Beiträge von Iwan-Dummerjan

Schon gewusst…?

Die Wikinger waren nicht einfach nur wilde Unmenschen. Die Vorstellung von wild aussehenden Plünderern mit irrem Blick ist nichts Anderes als ein Mythos. Tatsächlich wurden die Teile Großbritanniens, die von den Angel-Dänen besetzt waren von ihren Angel-Sächsischen Nachbarn als überaus sauber beschrieben, da sie darauf bestanden, mindestens einmal die Woche zu baden und ihre Haare stets gut frisiert hielten.

    Alles Gute zur Sonnenwende und Jul :-)


    Bei uns gab's Würstchen und Kartoffelsalat am Vorabend, und am Feiertag selbst Schweinebraten, Kaninchenkeule, Bohnen und Klöße. Und den nötigen Stress... Der heilige Abend selbst war aber herrlich ausgelassen... jeder kirchlichen Predigt gegen heidnische Ausschreitungen würdig 🤭

    In altenglishen Gedichten werden die verfallenden, baulichen Hinterlassenschaften der Römer als "enta geweorc" (Werke der Ents (abwandlung von "Eotens") = große/beeindruckende/gewaltige Bauwerke) bezeichnet.

    https://en.wikipedia.org/wiki/The_Ruin

    Auch in der englischen Folklore stellt man sich die Ents und Ettins als riesenhaft vor.

    Die norddeutschen Hühnen, die eine Verschmelzung der eingefallenen Hunnen/Magyaren mit den älteren Konzepten der Etunen und Durisen bilden, sind auch immer Übergroß (von "mehrere Köpfe größer" über "Haushoch" bis zu "groß wie ein Berg").

    Das kann man selbstverständlich auch als Anpassung der Körpergröße an die zugeschriebene "Riesenkraft" ;) sehen.

    Sehr interessant! Bisschen Off-Topic, aber nur zur Stütze Krets Argumentation: In Griechenland wurden die riesigen Bauten aus mykänischer Zeit (13. Jhd. v. Chr.) zur Zeit, als die griechischen Epen Ilias und Odyssee niedergeschrieben wurden (8. Jhd. v. Chr.) auch als von Riesen/Zyklopen erbaut gedacht. Etliche Jahrhunderte später, als die Griechen schön längst Christen und Teil des oströmischen Reiches waren, hielt man die Erbauer der alten Ruinen, die "Hellenen", ebenfalls für riesig groß und sehr stark. (Im 19. Jh. hielt das "einfache" Volk Griechenlands die Westeuropäer, die man alle als "Franken" bezeichnete, für die Nachkommen eben jener legendären, aber heidnischen Hellenen, weil jene eben so viel Interesse an den alten Ruinen an den Tag legten.)


    Vergleiche zwischen Loki und Prometheus soll es auch geben. Beider Listenreichtum und Bestrafung weisen Ähnlichkeiten auf.

    Im Nowy Casnik, der niedersorbischen (wendischen) Wochenzeitung, stand vor kurzem etwas Ähnliches. Auf dem Berg Czorneboh/Čornebóh ("Schwarzer Gott") in der Oberlausitz wolle man ein Bismarckdenkmal errichten. Ob Bismarcks Germanisierungsbestrebungen und Repressionen nationaler Minderheiten (wie eben der Wenden und Sorben) zeigen die slawischen Lausitzerinnen und Lausitzer sich eher wenig begeistert von diesem Vorhaben.

    Außerdem, was ist denn aus dem Binnen-i geworden? Das verwende ich immer. Denn ja, ist kein Witz, für mich ist das tatsächlich unsere deutsche (preußische) Pedanterie, die mich dazu anstachelt, zu gendern. Und auch dieser legendäre Vorfall der Schweizer und Schweizerinnen.

    Mich würde interessieren, wie ihr euch Bildungsarbeit vorstellen könntet? Aber im Sinne des Geistes der heutigen Zeit! Wir kommen um das Digitale nicht drum herum. ver.di macht für wichtige Angelegenheiten kleine Comicvideos. Die kommen im Hirn bei den Beschäftigten an. Doch da stoßen WIR an unsere Grenzen, nehme ich an.

    Die von der Werbeindustrie haben den Bogen raus. Irgendso ein Psychodingens ist das.

    Familie, Freunde und Kollegen weise ich ab und an schon auf manche abergläubischen Sachen hin... seit ich da arbeite, wird vermehrt auf die hölzernen Tische geklopft, als vorher... ich bin in der Hinsicht manchmal schon penetrant... Hihi... Fielen gefällt's aber. Die Namen „Asatru” oder „Rodna Wera” oder selbst „Heidentum” fallen dabei nicht. Wir wollen-sollen nicht missionieren, aber ich finde es schon wichtig, dass de Menschen in Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise wissen, was ein Hühnergott/Lochstein ist. Das ist ein Muß. Die meisten finden es interessant oder quittieren es einfach mit einem „Aha”. Aber ich denke, da fängt es doch ein bisschen an.


    Ich werde mich definitiv nicht auf Tiktok oder wie das gedoens heißt anmelden.

    Ich hatte mir tatsächlich Mal überlegt, auf Instagram irgendwie so etwas zu machen. Eine folkloristische Instagram-Site mit erklärenden Fotos zu bestimmten Bräuchen im Jahr/Monat. Wobei ich mich auch ziere, bestimmte Sachen mit der Öffentlichkeit zu teilen. Meinen Weihnachtsbaum zum Beispiel. Der ist total 08/15, aber eben schon mehr als zwanzig Jahre in der Familie und mir zu heilig, um aller Welt zu zeigen (wobei ich bestimmt schon einmal Fotos von ihm auf Facebook gesetzt hatte, als ich dieses noch hatte). Ick weeß et doch ooch nich!


    Wir Heiden und Heidis sind doch wieder Mal schön uneinig.

    Nun bin ich gespannt. Donnerseele erwähnte bereits auch so etwas. Heute ist Vollmond, der zweite nach dem 21. Juli, der meteorologischen Sommersonnenwende (wenn ich nicht irre) und nach dem Johnnestag, an welchem heuer auch Vollmond war. Die alten Germanen feierten Mitsommer am zweiten Vollmond nach der Sommersonnenwende? (Könnt auch ruhig im entsprechenden Thread antworten. Ich habe einfach Aufholbedarf was echtes germanisches Heidentum anbelangt.... Darf man das sagen, „echt germanisch”?)

    ((In 2019 war ich zum ersten Mal auf'm Brocken. Zur Walpurgisnacht. Ist doch ein bisschen der „Had(d)sch” für Deutsche. Zumindest für Deutsche Romantiker und Folkloristen. Sonst wohne ich aber zu weit weg, gerade auch da ich weder Fahrerlaubnis noch fahrbaren Untersatz habe. Nur einen Drahtesel. Und dem werde ich so langsam zu schwer...))

    Kräuter gesammelt, Blumen gepflückt, Kränze werden gewunden. Habe mich bisschen vom HDA-Eintrag inspirieren lassen. Und von de Letten. Vattern hat Montag n Feuerchen im Garten gemacht, fängt sich, nun er in Rente ist, auch an, für alte Bräuche zu interessieren. Genau wie sein Großvater, genau wie sein Sohn. Ist ja auch richtig so (wie sein Schwiegervater zu sagen pflegt)!


    Es handelt sich dabei aber um Johannisbräuche.

    So, es gab bereits einen entsprechenden und sogar noch gar nicht so alten Thread zum Thema Sommersonnenwende, in den ich zudem schon meinen Bautzener dazugegeben habe.


    Bevor ich des Donnerseele und des/der Sabsa Fragen beantworte (haltet die Erwartungen niedrig), muss ich vorweg sagen, dass ich heuer (Danke, HANGATYR ) zum ersten Mal der Sommersonnenwende etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt habe, also in Hinsicht auf das Phänomen Sommer und vor allem Sonne eigentlich zu erwarten wäre.


    Zum ersten Mal habe ich einen Johanniskranz gewunden, mit echtem Johanniskraut. Ziert nun die steinernern Locken meiner Sonnengottbüste (siehe Foto). Diese Kränze soll man (und wohl auch frau) ein ganzes Jahr aufbewahren, sie feien die Menschen vor Krankheit und allem Übel. Ähnlich wie das Kräutersträußchen, dass ich zum Herrentag gepflückt habe (gibt es denn etwas Männlicheres als am Herrentag im Wald Blumen zu pflücken?) und das mich und meine MitplattenbaubewohnerInnen ein ganzes Jahr vor Blitzeinschlägen schützt.


    Der Johannestag bzw. der Tag der Sommersonnenwende gilt im Aberglauben aber eben auch als gefährlicher Tag und besonders das Baden in Gewässern sollte am 24. Juni vermieden werden (wobei zu einem Bade am Vorabend, also am Abend des 23. Juni, geradezu geraten wird, da dies heilsam sei), da die Geister (und Götter) des feuchtesten aller Elemente eben an diesem Tag oder um diesen Tag herum ihre Opfer fordern. Ob dieser Aberglaube darauf zurückzuführen ist, dass die alten Heiden und Heidis um der Sommersonnenwende herum ihren Göttern geopfert haben, indem sie die Opfer im Wasser versenkten und dies dann von ihren Nachfahren unverstanden als Opfer an speziell die Wassergötter, nunmehr Wassergeister, interpretiert wurde, vermag ich nicht zu sagen, ich stelle es nur in den Raum. Die alten heidnischen Römer feierten einen Monat später, am 23. Juli, ihre Neptunalien: dann zogen die Leute an den Strand des Meeres und des Tibers, bauten aus Laub kleine Hütten und feierten zu Ehren des Neptun mit reichlichem Alkoholgenuss. Darin sieht man eine Geste der „sympathischen” Zauberei: Wassergott Neptun sollte tunlichst vermeiden, dass Italiens Gewässer im heißen mediterranen Sommer verdünsteten. Darum trank man viel, damit es auch in Zukunft viel Flüssigkeit gebe. Für mich hört sich das ein bisschen wie Camping an.


    Zurück zu uns. Ob die Opfer an das Wasser hierzulande auch das Versiegen verhindern sollten, weiß ich nicht. Ich glaube eher nicht, da zu diesem Zwecke im Frühling bereits bestimmte Maßnahmen getroffen werden und sowieso auch ganzjährlich (an Donnerstagen sollte man kein Bad nehmen, keine Wäsche waschen und auch kein Geschirr spülen, an diesen Tagen hat nur der Wetterherr ein Anrecht darauf, Wasser strömen zu lassen). Ich denke, dass zum Sommeranfang einfach die Fischer-, Boot- und Badesaison anfing, weil es klimatologisch sicher war (ich bin ein Stadtkind, belehrt mich eines Besseren, wenn ich Unsinn erzähle). Der Mai kann manchmal schon recht sommerlich sein, manchmal ist er aber auch überraschend frisch. Ende Juni scheint in unseren mittel- und nordeuropäischen Breiten die Temperatur sicher zu sein, um sich beim Baden „nicht den Tod zu holen”, wie meine Großmutter noch immer zu sagen pflegt, sogar wenn mein Bruder, meine Kousins oder ich im Juli oder August bei etwas frischerem Sommerwetter im See baden gehen...


    Wie läuft es nun bei mir ab? Frau Kolumna würde es nicht mit ihrem charakteristischen „sensationell” kommentieren. Ich winde allein oder mit einem/r Verwandten/Bekannten Gänseblumenkrönchen und hänge die an die Bäume nahe eines Gewässers oder lasse sie auch direkt auf das Wasser treiben. Und dann werfe ich kleine stückchen Schwarzbrot in das Wasser, die von Wasservögeln oder Fischen verspeist werden. Schwarzbrot als Synkretismus der Bräuche aus Rotenburg am Neckar bzw. Quedlinburg an der Bode (siehe unten Auszug aus dem HDA). Aber das läuft alles ganz unspektakulär ab, wobei doch mit einem gewissen, innerlichen Zeremoniell, so wie wenn man während der Bescherung den Weihnachtsmann macht und die Päckchen überreicht (das liest sich vielleicht verhöhnend, ist aber wirklich ernst gemeint).


    Das meiste, oder eigentlich alles habe ich aus dem HDA, dem Handwörtbuch des deutschen Aberglaubens, daher ist es nicht direkt wendisch/slawisch, aber auch nicht pur germanisch, da ja auch nicht-germanische Stämme zur Ethnogenese des deutschen Volkes ihren Beitrag geleistet haben. User Kret hat schon ganz Recht: Ich versuche mich auf regionales Brauchtum zu konzentrieren, wobei diese Region sehr fluide Grenzen hat: Mecklenburg-Vorpommern, Ostseeraum, der deutsche Sprachraum oder ganz Europa, mitunter auch die ganze Welt (sogar ich werde schwach bei manchen Weihnachtsbräuchen von Übersee und sogar Halloween bin ich nicht abgeneigt).


    Donnerseele Ich vollziehe diese Bräuche am 23. und 24. Juni. Also halte ich mich eher an die jüngeren, aus bereits christianisierter Zeit stammenden Vorgaben.


    Zu den Dateianhängen:

    1. Datei: Ein Replikat einer zu Rhodos (gr. Insel) gefundenen Büste des Sonnengottes, von mir zum Entsetzen meines Bruders vielleicht etwas kitschig bemalt. Sie trägt den Johanneskranz den ich heuer gewunden habe.


    2. bis 5. Datei: Auszüge aus dem Handwörterbuch des dt. Aberglaubens, genauer aus Band 4 (Seiten 724 bis 726), aus dem Eintrag zu Johannes dem Täufer (hoffentlich könnt ihr das lesen?).


    6. bis 7. Datei: Auszug aus Haralds Biezais' 1972 bei Almqvist & Wiksells in Uppsala erschienen Werk „Die himmlische Götterfamilie der alten Letten” (S. 314-315), um einen Eindruck zu gewinnen, wie zauberhaft die Sommersonnenwendfeier bei den Letten und vielleicht auch anderen Balten und anderen Europäern vorbereitet wurde. Also mir kommt da wirklich schon fast weihnachtliche Gemütlichkeit in den Sinn.