Beiträge von Ratatoskr

Schon gewusst…?

Forn Siðr


Eine Bezeichnung für die alte heidnische Religion, die oftmals synonym für Ásatrú benutzt wird, ist Forn Siðr, ein altnordischer Begriff, der so viel wie „alte Sitte“ bedeutet (dt. auch Firne Sitte). Er setzt sich zusammen aus altnordisch forn „alt“ und siðr „Sitte“. Der Terminus Forn Siðr und Varianten wie forn landsiður „alte Landsitte“ oder fornri siðvenju „alter Sittenbrauch“ finden sich in einer Reihe von Sagas, so in der Färingersaga, der Saga Magnús konungs Erlingssonar, der Saga Ólafs hins helga oder der Skjöldunga saga.

    Hab mir gedacht, ich teile hier mal, so als Weihnachtsgeschenk, den Aufsatz den ich während meinem Studium an der Universität Island zu diesem Thema verfasst habe. Der Text wurde ursprünglich auf Isländisch verfasst und später ins Deutsche übertragen; bitte verzeiht mir, wenn die Sprache deshalb ein bisschen holprig ist...


    [url='https://1drv.ms/b/s!Ar4106qg1q-urQO4jfNkCfjPqlh1']Wuetisheer, heidnische Fragmente im schweizerischen Volksglauben

    Hab mir gedacht, ich teile hier mal, so als Weihnachtsgeschenk, den Aufsatz den ich während meinem Studium an der Universität Island zu diesem Thema verfasst habe. Der Text wurde ursprünglich auf Isländisch verfasst und später ins Deutsche übertragen; bitte verzeiht mir, wenn die Sprache deshalb ein bisschen holprig ist...https://1drv.ms/b/s!Ar4106qg1q-urQO4jfNkCfjPqlh1


    [url='https://1drv.ms/b/s!Ar4106qg1q-urQO4jfNkCfjPqlh1']Wuetisheer, heidnische Fragmente im schweizerischen Volksglauben

    Wodan Wili und We sind bestimmt eine Zugabe Snorris.


    Snorri hat sicher vieles dazugedichtet, aber mit grösster Sicherheit nicht Vili und Vé… Darauf deutet die stabreimende Formel (V)óðinn, Vili und Vé hin. Da V vor Óðinn ging beim Übergang vom Urnordischen zum Altnordischen verloren, da im Altnordischen (wie auch im modernen Isländischen) lautlich kein V vor O oder U stehen darf. Dies sieht man beispielsweise gut beim isländischen Verb "að verða" (werden): "ég verð" (ich werde), "ég varð" (ich wurde), "við urðum" (wir wurden), "orðið" (geworden).
    Falls Snorri die beiden erfunden hat, wäre dies ein riesiger Zufall, da der Übergang vom Urnordischen zum Altnordischen zu Snorris Zeiten bereits seit ca. 500 Jahren vollzogen war…


    Trinitäten sind in indogermanischen Mythologien weit verbreitet und es ist nicht auszuschliessen, dass in ein und derselben Religion mehrere sich überschneidende vorkommen können. Denkbar ist auch, dass die "christliche" Trinität unter Eindruck der römisch-griechischen Mythologie entstanden ist.

    Wenn icjh es richtig gelesen habe: wurde da nicht sogar vorgeschlagen, von außerhalb anzureisen, um die Irrwege der Isländer zu korrigieren?


    Ist leider wahr… Und deswegen ist sich der Ásatrúarfélag am überlegen den Hof nicht öffentlich zugängig zu machen bzw. nur in Form von Führungen. Quelle: Vísir - Ofstækismenn vilja í nýtt hof Ásatrúarfélagsins


    Ich meinerseits bin froh und stolz dass es in meiner Wahlheimat eine solch fortschrittliche Religionsgemeinschaft gibt, wo ich mich auch als schwuler agnostisch gesinnter Ásatrú zuhause fühlen kann…


    Ein weiterer englischsprachiger Artikel zum Thema gibts hier: The Icelandic Pagan Association receives hate-mail from reactionary pagans abroad | Icelandmag

    Isländisch ist ebenfalls nicht zu empfehlen da es eine sehr alte Sprache ist die eigentlich nie in Kontakt mit anderen Sprachen gekommen ist und sich das Vokabular auch nicht vermengen konnte.


    Das ist ein weitverbreitetes Vorurteil… Island war schon immer in regem Kontakt mit anderen Sprachen, das Isländische von vor 200 Jahren war gespickt mit dänischen, deutschen und niederländischen Lehnwörtern, sogar aus dem Arabischen wie zum Beispiel "fíll" für "Elefant". Grund für den altertümlichen Wortschatz des heutigen Isländischen ist hauptsächlich die "Sprachreinigung" durch isländische Nationalisten im 19. Jahrhundert, die das Isländische auf Basis des Altnordischen rekonstruierten. Nicht in allen Bereichen konnten sie sich durchsetzen, so wird beispielsweise weiterhin das aus dem Dänischen stammende "bíll" anstatt "bífreið" (Auto) gebraucht, oder auch "appelsína" anstatt "glóaldin".
    Das teilweise Fehlen von "internationalen" Wörtern ist fürs Lernen nicht so schlimm, da sich – sobald man einen gewissen Grundwortschatz beherrscht – die Bedeutung der Worte leicht erschliessen lassen. Beispiel: "lögregla" = "lög" (Gesetze) + "regla" (Regel, Ordnung) = Polizei; "lögfræðingur" = "lög" + "fræði" (Wissenschaft) + "-ingur" (Person) = Anwalt, Jurist; "leðurblökumaður" = "leðurblaka" (Fledermaus; wörtlich "Lederflügel") + "maður" (Mann, Mensch) = Bat Man ;)
    Die Grammatik ist in etwa vergleichbar mit dem Deutschen, rein subjektiv gesehen jedoch logischer und konsequenter. Das Fehlen eines unbestimmten Artikels macht die Konjugation der Adjektive einfacher als im Deutschen.
    Die Aussprache ist zu 99% aus dem Geschriebenen ableitbar und somit extrem einfach sobald man die Regeln kennt.


    Zudem ist Isländisch für Ásatrúar sowieso die interessanteste Sprache; wer möchte schon nicht die Edda im Original lesen können… :thumbup:


    Wir WISSEN NICHT wie altnordisch ausgesprochen wurde. Es gibt eine Fraktion, meist Laien, die annehmen es würde gleich ausgesprochen wie modernes isländisch, da AN mit isländisch auch sonst sehr nah verwandt ist und nur geringfügige Unterschiede aufweist.
    Es gibt aber auch eine Fraktion, überwiegend Linguisten, die davon ausgehen dass sich die Aussprache von AN zu isländisch STARK geändert hat obwohl der Rest eher gleich blieb.


    Korrekt.


    Grund ist Isolation als insel und mangelnder Kontakt zu anderen AN Sprechern was eine starke Dialektbildung begünstigt. Vergleiche britisch Englisch und australisch Englisch und da liegen nur ein paar Jahrhunderte dazwischen kein Jahrtausend. oder Schweizerdeutsch und Hochdeutsch - isolation begünstigt eine starke Veränderung in der Aussprache trotz gleichbleibender Grammatik.


    Nicht ganz korrekt: Trotz den starken Veränderungen ist Isländisch immer noch die Sprache, die sich am wenigsten vom Altnordischen entfernt hat. Andere nordische Sprachen haben sich da viel stärker verändert, allen voran Dänisch, Norwegisch und Schwedisch. Die isolierte Lage Islands ist somit eher dafür verantwortlich dass sich die Sprache so wenig verändert hat. Zudem gibt es auf Island so gut wie keine Dialekte, was vornehmlich darauf zurückzuführen ist, dass Island eine jahrhundertelange Schrifttradition besitzt und schon vor 200 und mehr Jahren ein Grossteil der Bevölkerung lesen und schreiben konnte.
    Und zum Schweizerdeutschen: Das Schweizerdeutsche (bzw. Alemannische) basiert auf Westoberdeutschen Dialekten, während die Hochdeutsche Schriftsprache auf Ostmitteldeutchen Dialekten (Herkunftsregion von Luther) mit Ostfränkischem Einfluss basiert. Die Schweizerdeutschen Dialekte sind also nicht irgend ein "degeneriertes" Hochdeutsch, sondern haben sich eigenständig aus dem Ur(west-)germanischen entwickelt. Es gibt keine gemeinsame "Urdeutsche" Sprache, von der alle "deutschen" Dialekte abstammen. Abstammungsgeschichtlich gesehen liegt zum Beispiel Niederländisch (ein Niederfränkischer "Dialekt") näher am Standarddeutschen als beispielsweise Niedersächsisch, Bayrisch oder eben Alemannisch/Schweizerdeutsch.


    Das ist ja das Perverse am AN - es liest sich gut, man kann oft die Bedeutung erahnen - und wenn dir jemand sagt, wie es ausgesprochen wird, legst du dich hin und willst vor Verzweiflung das Gras ausrupfen.
    Beispiel: Der Gruppenname unseres Living-History-Haufens. Schreibt sich "Vidforull". Wenn mans weiss, kommt man drauf, das "Vid" für weit und "forull" für fahrend oder reisend steht. also quasi "Die weit gereisten". So weit, so gut. Eine gute Freundin lebte knapp zehn Jahre auf Island. Die haben wir dann logischerweise nach der korrekten Aussprache gefragt. Sie grinste fies und gab einen Laut von sich, der sich ausgeschrieben in etwa "Fithwärüttl" mit Betonung auf dem ü angehört hat. Wir haben uns dann drauf geeinigt, dass man den Grupennamen ausserhalb Islands so ausspricht, wie man ihn im Deutschen liest.... ;)


    Bitte Neuisländisch nicht mit Altnordisch/Altisländisch verwechseln. Die Mär, Isländer sprächen immer noch dieselbe Sprache wie die Wikinger ist schlicht und einfach falsch. Auch wenn in den Bereichen der Grammatik und im Schriftbild nicht viel geändert hat, sind die Unterschiede in der Aussprache und Bedeutung vieler Worte gewaltig! Ein Isländer, der sich nicht vorgängig eingehend mit Altnordisch befasst hat, würde einen in die Gegenwart katapultierten Wikinger nur mit grössten Schwierigkeiten verstehen. ;)

    Also ich würde empfehlen zuerst mal Neuisländisch zu lernen:

    • Neuisländisch ist erstens mal eine lebendige Sprache. Dies ist für die Lernmotivation sicher mal ein gewaltiger Vorteil.
    • Neuisländisch ist (in geschriebener Form) beinahe identisch mit Altnordisch: geringfügige Unterschiede gibt es beim Wortschatz und bei den Vokalen. Der Hauptunterschied zwischen den beiden Sprachen liegt in der Aussprache. Da aber Altnordisch sowieso von niemanden mehr gesprochen wird, spielt dies eigentlich keine grosse Rolle. (ist dasselbe wie mit Latein: wer spricht schon Cæsar als "Kaësar" aus?)
    • Neuisländisch ist viel einfacher zu lernen, weil es da auch ein breites Angebot an Kursen gibt, die aus didaktischer Sicht hervorragend aufgebaut und nicht nur Leuten mit einschlägiger akademischer Vorbildung zugänglich sind. Ich beispielsweise finde diesen (online-) Kurs sehr gut aufgebaut: http://icelandic.hi.is/


    Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass sich der Umweg über Neuisländisch durchaus lohnt und man dadurch wohl schneller zum Ziel kommt als wenn man sich von Anfang an ins Altnordische stürzt. Zudem lernt man so eine wunderschöne Sprache mit einer extrem reichhaltigen Literatur, die man auch mal im Urlaub gut gebrauchen kann. Wer jedoch nur Altnordisch in der Originalaussprache beherrscht, würde in Island von so gut wie niemanden verstanden werden… ;)
    Zum Thema "schwierig": Ja, Isländisch (egal ob Alt- oder Neu-) ist sicher nicht die simpelste Sprache auf der Welt. Aber Leute die Deutsch beherrschen haben bereits einen gewaltigen Vorteil: sie kennen das Prinzip der vier Fälle (Nominativ, Akkusativ, Dativ, Genitiv). Auch ist der Wortschatz ziemlich ähnlich, man kann also viele Wörter ableiten: að lesa = lesen, að læra = lernen, að spila = spielen, etc.

    Sofern "argr" Homosexualität in einem negativen Sinne beschreibt.


    "argr" bedeutet gemäss dem altnordischen Wörterbuch von Gerhard Köbler:
    ar-g-r, an., Adj.: nhd. feige, unmännlich, unsittlich; Vw.: s. Œ-; Hw.: s. er-g-i, er-g- ja-st, er-t-a, Þg-urr (2), Þr-gum-lei ?-i; vgl. got. *args, ae. earg, anfrk. arg, ahd. arg (2), afries. erch (1); E.: germ. *arga-, *argaz, Adj., feige, böse, angstbebend, nichtswürdig, unzüchtig; idg. *ergh-, *eregh-, *orgh-, *oregh-, Adj., feig?; s. idg. *er- (3), V., sich bewegen, erregen, wachsen (V.) (1), Pokorny 326; L.: Vr 13a
    rag-r, an., Adj.: nhd. feig, weibisch; E.: germ. *arga-, *argaz, Adj., feige, böse, angstbebend, nichtswürdig, unz•chtig; idg. *ergh-, *eregh-, *orgh-, *oregh-, Adj., feig?; s. idg. *er- (3), V., sich bewegen, erregen, wachsen (V.) (1), Pokorny 326; L.: Vr 432a


    Beschreibt nicht wirklich das, was man heutzutage unter "Homosexualität" versteht… Und zum Thema "unmännlich" empfehle ich diesen Link :D

    Sofern "argr" Homosexualität in einem negativen Sinne beschreibt.


    "argr" bedeutet gemäss dem altnordischen Wörterbuch von Gerhard Köbler:
    ar-g-r, an., Adj.: nhd. feige, unmännlich, unsittlich; Vw.: s. Œ-; Hw.: s. er-g-i, er-g- ja-st, er-t-a, Þg-urr (2), Þr-gum-lei ?-i; vgl. got. *args, ae. earg, anfrk. arg, ahd. arg (2), afries. erch (1); E.: germ. *arga-, *argaz, Adj., feige, böse, angstbebend, nichtswürdig, unzüchtig; idg. *ergh-, *eregh-, *orgh-, *oregh-, Adj., feig?; s. idg. *er- (3), V., sich bewegen, erregen, wachsen (V.) (1), Pokorny 326; L.: Vr 13a
    rag-r, an., Adj.: nhd. feig, weibisch; E.: germ. *arga-, *argaz, Adj., feige, böse, angstbebend, nichtswürdig, unz•chtig; idg. *ergh-, *eregh-, *orgh-, *oregh-, Adj., feig?; s. idg. *er- (3), V., sich bewegen, erregen, wachsen (V.) (1), Pokorny 326; L.: Vr 432a


    Beschreibt nicht wirklich das, was man heutzutage unter "Homosexualität" versteht… Und zum Thema "unmännlich" empfehle ich diesen Link :D

    So, melde mich als Direktbetroffener auch mal zu Wort. Hoffe es fühlt sich dadurch niemand bedroht… :P


    Also erstens finde ich es immer wieder amüsant, wie sehr sich "heterosexuelle" Männer offenbar durch Schwule bedroht fühlen (und dann noch gerne Lesben-Pornos schauen ;) )…


    Was ist der Grund für diese Unsicherheit? Wird man durch schwule an die eigenen homosexuellen Anteile erinnert, die so gut wie jeder Mensch bis zu einem gewissen Grad hat? Hat man ein Problem mit seiner eigenen Persönlichkeit, seiner eigenen Sexualität und muss sich dadurch besonders abgrenzen? Ist es Neid?


    Rein objektiv gesehen gibt es aus meiner Sicht kein Grund zur Sorge…

    • Homosexualität ist NICHT ansteckend (aussert vieleicht die Bereitschaft zu seiner eigenen Sexualität zu stehen ;) )
    • Nicht alle Schwulen laufen mit gebrochenem Handgelenk und Hüftschwung durch die Gegend, während dem sie mit hoher Stimme "I Will Survive" singen
    • Nicht alle Lesben haben kurze Haare
    • Nicht alle Schwulen rasieren sich die Beine (sind eigentlich alle Radfahrer schwul? :rolleyes: )
    • Schwule und Lesben können sehr wohl erkennen wer "für das Eine" in Frage kommt und wer nicht
    • Heterosexualität ist nicht normal, es ist "nur" häufig
    • Homosexualität gibt es schon seit Urzeiten und die Menschheit existiert immer noch
    • Stellt euch vor, es gibt Schwule die gerne Bier saufen, Fussball schauen und gerne Heavy Metal hören
    • Homosexuelle Kinder werden durch einen heterosexuellen Akt gezeugt


    Naja, die Liste könnte noch ins Unendliche weitergeführt werden, aber ich verzichte mal darauf… ;)


    Grundsätzlich ist es mir egal, wenn jemand ein Problem mit Homosexualität hat, solange diese Person mich in Ruhe lässt. Ich habe höchstens Mitleid…
    Und wer ein Problem mit meiner Sexualität hat, kann mich mal am A. oder so… :whistling:


    Nicht nur in der Lokasenna wird der Geschlechtswechsel (d. h. die fehlende geschlechtliche Identifikation) als "argr" kriitisiert. Auch im Harbardslied kommt der Vorwurf, "argr" (bzw. "ragr") also "homosexuell" zu sein. Und in den Gesetzen der Germanen war es eine besonders schwere Beleidigung, jemanden "argr" zu nennen.


    Die Überlieferungen sind da eindeutig, Homosexualität ist etwas schlechtes und sollte überwunden werden. Bei den Römern ging es um Pädophilie und zeitweilig ausgeübte Bisexualität (bei Kriegern), nie um reine, lebenslange Homosexualität. In Gesellschaften, in denen die Jungfräulichkeit der Frauen so wichtig ist, findet man es oft, daß zweitweilige Homosexualität geduldet wird, um damit die Frauen vor Entjungferung zu schützen.


    Allerdings lehren uns die germ. Überlieferungen auch, daß das die Angelegenheit der Betroffenen ist und man diese Menschen tolerieren muß, d. h. in Ruhe lassen. Sie handeln falsch, aber das ist ihre Sache, nicht unsere, denn wir haben auch unsere Fehler. So sollten wir es heute auch halten; außerdem gelten heutzutage für jeden andere Werte, es sind nicht mehr alles Heiden. In andern Systemen kann das ja anders betrachtet werden, und wir dürfen unser heidnisches System keinem aufzwingen.


    Ist ja schön, wie gut du dich mit den "germanischen Überlieferungen" auskennst… Vor allem die "Gesetze der Germanen" würden mich interessieren.


    Da du so gut Bescheid weist, kannst du mir sicher folgende Fragen mit Leichtigkeit beantworten (Quellenangaben sind wilkommen):

    • Inwiefern sind die Lokasenna und das Harbardslied "germanische" Überlieferungen?
    • Welches sind die Gesetze der Germanen?
    • Der Geschlechterwandel von Loki ist deiner Ansicht nach verwerflich. Wie erklärst du dir, dass Odin dann noch auf dem "Produkt" dieser "verwerflichen Schandtat" herumreitet?
    • Inwiefern bezeichnet "argr" Homosexualität?
    • Erklär mir, wieso Päderastrie und Pädophilie dasselbe sind? Bzw. was haben Päderastrie und Pädophilie mit Homosexualität zu tun?
    • Inwiefern ist Homosexualität falsch, bzw. ein Fehler?
    • Ein Fehler hat immer eine Ursache; was ist die Ursache von Homosexualität?
    • Leben Heiden alle nach denselben Werten? Wenn ja, welche Werte sind das?
    • Schliesst Heidentum Homosexualität aus, bzw. existiert da ein Widerspruch?

    So, melde mich als Direktbetroffener auch mal zu Wort. Hoffe es fühlt sich dadurch niemand bedroht… :P


    Also erstens finde ich es immer wieder amüsant, wie sehr sich "heterosexuelle" Männer offenbar durch Schwule bedroht fühlen (und dann noch gerne Lesben-Pornos schauen ;) )…


    Was ist der Grund für diese Unsicherheit? Wird man durch schwule an die eigenen homosexuellen Anteile erinnert, die so gut wie jeder Mensch bis zu einem gewissen Grad hat? Hat man ein Problem mit seiner eigenen Persönlichkeit, seiner eigenen Sexualität und muss sich dadurch besonders abgrenzen? Ist es Neid?


    Rein objektiv gesehen gibt es aus meiner Sicht kein Grund zur Sorge…

    • Homosexualität ist NICHT ansteckend (aussert vieleicht die Bereitschaft zu seiner eigenen Sexualität zu stehen ;) )
    • Nicht alle Schwulen laufen mit gebrochenem Handgelenk und Hüftschwung durch die Gegend, während dem sie mit hoher Stimme "I Will Survive" singen
    • Nicht alle Lesben haben kurze Haare
    • Nicht alle Schwulen rasieren sich die Beine (sind eigentlich alle Radfahrer schwul? :rolleyes: )
    • Schwule und Lesben können sehr wohl erkennen wer "für das Eine" in Frage kommt und wer nicht
    • Heterosexualität ist nicht normal, es ist "nur" häufig
    • Homosexualität gibt es schon seit Urzeiten und die Menschheit existiert immer noch
    • Stellt euch vor, es gibt Schwule die gerne Bier saufen, Fussball schauen und gerne Heavy Metal hören
    • Homosexuelle Kinder werden durch einen heterosexuellen Akt gezeugt


    Naja, die Liste könnte noch ins Unendliche weitergeführt werden, aber ich verzichte mal darauf… ;)


    Grundsätzlich ist es mir egal, wenn jemand ein Problem mit Homosexualität hat, solange diese Person mich in Ruhe lässt. Ich habe höchstens Mitleid…
    Und wer ein Problem mit meiner Sexualität hat, kann mich mal am A. oder so… :whistling:


    Nicht nur in der Lokasenna wird der Geschlechtswechsel (d. h. die fehlende geschlechtliche Identifikation) als "argr" kriitisiert. Auch im Harbardslied kommt der Vorwurf, "argr" (bzw. "ragr") also "homosexuell" zu sein. Und in den Gesetzen der Germanen war es eine besonders schwere Beleidigung, jemanden "argr" zu nennen.


    Die Überlieferungen sind da eindeutig, Homosexualität ist etwas schlechtes und sollte überwunden werden. Bei den Römern ging es um Pädophilie und zeitweilig ausgeübte Bisexualität (bei Kriegern), nie um reine, lebenslange Homosexualität. In Gesellschaften, in denen die Jungfräulichkeit der Frauen so wichtig ist, findet man es oft, daß zweitweilige Homosexualität geduldet wird, um damit die Frauen vor Entjungferung zu schützen.


    Allerdings lehren uns die germ. Überlieferungen auch, daß das die Angelegenheit der Betroffenen ist und man diese Menschen tolerieren muß, d. h. in Ruhe lassen. Sie handeln falsch, aber das ist ihre Sache, nicht unsere, denn wir haben auch unsere Fehler. So sollten wir es heute auch halten; außerdem gelten heutzutage für jeden andere Werte, es sind nicht mehr alles Heiden. In andern Systemen kann das ja anders betrachtet werden, und wir dürfen unser heidnisches System keinem aufzwingen.


    Ist ja schön, wie gut du dich mit den "germanischen Überlieferungen" auskennst… Vor allem die "Gesetze der Germanen" würden mich interessieren.


    Da du so gut Bescheid weist, kannst du mir sicher folgende Fragen mit Leichtigkeit beantworten (Quellenangaben sind wilkommen):

    • Inwiefern sind die Lokasenna und das Harbardslied "germanische" Überlieferungen?
    • Welches sind die Gesetze der Germanen?
    • Der Geschlechterwandel von Loki ist deiner Ansicht nach verwerflich. Wie erklärst du dir, dass Odin dann noch auf dem "Produkt" dieser "verwerflichen Schandtat" herumreitet?
    • Inwiefern bezeichnet "argr" Homosexualität?
    • Erklär mir, wieso Päderastrie und Pädophilie dasselbe sind? Bzw. was haben Päderastrie und Pädophilie mit Homosexualität zu tun?
    • Inwiefern ist Homosexualität falsch, bzw. ein Fehler?
    • Ein Fehler hat immer eine Ursache; was ist die Ursache von Homosexualität?
    • Leben Heiden alle nach denselben Werten? Wenn ja, welche Werte sind das?
    • Schliesst Heidentum Homosexualität aus, bzw. existiert da ein Widerspruch?


    Wenn du schon LIteratur aus dem Dunstkreis von Heinz Ritter-Schaumburg empfiehlst, möchte ich nur anmerken dass seine Thesen - vorsichtig ausgedrückt - sehr umstritten sind…
    Siehe Heinz Ritter-Schaumburg – Wikipedia


    Wenn du schon LIteratur aus dem Dunstkreis von Heinz Ritter-Schaumburg empfiehlst, möchte ich nur anmerken dass seine Thesen - vorsichtig ausgedrückt - sehr umstritten sind…
    Siehe Heinz Ritter-Schaumburg – Wikipedia

    Also heisser Met bringt (wie übrigens auch normaler Honig in heissem Tee) aussert vieleicht einem Placebo-Effekt rein gar nichts. Sobald Honig zu stark erhitzt wird (das beginnt schon bei ca. 40°C) werden die für die Heilwirkung wichtigen Enzyme abgetötet.
    Schmerzlindernd gegen Husten, Hals- und Schluckweh wirken ein bis drei ESSlöffel purer Naturhonig wahre Wunder!

    Also heisser Met bringt (wie übrigens auch normaler Honig in heissem Tee) aussert vieleicht einem Placebo-Effekt rein gar nichts. Sobald Honig zu stark erhitzt wird (das beginnt schon bei ca. 40°C) werden die für die Heilwirkung wichtigen Enzyme abgetötet.
    Schmerzlindernd gegen Husten, Hals- und Schluckweh wirken ein bis drei ESSlöffel purer Naturhonig wahre Wunder!

    <Möglicherweise regelten die Römer die germanische Siedlungstätigkeit im Gebiet der agri decumates (Dekumatland), später Alamannia genannt, sogar vertraglich, jedenfalls billigend 224 , und nahmen die Germanen als Föderaten für Militärdienste in Anspruch 225 , die Alamannen jedoch nach 378 offensichtlich kaum mehr.>


    Du vermischst hier ganz klar zwei verschiedene Zeitepochen. Tacitus beschreibt in seiner Germania den Zustand im 1. Jahrhundert. Die Semnonen gaben ihre Siedlungsgebiete östlich der Elbe erst im 3. Jahrhundert auf. Dies ist archäologisch (Siedlungsspuren, Bestattungsriten, etc.) nachgewiesen und in der Wissenschaft so gut wie unumstritten.


    b) Sogar wenn du recht haben solltest, was ich indes nicht glaube, würde das doch wohl keineswegs ausschließen, dass zur sogenannten "Völkerwanderungszeit" ein zentraler Semnonenhain sich genau im heutigen Zentrum Stuttgarts befinden hätte können. Spätestens zu diesem Zeitpunkt gab es ja "ebenfalls angeblich, wohlgemerkt" keine nennenswerte Zahl an Römern und Kelten mehr in dem von dir "beanstandeten Gebiet", oder etwa doch?


    Mag sein, ist jedoch höchst unwahrscheinlich. Ein solch wichtiges grosses Heiligtum hätte bestimmt archäologische Spuren hinterlassen. Von entsprechenden Funden im Stuttgarter Schlossgarten habe ich bisher noch nie etwas gehört.

    <Möglicherweise regelten die Römer die germanische Siedlungstätigkeit im Gebiet der agri decumates (Dekumatland), später Alamannia genannt, sogar vertraglich, jedenfalls billigend 224 , und nahmen die Germanen als Föderaten für Militärdienste in Anspruch 225 , die Alamannen jedoch nach 378 offensichtlich kaum mehr.>


    Du vermischst hier ganz klar zwei verschiedene Zeitepochen. Tacitus beschreibt in seiner Germania den Zustand im 1. Jahrhundert. Die Semnonen gaben ihre Siedlungsgebiete östlich der Elbe erst im 3. Jahrhundert auf. Dies ist archäologisch (Siedlungsspuren, Bestattungsriten, etc.) nachgewiesen und in der Wissenschaft so gut wie unumstritten.


    b) Sogar wenn du recht haben solltest, was ich indes nicht glaube, würde das doch wohl keineswegs ausschließen, dass zur sogenannten "Völkerwanderungszeit" ein zentraler Semnonenhain sich genau im heutigen Zentrum Stuttgarts befinden hätte können. Spätestens zu diesem Zeitpunkt gab es ja "ebenfalls angeblich, wohlgemerkt" keine nennenswerte Zahl an Römern und Kelten mehr in dem von dir "beanstandeten Gebiet", oder etwa doch?


    Mag sein, ist jedoch höchst unwahrscheinlich. Ein solch wichtiges grosses Heiligtum hätte bestimmt archäologische Spuren hinterlassen. Von entsprechenden Funden im Stuttgarter Schlossgarten habe ich bisher noch nie etwas gehört.

    <2. lebten die Semnonen zu dieser Zeit noch an der Elbe>


    Elbe...? Da sowohl der Name Alba ("Elbe") als auch der Name Albula (= "kleine Elbe") in diversen antiken Geographikai und Ephemerides für mindestens 19 verschiedene Flüsse bzw. Bäche (sic!) allein (aber nicht ausschließlich) innerhalb des damaligen germanischen geographischen Siedlungsareals (sic!) benutzt wurden, erübrigt sich für mich derweilen jede weitere defensive Erhärtung meiner Postulate. Was heißt, dass ich sehr wahrscheinlich recht haben kann. (Nichts für ungut... es ist in meinen Augen so.)


    Ist - sage es mal so - "interessant" wie du dies begründest... ;) Zum Glück gibt es neben den antiken Autoren noch weitere Quellen (Stichwort Archäologie…) die belegen, dass die Semnonen (als Teil der Sueben/Elbgermanen) um das Jahr 100 an der Elbe lebten (ja, derjenige Fluss den wir heute Elbe nennen!).


    Sogar Tacitus sagt über das Dekumatland (worin sich das spätere Stuttgart befand): "Nicht unter die Völker Germaniens möchte ich die Leute rechnen, die die agri decumates bearbeiten, obwohl sie sich jenseits von Rhein und Donau niedergelassen haben: die abenteuerlustigsten Gallier, die die Not kühn gemacht hat, haben den Boden, dessen Besitz umstritten war, besetzt; seitdem dann der Grenzwall angelegt und die Grenzwachen weiter nach vorn verlegt worden sind, bilden sie einen vorgeschobenen Posten unseres Hoheitgebietes und einen Teil der Provinz."


    Also mir fällt es schwer, mir vorzustellen, dass die Semnonen ihren heiligen Hain ausgerechnet 500 km von ihrer Heimat entfernt eingerichtet haben und dies erst noch in einem von den Römern beherrschten und von Kelten besiedelten Gebiet. Die hätten ja jedes Mal den Limes durchberechen müssen, wenn sie den Hain aufsuchen wollten (Und solche Invasionen hätten die römischen Geschichtsschreiber wohl nicht verheimlicht)…

    <Dass der Stuttgarter Schlossgarten etwas mit dem heiligen Suebenhain zu tun haben könnte, ist somit höchst unwahrscheinlich...>


    Ganz im Gegenteil. Mir selbst ist es inzwischen eine unumstößliche Gewissheit geworden.
    Aber halte mich gerne für einen Irrenden! Das sei dir unbenommen. Es liegt mir fern, anderen meine Meinung aufzwängen zu wollen. Allerdings denke ich, dass du vielleicht tiefer graben könntest und sehr wahrscheinlich auch solltest. Die Entdeckung jeglichen auch noch so kleinen Stückchens Wahrheit ist eine Wohltat, und die Welt ein bisschen mehr als tags zuvor zu verstehen kann wohl niemals schaden.


    Naja, dann erfreu dich mal an deiner "Wahrheit"… :prost: