Beiträge von Efeukrone

Schon gewusst…?

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    Garlef Oturson kann ich mich nur anschließen.


    Dankeschön, ich mit diesem Hinweis auch bzw mich nur wiederholen. Hätte man wenigstens dieses Mal den Link angeklickt oder sich die ganze Rede angesehen, so wäre wahrscheinlich aufgefallen, dass es hier sehr wohl um die aktuelle Rede geht, in der JPII von Franziskus zitiert wird! ;) Aber schon gut... :rolleyes:



    Heute sterben viele für sich alleine, statt im Kreise der Sippe. Der Zusammenhalt ist flöten gegangen, zu Gunsten einer Aufwertung jedes Einzelnen.


    Die Aufwertung ist aber auch nur eine Schein-Aufwertung. Sie verkennt das Eingebundensein der Person in einen Komplex aus Personalitäten. Du führst ja das beste Beispiel an, was das für fatale Folgen haben kann. Dazu gehört für mich auch, dass man sich heute nicht mehr wirklich drauf verlassen kann dass andere zusammenhalten. Das ist keine Personifizierung, sondern eine Egofizierung der Gesellschaft.

    Man sollte sich schon etwas genauer ansehen worüber man da eigentlicht spricht. Aber das scheint ja gerade unter Heiden nicht so gern getan zu werden.




    Die GGG-Artikel beziehen sich ohnehin fast nie auf wissenschaftliche Literatur, sondern nahezu ausschließlich auf "Quellen" und das sind bisweilen (Ammen-)Märchen, völkisches "Sagengut" und allerlei Obskuritäten... (was ich primär nicht kritisiere, aber dann müsste wie oben gesagt der Anspruch auf Wissenschaftlichkeit mal fallen)


    Mehr noch. Religiöse "Wissenschaft" ist in erster Linie kreativer Umgang mit Überlieferungen, denen existenzielle Bedeutung zugeschrieben wird. Die Kommentatoren der Veden in den Brahmanas und Upanishaden oder der rabbinische Midrasch sind dafür die besten Beispiele.
    Das Schriftwerk der GGG sehe ich heute genau auf dieser Linie. Nur seltsamerweise wird 1.) oft so getan, als sei es akademnische Wissenschaft und 2.) keine andere Deutung als die des Hohepriesters zugelassen. Obwohl sich beides auf uralte, weit verbreitete religiöse Praktiten stützen würde. Das werde ich nie verstehen, aber sei es drum...

    Ach, mein Zwirnwölfchen, kein Grund sich so zu echauffieren. Ich habe zwei gute Ratschläge gegeben, und nichts weiter. Im Gegensatz zu DIR bin ich hier niemand an den Karren gefahren.


    Aber schön dass du hier noch Narrenfreiheit hast, gelle? ;)


    @Runenfreund
    Nach bisher greifbaren Zahlen 5-10 Festmitglieder und etwa 200 Unterstützer (Freundesring), allerdings weiß ich nicht wie aktiv die noch sind. Nach dem was ich mitkriege eher weniger.

    @Ravena:
    Hättest du den Link angeschaut, dann wäre dir u.a. dieser Satz aufgefallen:

    Zitat

    Wie gesagt, die GGG vertritt eine andere Religion, die hinsichtlich ihrer Symbole und der Verwendeten Worte überschneidungen mit uns hat, ohne jedoch begriffliche Gemeinsamkeiten aufzuweisen.


    Zitat

    Irgendwie habe ich nach dem, was ich bis jetzt von ihm gelesen habe - auch in seinen Büchern - , großen Respekt vor diesem Mann! Leider habe ich ihn noch nie persönlich getroffen.


    In dieser Hinsicht habe ich vor ihm auch riesengroßen Respekt, da könnten sich viele eine Scheibe von abschneiden.
    Aber: die Art wie er (u.a. von SueDesGrauens schon dargestellt) mit seinem Status und vor allem mit anderen Menschen umgeht scheinbar ohne jeglisches Gefühl für Realität oder Empathie, finde ich so schlimm, da geht mir, gelinde gesagt, jeglicher Respekt sofort wieder flöten. Schade.


    Sollte aber nicht das Thema Nummer 69269438 über diesen Menschen werden, er kriegt einfach zu viel Aufmerksamkeit - wahrscheinlich auch einfach deswegen weil es sonst kaum nennenswerte Goden in Deutschland mehr gibt. Da dominiert er das Thema, wie ich grad auch schon wieder in einem Gespräch gemerkt habe. Er ist ein hin und wieder etwas vorlauter Hohepriester seiner religiösen Gemeinschaft, mit dem man sich befassen kann, aber nicht muss.


    Also, Deckel zu und Schwamm drüber.

    Zuerstmal muss man wissen, wo die GGG herkommt. Sie hat ihre Wurzeln in der neugermanischen Bewegung der letzten zwei Jahrhunderte und wurde durch den Maler und Dichter Ludwig Fahrenkrog gegründet. Fahrenkrog war zwar nach meinem Ermessen germanischer Heide, aber kein klassischer, sondern eher ein para-christlicher Mystiker, der die Erkenntnisse der Deutschen Mystik mit Inhalten germanischer Mythologie füllte.


    Nach seinem Tod spaltete sich seine Nachfolge in eine Familien- und Vereinstradition. Die Familientradition verband die Ansätze Fahrenkrogs mit den elbgermanischen (alemannischen) Überlieferungen ihrer Heimat, der Verein nahm eine eher nordische Richtung und verknüpfte diese Traditionslinie mit der von Snorri Sturluson.
    Zur zweiten Richtung gehört auch Geza und das was man heute "Altheidentum" nennt.


    Jetzt zu den eizelnen Punkten:

    Zitat

    - bezeichnet sich als Altheidentum weil sie nur das in Rituale und religiösen Alltag übernehmen was aus Quellen herleitbar ist


    Das ist nicht richtig, die Bezeichnung wurde von Geza geschaffen um sich von der in den 90ern parallel entwickelnden Bewegung abzugrenzen, die als "Neuheidentum" bezeichnet wurde. Kann man heute noch im Eldaringforum nachlesen.


    Zitat

    - nehmen (wie die Weltreligionen auch) Geld für private Rituale durch die Goden


    Wie eigentlich die meisten religiösen Gemeinschaften, denn irgendwie muss man das ganze ja finanzieren.


    Und daraus die Fragen:

    Zitat

    - Woran liegt dieses zwielichte Bild der GGG in 'unseren Kreisen'?


    An einer zwielichten Beurteilung Fahrenkrogs (wer vor 100 Jahren in der völkischen Bewegung aktiv war ist heutigen Heiden halt unheimlich) und an den Äußerungen Gezas und Bjarkas, bzw der Art, wie sie mit Leuten umgehen die nicht ihrer Meinung sind.


    Zitat

    - Wie sieht sich der Verein selbst in Bezug auf das Neuheidentum?


    Sie grenzen sich davon, schon durch ihre Selbstbezeichnung, rigoros davon ab, meinen es aber seltsamerweise häufig besser zu wissen oder denen zu sagen was und wie sie es zu tun haben. Sie "nehmen ja auch ihre Quellen und Traditionen ernster und waren früher da" (aus ihrer Sicht jeweils).



    Zitat

    - Rein spekulativ-nicht provokativ gemeinte Frage: Arbeiten sie einigen Vorurteilen gemäß indoktrinarisch unter Mitgliedern oder ist man in seiner Meinung und Sichtweise weiterhin autonom in diesem Verein?


    Nach dem was ich festgestellt habe, sind die Mitglieder durchaus autonom, aber der Verein scheint leider bevorzugt Sektierer anzuziehen. Ich habe schon viele Mitglieder getroffen, die relativ unabhängig von den Wortführern agiert haben, aber von denen sind - wahrscheinlich aus dem eben genannten Grund - da auch viele rausgegangen.


    Zitat

    - Was haltet ihr von solchen Godenausbildungen und wisst ihr wie deren Rituale ablaufen?


    Ich finde es toll dass die so was haben, vermisse ich bei anderen Gruppen meistens. Habe ich großen Respekt davor.


    @Ravena:

    Zitat

    Ihm ist bewusst, dass Neuheidentum mit Altheidentum "beinah verwandt" wäre, aber er hält dennoch das Neuheidentum schlichtweg für eine andere Religion.


    Auch umgehkert: VfGH - Forum | VfGH-Allgemein | Gemeinschaft des alten Pfades / Germanische Glaubensgemeinschaft


    So, darüber dürft ihr jetzt gern weiter diskutieren, gute Zeit noch :D

    Das Bild ist cool, schick das mal ein bisschen rum ;)


    Zitat

    Glauben toll zu finden, nur weil an deren Mitgliedern Verbrechen verübt werden, hat meiner Meinung nach etwas von einer Lüge, denn vorher interessierte sich niemand für die Jesiden.


    Die Erfahrung dass das Thema die letzten Jahre keine großen Reaktionen hervorgerufen hat, teile ich leider auch. Gerade germanische Heiden haben mir auch sonst sehr oft demonstriert wie gering ihr Interesse an anderen Religionen ist, selbst wenn ihre Traditionen oder Situationen damit unmittelbar zusammen- und sogar davon abhängen.


    Aber vielen Menschen wird erst jetzt bewusst dass es sowas wie diese Religionsgemeinschaft überhaupt gibt. Da kann man sich doch besser spät als nie damit befassen oder? Die Sache ist nunmal jetzt aktuell. Willkommen im Leben.


    (Nur rhetorische Frage! Hab alles gesagt was ich zu dem Thema zu sagen habe! Arriva!)

    *gähn*


    Jesiden – Wikipedia


    Die germanische Religion vor ihrem indo-europäischen Hintergrund


    Zitat

    Kleine Reste indoeuropäischer Religionen haben im iranischen Kulturbereich überlebt, darunter auch die der kurdischen Yesidi, deren Religion allerdings eine Art Geheimlehre ist, die gegenüber Außenstehenden abgeschirmt wird. Das entspricht bitterer Erfahrung, denn sie werden nicht nur staatlicherseits ihrer kurdischen Identität wegen verfolgt, sondern zusätzlich vor allem von den anderen (muslimischen) Kurden als "Götzenanbeter" diskriminiert.


    Sind die Heiratsregeln im Yezidentum diskriminierend?


    Zitat

    Im Yezidentum gilt das Gebot der Eheschließung innerhalb der eigenen Religionsgemeinde. Bei dieser endogamen Heiratsregel handelt es sich um einen historisch entstandenen Prozess, der in der Verfolgungssituation den Zusammenhalt und die Solidarität der Yeziden stärkte. Er ist in der Gemeinschaft fest verankert, in Europa allerdings anderen gesellschaftlichen Bedingungen ausgesetzt.



    Die Yeziden vor Sheikh Adi


    Zitat

    Unter den Gruppen der alten Religionen, die ca. 2000 Jahre v.Chr. nach Kurdistan und Persien kamen, waren die Mithraisten wegen ihrer militärischen Elemente am stärksten. Sie hatten eine kriegerische und sehr männliche (patriarchalische) Religion. Bis zum Christentum gab es kaum eine radikale Veränderung in den alten Religionen. Es gab zwar neue Religionen, wie z.B. den Zoroastrismus, der nach dem Mithraismus kam. Doch es handelt sich hierbei um eine Reformation des Mithraismus durch Zarathustra ca. 550 v. Chr., nicht um eine revolutionäre Aufhebung. Jede neue Religion kam mit neuen Elementen, um die Wünsche ihrer neuen Anhänger und ihrer Gegenwart zu erfüllen. Es gab immer Schlag und Gegenschlag, z.B. auf den Mithraismus als männliche (patriarchalische) Religion folgte der Zoroastrismus als weibliche (matriarchalische) Religion.


    Die Art und die Weise wie die Yeziden beten hat große Ähnlichkeit mit den Gebetsriten des Zoroastrismus. Am deutlichsten wird das beim Morgengebet mit dem zur Sonne gewandten Gesicht. Die fünf Gebete am Tag stammen auch vom Zoroastrismus und nicht vom Islam, wie behauptet wurde. Für die Yeziden sind zwei der fünf Gebete am wichtigsten, das bei Sonnenaufgang und das bei Sonnenuntergang. Beide Gebete widmeten sich ursprünglich dem Mithra (Sonnengott) und nicht Zarathustra. Die sieben strengen Obligationen, die Zarathustra für seine Anhänger festgelegt hat, waren sieben Feste, die dem Ahura-Mazda gewidmet waren. Diese sieben Feste sind eher als pastoral und bäuerlich zu betrachten denn als militärisch (wie beim Mithraismus) oder wirtschaftlich (wie beim Islam). All diese sieben Feste existieren bei den Yeziden bis heute, aber wegen des Zeitwechsels zu anderen Jahreszeiten als damals (bewegliche Feste)



    Wie ist das Toleranzverständnis im Yezidentum zu anderen Religionsgemeinschaften?

    Zitat

    Die yezidische Gesellschaft hat als Grundverständnis, dass ein Yezide ein guter Mensch sein kann, aber um ein guter Mensch zu sein, muss man nicht Yezide sein. Das heißt also: Die Yeziden vertreten nicht die Auffassung, dass sie andere Menschen von der eigenen Religion überzeugen müssen, also die anderen von ihrer Religion abbringen und missionieren müssen. Sondern das Yezidentum ist von vornherein tolerant gegenüber anderen Religionen. In einem Gebet der Yeziden heißt es: „Lieber Gott, schütze erst die 72 Völker und dann uns“.


    Warum es falsch ist, Jesiden als Teufelsanbeter zu beschuldigen › Natur des Glaubens › SciLogs - Wissenschaftsblogs

    Schönes Thema @Moll, gefällt mir :)


    Itil (Stadt) – Wikipedia


    "Ätil/Itil war eine multireligiöse und polyethnische Stadt, in der Juden, Christen, Muslime, Schamanisten und Heiden lebten, darunter viele Händler aus anderen Ländern. Alle Religionsgruppen verfügten über ihre eigenen Kultstätten und das städtische Gericht wurde nach religiösem Proporz besetzt, sodass alle Religionen (Judentum, Christentum, Islam, Heidentum/Schamanismus) vertreten waren und jeder Angeklagte hatte das Recht, dass sein Fall von einem Richter seiner eigenen Religion behandelt würde."


    Sowas? ;)


    Ich denke dass man hierfür noch nicht mal so tief in der Vergangenheit graben muss. Schaut euch mal um! Vielen ist gar nicht bewusst in was für einre multireligiösen Gesellschaft wir inzwischen (wieder) leben.


    Religionen & Weltanschauungsgemeinschaften in Deutschland: Mitgliederzahlen - REMID - Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst e.V.


    Mein aktuelles Lieblingsbeispiel ist immer noch Bad Cannstatt! Schon in der Antike eine der letzten gallo-römischen Städte in einer von Alemannen bevölkerten Welt. Es gibt zwei hinduistische Tempel nur eine Straßenecke entfernt, von denen sich einer (ausgerechnet der "heidnische") das Dach mit dem Kulturverein der Moslems teilt, direkt gegenüber vom Friedhof und der Kirche. Eine weitere Straßenecke entfernt treffen sich die europäischen Heiden regelmäßig, auf demselben Platz wo eine weitere Kirche steht und auch heute noch heidnische Frühlingsrituale stattfinden - bis heute ist Cannstatt nämlich eine der Zentren der traditionellen germanisch-alemannischen Fasnet, und jedes Jahr findet dort eine riesige Hindu-Prozession statt, zu der die Leute zusammenströmen.


    Cannstatt zeichnet sich also schon mal durch ein Zusammenleben verschiedener Religionsgemeinschaften aus und ich bin überzeugt, es steht damit nicht alleine. Eine Stadt, die sich jetzt aber besonders dadurch auszeichnet (bzw darauf ausgerichtet ist, im Sinne einer Stadt der Religionen), wäre natürlich auch ein schöner Traum :) Womöglich gibt es eine solche sogar in Asien. Jerusalem z.B. geht so ein bisschen in die Richtung, hat aber einen sehr tragischen Hintergrund und ein angespanntes Verhältnis. Vielleicht aber eher im Osten Asiens, da würde mich das nicht überraschen.


    Ansonsten: Klein anfangen ;) Und schauen was rauskommt...

    So, nachdem es mir jetzt wie so oft dank einer Fehlermeldung den ganzen Thread verspult hat, hier nochmal kurz und bündig:


    Frohî Ostere, liebe Heiden.


    Ich möchte jetzt mal ganz genau wissen wann ihr euer Osterfest feiert, Mir sind bisher drei Möglichkeiten bekannt:


    1.) Die meisten scheinen einfach das christliche Osterdatum zu übernehmen


    2.) Andere feiern am Donnerstag davor als mutmßalichem germanischem Osterfeiertag


    3.) Wieder andere legen das Fest einfach mit dem wiccanischen Ostara-Blot zum 21.3. zusammen (das spätestens seit den 90ern auch von germanischen Heiden gefeiert wird, und somit auch manchmal das herkömmliche Osterfest ersetzt)


    Bitte schaut auch nochmal in meine Umfrage zum Funkenfest.

    Das habe ich neulich im Netz gefunden...


    Ein schwedischer Buddha aus der Wikingerzeit :)
    Bin mir nur nicht sicher ob die Anfertigung auch nordisch ist, oder aus dem indogriechischem Kulturraum importiert wurde.


    (Quelle kann ich gerade zwar nicht nennen, aber die kriegt ihr sicher selber raus!)

    Hallo Forum,


    So schön ich diese Diskussion finde, so scheint mir dass doch leider (wieder?) ein ganz wesentlicher Kernpunkt zum größten Teil übersehen wird.

    Viele heidnische Kulte die heute so großen Zulauf haben, dass sie einigermaßen organisiert und vernetzt sind (wie z.B. Asatru oder hinduistische Kulte) beziehen sich sehr historisierend auf das Pantheon eines nicht-/vorchristlichen Kulturkreises.

    Es gibt schlichtweg keine "nicht-/vorchristlichen Pantheons". Nur eins, und das ist ein Bauwerk in Rom. Heidentum ist und war immer eine Summe verschiedener Kulten und Mythen, die sich zwar auch zu etwas Größerem verbinden, aber beiweitem nicht so systematisch und in sich geschlossen wie das aus vielen Überlieferungen so rüberkommt.


    Einer meiner Favoriten in dieser Hinsicht ist der römische Senator Vettius Agorius Praetextatus, einer der letzten berühmten Heiden, der gleichzeitig Pater des Mithraskultes, Priester des Sol & Vesta, Kybele und Eingeweihter in die Eleusischen Mysterien war. Gerade Rom ist ein gutes Beispiel dafür, wie synkretistisch Religionen eigentlich per se schon sein können.
    Man kann also problemlos persönlich Göttern aus völlig unterschiedlichen Kulturkreisen folgen oder die sogar in einem Kult verbinden (was für mich aber einen etwas eklektischen Beigeschmack hat, aber wie gesagt, auch das war in der Antike nicht ungewöhnlich). Im Übrigen finde ich es schwierig davon zu reden, Gottheiten zu "erschaffen". Auch das kam zwar im antiken Heidentum durchaus schon vor - Sarapis und Attis sind da Beispiele, sowie zu Göttern erhobene Menschen.


    Im germanischen Bereich wäre ein besonders schönes Beispiel die Nymphe Fritilla. Die darf man als Neuschöpfung betrachten (Fritilla-Geweihte mögen mich bitte hauen wenn ich mich irre), hat aber mehrere Legitimationen dafür.
    Zum einen eine mythisch-symbolische, weil sie in einem Märchen als Verjüngerin der Natur, des Hieros Gamos und der weiblichen Geschlechtlichkeit eine große Rolle spielt.
    Zum anderen eine kultische, weil in ihrem Namen junge Mädchen eine Weihe erhalten können.
    Und zuletzt eine wesenheitliche, indem sie auch als Entsprechung der römischen Flora betrachtet wird.


    Der letzte Punkt zeigt aber auch die typische Möglichkeit, eine Gottheit aus einer anderen Kultur zu übernehmen und entsprechend umzudeuten bzw -nennen. Man kann ihnen dann durchaus germanische Beinamen geben, auch das war in der Antike typisch. Und bei einem Gott wie Ganesha sehe ich da wenig Probleme, weil es einfach keine gute Entsprechung dafür im germanischen, auch nicht im gallo-römischen oder sonstigem europäischen Kultkomplex gibt. Und was da alles "mitschwingt" spielt doch eigentlich keine so große Rolle wenn er seinen eigenen Kult im Germanischen entwickelt, schließlich ist die spätrömische Isis auch deutlich losgelöst von der eigentlichen ägyptischen Göttin.
    Das pragmatischste ist aber, sich einen solchen Kult erst gar nicht konstruieren zu müssen, sondern die Verehrung einfach direkt mit einer bestehenden (also hinduistischen?) Kultgemeinschaft regelmäßig auszuführen. Die findet man ja bekanntlich sehr leicht und gut zugänglich.


    So, viel Spaß noch beim Diskutieren dieses wirklich tollen und nicht oft genug bequasselbaren Themas!
    Bin schon wieder weg.
    :prost:


    2. Gehe ich davon aus; dass Tyr indogermanischer - also asischer - Abstammung ist, weil all seine nicht-germanischen Versionen ausschließlich in indogermanischen Gebieten zu finden sind. Soll heißen, dass all die nicht-germanischen Pendants Tyrs, die ihm sowohl im Aufgabengebiet als auch in etymologischer Hinsicht gleichen, überall im indogermanischen Raum zu finden sind. Von Schottland bis nach China, von Skandinavien bis nach Indien.
    Tyr muss also eine indogermanische - und keine megalithische - Gottheit sein, da man ihn auch dort kennt, wo es nie Megalithiker gab - aber Indogermanen.


    Pardon, aber so kannst du in dem Fall leider nicht argumentieren.


    Aus zwei Gründen ;)


    1. Ist es sehr zweifelhaft ob das Konzept der Wanen als eigenständiges Göttergeschlecht überhaupt bis in die Zeit vor der Christianisierung zurückreicht (wurde hier schon 100 Mal durchdiskutiert)
    2. Lässt sich selbst dann keine klare Scheidung in indogermanische Asen und megalithische Wanen machen, denn dann hast du auch in anderen indoeuropäischen Religionen Anklänge an den Krieg - und gerade die Wanen, vor allem Freyr und Freya, zeigen sehr hohe Übereinstimmungen mit anderen indogermanischen Götter.

    Zitat

    Das wohl markanteste spezifische Charakteristikum des Christentums ist wohl, dass sie an Jesus Christus als Sohn ihres Vater-Gottes und Messias sehen und seinen (angeblichen) Lehren folgen. Das unterscheidet sie am meisten von den Juden und den Moslems, deren Glauben dem christlichen ansonsten ja sehr ähnlich ist...


    Hui, dass ich so eine treffende Beschreibung des christlichen "Konzeptes" mal in einem heidnischen Forum lese, ist echt eine coole Überraschung :D


    /OT off - Jetzt aber mal zu deiner eigentlichen Frage:


    Zitat

    so, und was sind diese spezifischen Chrakteristika nun beim germanischen Heidentum? Was unetrscheidet uns (bis auf die Namen unserer mythischen Wesen) von den Celtoi, Hellenisten, Rodnovera und anderen?


    Wozu muss man das überhaupt unterscheiden?


    Und dir scheint das jetzt vor allem um europäische Heidentümer zu gehen? Zumindest was die asiatischen betrifft hab ich ja an anderer Stelle schon ein paar treffende erwähnt. Siehe ritueller Alkoholkonsum, Knochen- und Totenkult usw... das ist jedenfalls noch eine asiatisch-europäische Frage. Wenngleich mir ironischerweise die Parallelen zwischen den Vorstellungen in Indien und Germanien wesentlich größer vorkommen als wenn ich andere indogermanische Religionen mit ins Boot hole.
    Das kann vielleicht daran liegen, dass sich gerade in diesen Gebieten sehr archaische Vorstellungen bewahrt haben, zum anderen aber auch daran, dass dieser Eindruck nur auf unserer modernen Interpretation beruht, die viele Unsicherheiten in vertraute Formen stopft. Oder einfach an den mangelnden Inhaltskenntnissen, die wir von slawischer, baltischer oder keltischer Religion haben. Und da sehe ich schon das Problem für die Ausgangsfrage.


    Und Ymir, nein, da muss ich euch leider enttäuschen - ist nichts besonderes ;)


    Schauen wir uns mal die Entwicklungsgeschichte an.


    Jede indoeuropäische Religionsform ist je nach Region auf einen unterschiedlichen kulturellen Boden gefallen, auf dem sie sich fortgepflanzt hat (besonders stark nachwirkend z.B. die Induskultur und die proto-griechische...minoische?).


    Für die Germanen war es offensichtlich eine sehr schamanisch geprägte Megalith-Kultur in einem besonders rauhen Klima. Schamanische Elemente sind bei uns verhältnismäßig stark ausgeprägt. Was mir auch auffällt, ist, dass viele Aspekte, die in anderen Kulturen deutlicher verteilt sind, hier meist auf einige wenige Gottheiten zusammenfallen. Wotan und Frija als besonders krasse Beispiele.


    Und dazu finden sich auch viele Elemente auf verschiedenen Ebenen:
    "Die" Siegfriedsage und der Sonnenmythos
    Lässt sich sogar auf Wotan und Ziu übertragen, sie verkörpern dasselbe Prinzip.


    Ein Gegenbeispiel wäre dann noch die Verteilung des Sonnenaspekts auf verschiedene Sonnengötter (Sunna, Baldag, Ostra und Heimdall).


    Die drei Jenseitsrichtlinien nach Todesarten (siehe Ran, Walhalla und Hel) ist ebenfalls etwas, was ich so nicht aus allen Religionen kenne.


    Die enge Verknüpfung von Recht, Sitte und Göttlichkeit sehe ich zum Beispiel auch nirgends so stark.


    Sofern diese Konzepte natürlich für alle Gültigkeit haben, und ob sie auch das vorchristliche Wesen widerspiegeln, darf bezweifelt werden.

    Zitat

    Da Irminsul ins Hochdeutsche übersetzt große Säule heißt, denke ich war die Irminsul tatsächlich "nur" eine Säule und kein Abbild eines Baumes.


    Das ist so nicht ganz einfach. Zur Irminsul würde ich ausnahmsweise tatsächlich erstmal den Wikipedia-Artikel zu Rate ziehen. Die Originalerwähnung ist die:


    Zitat

    „Truncum quoque ligni non parvae magnitudinis in altum erectum sub divo colebant, patria eum lingua Irminsul appellantes, quod Latine dicitur universalis columna, quasi sustinens omnia.“


    „Sie verehrten auch unter freiem Himmel einen senkrecht aufgerichteten Baumstamm von nicht geringer Größe, den sie in ihrer Muttersprache ,Irminsul‘ nannten, was auf Lateinisch ,columna universalis‘ (dtsch. All-Säule) bedeutet, welche gewissermaßen das All trägt.“


    Es handelt sich also um eine Übertragung ins Lateinische. Die genaue Bedeutung des Wortes "Irmin" ist nicht ganz geklärt, sie wird wohl etwas im Sinne von "weltumspannend" oder "welttragend" bedeuten.


    Sonst gibt es diese Wurzel z.B. noch als Beiname Allvater-Odins, als Namensbestandteil der Midgardschlange, als allgemeinen Gottesbegriff ("Irmingod") und ein Zusammenhang zu den (H)erminonen (=Elbgermanen) scheint ebenfalls zu bestehen.


    Es ist also möglich, dass wir es hier mit einem Wort von tiefreligiöser Bedeutung zu tun haben, dessen Bedeutung wohl auch die Chronisten nicht mehr so richtig kannten. Die Tatsache, dass dieses Wort eigentlich nur in religiöser Verbindung mit welttragenden oder -umspannenden Dingen genannt wird, macht das sehr wahrscheinlich.

    Zitat

    Das Konzept des Christentums entspricht dem, dass von den Gläubigen erwartet wird, z B genau dann, genau das Gebet zu sprechen, ob demjenigen nun danach ist oder sich den Gebetsworten des Pastors anzunehmen, auch wenn es nicht die eigenen sind. In die Gottesdienste zu gehen, weil gerade Sonntag ist und es verlangt wird, obwohl der Christ heute überhaupt keine Lust darauf hat. Sich den Geistlichen als Vermittler zu unterwerfen, weil der Mensch sich nach deren Glauben nicht ohne mit dem Christengott verbinden kann. Dogmen dann.


    Entschuldigung, aber das ist doch nun wirklich an den Haaren herbeigezogener Unsinn! :rolleyes:


    Und nur weil das einzelne christliche Sekten durchaus mal so praktizieren, ist das noch lange nicht *das* Konzept *des* Christentums.


    Tu dir selbst und allen Christen mit denen du Kontakt hast einen Gefallen und befass dich mal mit dem was Jesus gelehrt hat bevor du über sowas urteilst. Und noch als kleiner Hinweis weil das gern vergessen wird - das steht in den Evangelien (die des Neuen Testament und ein paar apokrypen wie den Thomas-Logien) und wirklich nur da.


    Das regt mich mittlerweile tierisch auf, weil ich solche Vorurteile (die man meist an Äußerlichkeiten später Entwicklungen einer Kirche oder Sekte festmacht) häufig lese, ganz besonders unter Heiden. Und beiweitem nicht nur von dir.

    Bekannterweise hat das germanische Heidentum eine gewisse Armut in der Überlieferung seiner Mythen, da vieles durch die Christianisierung zerstört worden ist. Bei genauer Betrachtung fällt einem jedoch auf: So arm wie man gemeinhin annimmt, ist die germanische Kultur gar nicht! Neben der Edda gibt es durchaus noch weitere Sagen, wie die daran ähnliche Sammlung von Saxo Grammaticus, die mittelalterlichen Heldensagen nicht zu vergessen, und natürlich auch der kleine heimische Sagenschatz.


    Bei meinen Studien zur schwäbischen Sagenwelt bin ich auf diese Seite verwiesen worden und wollte euch das mal zeigen:
    pangloss.de - Schwäbische Sagen


    Ich finde das eigentlich eine ganz tolle Idee. Man hat eine Liste aller Sagenkerne, mit der jeweiligen Angabe des eigenen Wohnortes und dem Literaturhinweis, wo man genaueres dazu nachlesen kann.
    Daraus ergibt sich unter anderem, dass in Schwaben offenbar einige Mythologeme sehr häufig sind, zum Beispiel die Schlagen mit den Goldkronen (Mini-Lindwürmer??) oder der Geister-Pudel mit Schlüssel im Maul auf einer Schatzkiste. Andere Beispiele wäre das auserwählte Kind aus der Wiege eines bestimmten Eichenholzes, und nicht zu vergessen die zahlreichen Geschichten um die Wilde Jagd.


    Ich glaube, ich geh demnächst in die Bücherei, schnapp mir ein Buch über meinen Landkreis und vervollständige die Liste. Das Ergebnis stell ich dann gern zur Verfügung. Mal sehen was dabei alles zusammenkommt, und vielleicht ergänzt es ja unsere bisherigen Mythen.


    Macht mit! :prost: