    Doch und das sollten wir auch. Wir brauchen keinen Asa-Buddhismus. Wir können uns wie die Hinduisten von den Buddhisten ganz gepflogen abgrenzen, ohne zu spucken oder herabzusehen. Polytheismus ist was Schönes und muss sich nicht an irgendwelche Möchtegern-Hochreligionen anbiedern. Gerade der Begriff Hochreligion sagt schon alles aus: Man hält sich für etwas besseres, weil die Vorgänger sich ganz viel tolles ausgedacht haben, um den eigenen Glauben attraktiver und "logischer" zu machen. Aber ein Glaube MUSS nicht logisch sein. Er MUSS nicht alle Fragen des Lebens beantworten (und am besten noch so dumm-einfach wie möglich). Wenn ich mit meinem komplex-unverständlichen-widersprüchlichen Glauben glücklich bin, dann lasst mich doch. Ich muss nicht wissen, woher die Kuh stammt und ob der Urriese aus Feuer und Eis oder Lave und Schnee entstand oder doch aus Giftreif. Ich habe da einen Gott, der das alles weiß und einige schöne Lieder, die die Urzeit in Andeutungen nacherzählen, aber das reicht auch, ganz ohne Vajrayana oder H?nay?na oder Sangha und Sutta...

    Mit Kriterien ist das so eine Sache. Man liest eben als kleiner Lausbub ein Buch über "deutsche Heldensagen" und da gibt dann eben einen größeren Teil zur germanischen Mythologie und irgendwie spricht einen dieses ganz eigene Universum an; mit Licht- und Dunkelelfen, Göttern, Helden und allerlei Begebenheiten. Und wenn man dann irgendwann erwachsen ist und mit dem Christentum, das man aus der Familie und dem Umfeld so kennen gelernt hat, nichts mehr am Hut haben will, aber der andere Glaube einem völlig natürlich vorkommt, dann entscheidet man sich eben dafür. Ich habe nie überlegt griechische oder römische Götter zu verehren, und auch obwohl mir klar war, dass im Süden anfangs Kelten siedelten (und vor denen übrigens Alteuropäer und vor denen wieder andere) hat mich das nie dazu gebracht, darüber nachzudenken, ob ich nicht Cernunnos etc. verehren sollte. Die Festlandkelten sind tot und ihre Sprachen ausgestorben, wie die Goten gleichsam den übrigen Ostgermanen und ihre Sprachen. Das kommt vor und ich werfe sicherlich keinem Norditaliener vor, dass er sich als möglicher Achtel-Langobarde nicht auch mit ostgermanischen Göttern befasst oder einem Südfranzosen, dass er sich nicht auf sein Westgotentum besinnt.


    Ich würde sagen, dass auch die Mentalität eine große Rolle spielt. Wenn einen die Edda-Erzählungen nicht abschrecken, sondern ansprechen gehört man schon irgendwie dazu. Den gewaltigen Unterschied zwischen der ???????? und der Völuspá fällt sicherlich jedem auf, allein wenn man das umfangreiche ????????? mit den knappen Worten der Völva vergleicht... was Geburt und Abstammung angeht, sage ich: Wer dazugehören will, der darf auch, wenn er sich genauso als Teil des Ganzen versteht wie alle anderen.


    Um interessant für irgendeinen Heiden zu sein, müssten diese "Kommentare" erstmal von der Wirklichkeit ausgehen und nicht von einem ominösen Phantasie-Produkt wie z.B. einem geheimen Goden-Bund um Snorri Sturluson dem angeblich letzten praktizierenden echt-heidnischen Goden der germanischen Welt... Aus einer Phantasie heraus kann man sicherlich gute Fantasy-Romane schreiben oder Science Fiction oder sonstiges, was gewiss auch gut und interessant zu lesen wäre, aber vor allem von Liebhabern solcher Genres und nicht von Heiden an sich. Wenn ich die absurden Gedankengänge irgendeines halbgebildeten Spinners hören möchte, dann unterhalte ich mich mit einem x-beliebigen Impfgegner und amüsiere mich über angeblich nicht existente Viren, die Jahr für Jahr Millionen von Infektionen auslösen können... das ist deutlich billiger als mir Literatur von Mr. Ich-bin-Gode-und-weil-ich-Gode-bin-muss-ich-wissen-wer-ein-echter-Gode-ist zu kaufen. Geza ist ein lebender Zirkelschluss und ein wandelnder Widerspruch in sich. Der kann einen Tyrkreis (ja, nicht etwa einen Tierkreis) präsentieren, indem der uralter Himmelsgott Tiwaz obenauf steht und im gleichen Atemzug Odin als den wahren und niemals verdrängten Allvater und Schöpfer des Seins präsentieren und dann noch den Christen unterstellen den Allvaterglauben geklaut zu haben. Ist alles drin. Hat aber mit Heidentum an sich irgendwie nichts zu tun. Wer darauf hofft aus diesem Mann irgendetwas Produktives herauszubekommen, was er selbst nicht woanders abgeschrieben oder übernommen hat, der wird enttäuscht werden. Für an Volksbräuchen mit heidnischem Hintergrund Interessierte gibt es bessere Literatur, für an heidnischer Mythologie Interessierte auch und für Leute, die einen religiösen Führer suchen gibt es nach wie vor die katholische Kirche. Geza ist so nötig und relevant wie all die anderen spinnerten Ariosophen und Germanentümler, die es im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts eben so gab. Die meisten sind inzwischen beerdigt und wenns mit Geza soweit ist, wird auch keine Hahn mehr nach ihm krähen. Ich glaube, es geht ihm einfach wie Hitler, er hat einfach den Beruf verfehlt. Er könnte sicherlich gute Fantasy-Roman schreiben über ein Parallel-Universum in dem das Heidentum nicht untergegangen ist und auch gut als Comic-Zeichner, aber als Heide wie als religiöser Führer ist er eine totale Fehlbesetzung.

    Aus meiner Zeit im Religionsunterricht habe ich einige (aus Erwachsenen-Perspektive) absurde Geschichten in Erinnerung und erstaunlich wenig über Werte und Moral. Als ich dann mitten im Schuljahr endlich in den Ethikunterricht gewechselt bin, da das letzte Thema "Bücher der Bibel auswendig können für die Klausur" mir gereicht hatte, gings direkt los mit ernsthaften Diskussionen über Moral und Verhalten. Womöglich ist der Religionsunterricht extrem abhängig vom Lehrer, aber man sollte doch auch bedenken, dass die armen Menschen, die das unterrichten müssen jeweils einen oder mehrere Oberdogmatiker im Hintergrund haben, denen sie per se nicht widersprechen dürfen, während der gute Ethiklehrer Kant geil finden kann oder nicht, aber an sich die Leute dazu anregen sollte SELBST nachzudenken, anstatt auswendig zu lernen, welche gebotenen Verhaltensweisen toll sind. Naja, mal warten bis der Ober-Arsch-Gode sich zu Wort meldet und in Berlin den altheidnischen Religionsunterricht einführt, spätestens dann unterschreibe ich jede Petition, dass Religionsunterricht verboten wird und das auch ins Grundgesetz aufgenommen wird...

    Die meisten von uns Linken können ganz gut differenzieren, aber gerade weil der Mjölnir eine Mode im rechten Bereich ist, steht man halt bei einem Mjölnirträger erstmal vor der Frage: Ist er Heide, ist er Nazi, oder beides? Die Schuld daran, daß das so ist, tragen nicht irgendwelche hypothetischen doofen Antifas, sondern die braunen Kameraden selbst!


    Allerdings drängt sich mir doch immer wieder die Frage auf: Warum müssen Leute immer in Schubladen gesteckt werden? Kann man nicht einfach den Menschen an sich mal sehen? Ich für meinen Teil überlege nicht bei jedem Glatzkopf "Ist das ein Nazi, Skinhead oder beides?". Es gibt so viele unterschiedliche Symbole. Die Tatsache, dass einige Nazis germanische Symbole als Erkennungszeichen untereinander einsetzen, wird ja schon dadurch unterlaufen, dass genug Nicht-Nazis damit herumlaufen. Warum also überhaupt solch ein Nazi-Screening? Warum muss alle Nase lang jemand "überprüft" werden? Und warum von "den Linken"? Reicht es nicht, wenn der braune Verfassungsschutz da seine Fehler macht? Warum "Aufklärung" über "rechte Symbole", wenn damit nur wieder neue Vorurteile geschaffen werden? Sollte man als "Linker" nicht eher welche ab-, anstatt aufbauen? Jeder Vollidioten-Nazi argumentiert mit seinen Vorurteilen gegen "ausländische Sozialschmarotzer" die man angeblich an Aussehen und XY erkennt, warum deren Dummheit folgen und behaupten Nazis erkennt man an Thorshammer und VZ?

    Jost Trier hat die „Heide“ als Allmende identifiziert und etymologisch mit heimr ‚Welt, Heimat‘ verbunden. So kommt er zur Bedeutung von „heiðinn“ als „zur eigenen heimischen Kultgemeinde gehörend“.
    Zunächst war „heiðinn“ eine durchaus von Christen übernommene, aber nicht pejorative Bezeichnung nordgermanischer Nichtchristen.


    Ein interessanter Ansatz von Herrn Trier, allerdings sind die Wörter "Heide" und "Heim" doch getrennten Ursprungs. Letzteres gehört zu idg. *koimo "vertraut, Lager", wohingegen ersteres zu idg. *kaito "Wald, Wildnis" gehört. Was beides durch andere Wörter in den verwandten Sprachen belegt ist. Allerdings passt Heide als wilder Wald sehr gut zum Kontext. Im Gotischen galt noch das griechische "Ethnos" (d.h. Völker) als Vorlage für "Heiden", was man durchaus als "wilde Völker" oder "Völker der Wälder (d.h. Verborgene)" deuten könnte. Wie so oft musste Wulfila ja erreichen, dass seine Zuhörerschaft mit dem Gesagten etwas anfangen kann. Weshalb ich auch die Herleitung von gotisch haiþns aus einer Entstellung von "(h)ethnos" ablehne. Und so schließt sich denn auch der Kreis durch Eyvindr Skáldaspillir: "Seit Håkonfuhr zu den heidnischen Göttern..." hierbei kann mit "heidnische Götter" eben auch "Götter der Wald(heiligtümer)", "Götter der Wälder", "Wilde Götter" gemeint sein, aus christlicher Sicht als Gegenstück zum Sittenwächter, aus heidnischer Sicht "wild" eben auch als ungebunden, frei, nicht in Steinhäuser eingeschlossen (man bedenke, dass in der indogermanischen Religionstradition selbst steinerne Tempel stets mit vielen Öffnungen versehen waren, seien es Dach- oder Seitenfenster oder offene Wandbereiche).


    Ich würde mich selbst als Heide oder Firnmann bezeichnen. Wobei wie schon erwähnt, ersteres meistens analog zu Atheist gesehen wird und letzteres auf Unkenntnis stoßen wird.

    ch meinte: von den Heiden selbst als solches anerkannt zu werden, nicht von Nichtheiden. Leider habe ich auch schon mit Heiden gesprochen, die Volkstänze und Gartenzwerge überhaupt nicht so heidnisch fanden.


    Hat sich einer von denen als "Gode", egal ob mit Zusatz oder ohne, ausgegeben? Wenn ja, darfst du getrost die Hälfte von dem, was sie dir erzählen in die Tonne werfen und weil sie meistens auf einem Auge blind sind, dann nochmal die Hälfte (ist meistens das rechte...).


    Naja, was die Sache mit dem Heiden erkennen Heiden als Heide an angeht: Es kursieren für mein Verständnis schon viel zu viele "Titel" und "Konfessionen" in der Hinsicht. Ich habe schon von "Altheiden", "Neuheiden", "Neoheiden" (glauben wohl an den guten alten Neo), Rökkatru, Vanatru, "Südgermanischen Heiden", "Elbgermanischen Heiden" und allerlei Obskuritäten gehört. Von mir aus kann sich jeder nennen wie er möchte, meinetwegen auch orthodoxer Germanokelte. Mir ist das inzwischen herzlich egal. Für mich gibts nur Heiden und Heide ist für mich erstmal jeder, der an Götter glaubt und nicht den radikalen Monotheisten oder Atheisten gibt. Wer mit Gartenzwergen tanzen oder Elfen schmusen möchte, darf das gerne. Baumkuschler sind mir persönlich auch nicht unsympathisch. Dogmatik halte ich allerdings wirklich für zutiefst unheidnisch...


    Mich stören nur die Ariosophen, die sich für "Altheiden" halten, was sie aber nicht mal sein werden, wenn wir sie einst beerdigt und vergessen haben... (auch ein gealterter Neonazis ist noch lange kein Altnazi...)