Beiträge von JazzOderNie

Schon gewusst…?

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    Ich wollte ein Adornozitat teilen, wobei ich bei zwei drei Saetzen selber nicht weiss, was er meint. Doch ich dachte ich teile trotzdem. Auch wenn Adorno kein so breites Publikum hat. :D


    "Die Kontroverse über die Priorität von Geist und Körper verfährt vordialektisch. Sie schleppt die Frage nach einem Ersten weiter. Hylozoistisch fast geht sie auf eine ????, der Form nach ontologisch, mag selbst die Antwort inhaltlich materialistisch lauten. Beides, Körper und Geist, sind Abstraktionen von ihrer Erfahrung, ihre radikale Differenz ein Gesetztes. Sie reflektiert das historisch gewonnene >Selbstbewußtsein< des Geistes und seine Lossage von dem, was er um der eigenen Identität willen negiert. Alles Geistige ist modifiziert leibhafter Impuls, und solche Modifikation der qualitative Umschlag in das, was nicht bloß ist. Drang ist, nach Schellings Einsicht*, die Vorform von Geist.


    Die vermeintlichen Grundtatsachen des Bewußtseins sind ein anderes als bloß solche. In der Dimension von Lust und Unlust ragt Körperliches in sie hinein. Aller Schmerz und alle Negativität, Motor des dialektischen Gedankens, sind die vielfach vermittelte, manchmal unkenntlich gewordene Gestalt von Physischem, so wie alles Glück auf sinnliche Erfüllung abzielt und an ihr seine Objektivität gewinnt. Ist dem Glück jeglicher Aspekt darauf verstellt, so ist es keines. In den subjektiv sensuellen Daten wird jene Dimension, ihrerseits das dem Geist Widersprechende in diesem, gleichsam zu ihrem erkenntnistheoretischen Nachbild abgeschwächt, gar nicht so verschieden von der wunderlichen Theorie Humes, der zufolge die Vorstellungen, ideas - die Bewußtseinstatsachen mit intentionaler Funktion - blasse Abbilder von Impressionen sein sollen. Bequem ist diese Lehre als insgeheim naiv-naturalistisch zu kritisieren. Aber in ihr zittert ein letztes Mal das somatische Moment erkenntnistheoretisch nach, bis es vollends ausgetrieben wird. In der Erkenntnis überlebt es als deren Unruhe, die sie in Bewegung bringt und in ihrem Fortgang unbesänftigt sich reproduziert; unglückliches Bewußtsein ist keine verblendete Eitelkeit des Geistes sondern ihm inhärent, die einzige authentische Würde, die er in der Trennung vom Leib empfing. Sie erinnert ihn, negativ, an seinen leibhaften Aspekt; allein daß er dessen fähig ist, verleiht irgend ihm Hoffnung. Die kleinste Spur sinnlosen Leidens in der erfahrenen Welt straft die gesamte Identitätsphilosophie Lügen, die es der Erfahrung ausreden möchte: »Solange es noch einen Bettler gibt, solange gibt es noch Mythos« ** darum ist die Identitätsphilosophie Mythologie als Gedanke. Das leibhafte Moment meldet der Erkenntnis an, daß Leiden nicht sein, daß es anders werden solle. »Weh spricht: vergeh.«° Darum konvergiert das spezifisch Materialistische mit dem Kritischen, mit gesellschaftlich verändernder Praxis. Die Abschaffung des Leidens, oder dessen Milderung hin bis zu einem Grad, der theoretisch nicht vorwegzunehmen, dem keine Grenze anzubefehlen ist, steht nicht bei dem Einzelnen, der das Leid empfindet, sondern allein bei der Gattung, der er dort noch zugehört, wo er subjektiv von ihr sich lossagt und objektiv in die absolute Einsamkeit des hilflosen Objekts gedrängt wird. Alle Tätigkeiten der Gattung verweisen auf ihren physischen Fortbestand, mögen sie es auch verkennen, sich organisatorisch verselbständigen und ihr Geschäft nur noch beiher besorgen. Sogar die Veranstaltungen, welche die Gesellschaft trifft, um sich auszurotten, sind, als losgelassene, widersinnige Selbsterhaltung, zugleich ihrer selbst unbewußte Aktionen gegen das Leiden. Borniert freilich im Eigenen, kehrt ihre totale Partikularität sich auch gegen jenes. Ihnen konfrontiert, verlangt der Zweck, der allein Gesellschaft zur Gesellschaft macht, daß sie so eingerichtet werde, wie die Produktionsverhältnisse hüben und drüben unerbittlich es verhindern, und wie es den Produktivkräften nach hier und heute unmittelbar möglich wäre. Eine solche Einrichtung hätte ihr Telos an der Negation des physischen Leidens noch des letzten ihrer Mitglieder, und der inwendigen Reflexionsformen jenes Leidens. Sie ist das Interesse aller, nachgerade einzig durch eine sich selbst und jedem Lebenden durchsichtige Solidarität zu verwirklichen.


    Denen, die möchten, daß es nicht sich verwirkliche, hat unterdessen der Materialismus den Gefallen seiner Selbsterniedrigung getan. Die Unmündigkeit, die das verursachte, ist nicht so, wie Kant es dachte, von der Menschheit selbst verschuldet. Mittlerweile zumindest wird sie planvoll reproduziert von den Machthabern. Der objektive Geist, den sie steuern, weil sie seiner Fesselung bedürfen, mißt dem durch die Jahrtausende gefesselten Bewußtsein sich an. Solcher Praxis hat der zur politischen Macht gelangte Materialismus nicht weniger sich verschrieben als die Welt, die er einmal verändern wollte; er fesselt weiter das Bewußtsein, anstatt es zu begreifen und seinerseits zu verändern."

    Fuer mich liegt der relevante Unterschied darin, ob der Mensch als Mensch oder als Monster gesehen wird und ob Gerechtigkeit dafuer genutzt wird, dass der andere nun auch mal leiden soll (was man evtl garnicht weiss, ob das nicht schon der Fall ist) oder ob es darum geht dass das Leiden eben nicht weiter durchgereicht wird, wobei das auch den Taeter betrifft. Ich meine damit nicht, dass er fuer Mord ein Bussi auf die Stirn bekommen soll und dann is alles gut. Also mir geht es noch nicht um die konkrete Massnahme, sondern erstmal die Absicht dahinter mit der man dann die Massnahmen festlegen moechte.


    Leiden weiter durchreichen (Rache) oder ein Ende suchen davon (dh. dass jeder Mensch Grundrechte hat)?


    Zu ueberlegen was mit Menschen ist, die wiederholend andere gefaehrden, waere fuer mich dann erst der naechste Schritt. Denn die gibt es. Und es gibt immernoch die Moeglichkeit des Wegsperrens.


    Ergaenzung: ich finde Sunnys Beitrag ganz gut. Er/Sie hat das ganz gut versucht iwie aufzudroeseln.

    Zur Nr.36: ich habe in Kopenhagen vor einer Kirche mal so einen heiligen Holunderstrauch getroffen. Da hing n Schild dran auf dem stand, dass er eben heilig sei, dass man ihn nicht zerstoeren sollte, was er alles kann und ganz viele tolle Sachen, die ich leider alle wieder vergessen habe. Ausserdem wars daenisch. Ich fand es iwie gut, dass er heilig ist, damit er geschuetzt is. Er hatte einen mega dicken Eisenzaun drum und war wirklich save. Allerdings war der Holunderstrauch selber ein kleiner toter Ast und ich dachte "Ich glaube der wird auch heilig nich gruener.". Das soll jetzt nix implizieren oder so, aber ich musste grade daran denken, als ich das las.


    Eine Erfahrung ist keine Theorie, sondern eine Erfahrung, dann sind alle Vergewaltigungen selbst genauso Theorie. Auch meine Erfahrung ist keine Ideologie, wenn ich diskutiere und jemand noch rechter hat als ich, dann stimmt das, aber dafuer muss es fuer mich Sinn ergeben. Ich habe nicht das Gefuehl, dass du mir wirklich zuhoerst. Ich fuehle mich lediglich denunziert, weil ich zu einem anderen Schluss komme als du. Ich habe auch nicht das Gefuehl, dass du auf meine Argumente eingehst, sondern dann zum naechsten wechselst. Ich werde Unrecht haben egal was ich sage, solange ich nicht sage "Ja, Rache macht iwas besser." oder? Egal ob meine Argumente stimmen oder das meiner Erfahrung entspricht oder offiziellen Statistiken entspricht, vermutlich wechselst du dann zu was anderem. Es is ja ok, wenn du fuer Todesstrafe bist, aber wenn du zum diskutieren auffordest und die Argumente nicht relevant sind, sondern die Bestaetigung der letztendlichen Schlussfolgerung (den Weg dorthin weggelassen), dann muss das ja frusten. Das is aber nicht meine Schuld mit deiner Nervennahrung, dann forder doch nicht zur Diskussion auf.


    Wenn du selber haeusliche Gewalt erlebt hast, wie kannst du dann sagen, dass man an die Familie ausliefern soll und damit sei iwas gerecht? Ich verstehe das nicht.

    Du hast gelacht und mir vorgeworfen theoretisch zu sein, was nicht stimmte und dafuer hast du dich nicht mal entschuldigt, was dein Rachelink als "Gerechtigkeit" beschreibt. Du haelst doch selber nicht mal ein was du da von anderen verlangst. Ich finde das nicht gut und ich hoffe du bist nicht bezeichnend fuer das was du da angeblich vertrittst.

    Ich drehe mich nicht im Kreis, wenn dann deine Argumentation und das ist nicht meine Schuld. Ich habe auf deine Argumentation geantwortet, weil das Argument des "an die Familie auslieferns" ignoriert, das der Grossteil des Missbrauchs an Kindern in der eigenen Familie stattfindet, so als sei die automatisch gut und das stimmt nicht. Das wurde im Thread schon erwaehnt, das habe ich auch gelesen, aber nur weil du das wiederholst, dass die Familie gut sei bzw es implizierst wird es nicht richtiger. Und nun sagst du, dass ich auf die Frage des Resozialisierens nicht Antworte, was grade garnicht im Mittelpunkt stand und ein anderer Kontext ist. Es ging grade um den angeblichen Ausgleich durch Todesstrafe.


    Aber wenn ich dich nerve, dann steig ich jetzt aus der Diskussion aus.

    Woher weisst du, dass ein Taeter nicht falsch beschuldigt wird, weil man den zb eh noch nie mochte?


    Grade bei einem Mord ist es schwierig, weil das Opfer das nicht mehr klarstellen kann. Krimiszenario: Schiebt die erbende Familie das auf den Gaertner, der wars aber eig garnicht. Weiss aber keiner ausser die Beteiligten und der Onkel (der selber Mittaeter ist) der arbeitet bei der Polizei. Klar wars der Gaertner...

    Jetzt musste ich lachen ^^


    Wir reden alle aus Theorien heraus. Auch die Psychologen die die Täter betreuen tun das. Und die Juristen sowieso.
    Sobald wir den Mund auf machen sprechen wir in Theorien, wenn jemand die Wahrheit, die Wirklichkeit kennen würde, bräuchten wir nicht diskutieren, über nichts :D


    Und nein, man muss nicht weitere Opfer suchen, weil der Tod ein endloser Zustand ist. Einmal unendlich, zweimal unendlich, dreimal unendlich -macht keinen Unterschied.


    Du kannst nicht fuer mich sprechen. Fuer mich is das keine Theorie, dann wuerde ich auch nicht erkennenn, dass das bei dir der Fall ist. Fuer mich ist es egal wodurch man einen geliebten Menschen verliert, danach ist nichts mehr wichtig, auch ein Taeter nicht. Ich rede da von mir. Die Gefaehrdung anderer, wenn er frei rumlaeuft und der Verlust sind zwei verschiedene Sachen. Ein Einsperren ist gut, weil er dann keine weiteren gefaehredet, das aendert das Verlustempfinden aber nicht und somit findet dort auch kein Ausgleich statt.


    Und das es keine Wahrheiten gibt stimmt auch nicht, aber sie sind subjektiv. Wenn man glaubt, man koenne das eins zu eins mit Worten vermitteln, als sei es genau diese Erfahrung, dann ist das nicht wahr. Dh. die Unmittelbarkeit ist nicht wahr und nicht dass man zb etwas empfindet.

    Das ist Esoterik. Es gibt da kein Schicksal, dass ausgeglichen wird. Das klingt nach einem Rechenschieber.


    Mal angenommen ein Sadist toetet meine Mutter. Dann fehlt sie und mir gehts scheisse, weil es meine Mutter war. Die kann durch nichts ersetzt werden. Wenn man dann den Moerder toetet, dann gehts mir immernoch scheisse, weil meine Mutter fehlt und die auch nicht wiederkommt, egal wieviel Leute man da noch toetet. Die fehlt. Mir gehts dann auch nicht besser davon.


    Der Mensch ist nicht gut oder schlecht, sondern einfach nur Mensch und die Erkenntnis macht es nicht leichter, sondern noch viel schwerer, weil sogesehen alle Opfer sind und man immer falsch handeln wird, sobald man taetig wird, was nicht heisst, dass man deswegen nicht taetig werden sollte. Aber man entscheidet dann eben fuer andere, die sogesehen "nur" Menschen sind und eben keine Monster. Die Ansicht, dass sie Monster sind, macht es naemlich in Wirklichkeit leichter, denn dann haben die das garnicht anders verdient. Das ist einfach.


    Bei der buddhistischen Auffassung der "Naechstenliebe" geht es letztendlich um die eigene Psychohygiene, das hat nicht mit der christlichen Naechstenliebe zu tun, sondern das verbittern selber krank macht. Das is sogesehen Egoismus warum man diese Einstellung kultiviert und nicht um etwas Aeusserem gerecht zu werden.